KURaiTOR

Reisen

Österreichs Seen: welcher passt zu wem?

Kärnten für warmes Wasser, das Salzkammergut für Berg und See, das Burgenland für Wind: eine Sortierung nach dem, was der Urlaub können soll.

Von Maia Brandt · Aktualisiert am

Auf dem Küchentisch liegt eine Landkarte von Österreich, und darauf sind zu viele blaue Flecken. Kärnten bringt allein ein gutes Dutzend. Weiter nördlich sieht das Salzkammergut aus, als hätte jemand eine Handvoll Seen zwischen die Berge fallen lassen. Der eine will schwimmen, ohne dabei zu frieren. Die andere will vormittags auf einen Gipfel und nachmittags ins Wasser. Und jemand am Tisch fragt, ob das alles auch ohne Auto funktioniert.

Wer an diesem Punkt sucht, landet in Ranglisten der schönsten Seen. Sie helfen kein Stück weiter, weil Schönheit hier die falsche Kategorie ist. Fast alle diese Seen sind schön. Nur richten sie sich an sehr verschiedene Urlaube, und ein Sechzehn-Grad-Bergsee ist für eine Familie mit Kleinkind schlicht die falsche Adresse. Die brauchbare Frage lautet also nicht, welcher See der schönste ist, sondern welcher zu welchem Urlaub passt.

Warum sich die Seen stärker unterscheiden, als die Karte zeigt

Drei Größen entscheiden fast alles: Höhenlage, Tiefe und Windschutz. Die Kärntner Seen liegen tief im Süden, oft nur wenige hundert Meter über dem Meer, und viele von ihnen sitzen in Mulden, an denen der Wind vorbeizieht. Ihre oberen Wasserschichten heizen sich über den Sommer auf und geben die Wärme nur langsam wieder ab. Genau daher stammt der Ruf als wärmste Badeseen des Alpenraums.

Anders die Seen weiter nördlich und westlich. Der Traunsee ist der tiefste See Österreichs, der Hallstätter See fällt bis auf rund 125 Meter ab. So viel Wasservolumen wärmt sich langsam auf. Kommt Höhe dazu wie beim Achensee in Tirol, bleibt das Wasser auch im August frisch, mit Spitzenwerten um zwanzig Grad. Dazu kommt die Ufergestalt: Wo steile Felswände direkt ins Wasser stürzen, gibt es wenige flache Einstiege, dafür Schatten am Nachmittag.

Die vierte Größe ist der Zugang. Manche Ufer sind über Kilometer verbaut, andere gehören fast ganz dem Wald. Das entscheidet darüber, ob man spontan mit dem Handtuch ans Wasser geht oder ob man vorher recherchieren muss, wo überhaupt ein Weg hinunterführt.

Kärnten liefert das warme Wasser und die breiten Ufer

Wer im Wasser liegen und nicht nur hineinspringen will, fährt nach Süden. Der Wörthersee ist der bekannteste der Kärntner Seen und der geselligste: Promenaden, Strandbäder, Bootsverleih, abends volle Terrassen. Für Reisende ohne Auto ist er die einfachste Wahl im Land, weil die Südbahnstrecke zwischen Villach und Klagenfurt mehrere Orte direkt am Nordufer bedient. Vom Bahnsteig zum Wasser sind es dort teils wenige Minuten zu Fuß.

Der Millstätter See daneben ist länger, tiefer und ruhiger im Ton. Über dem Südufer steigt der Wald steil an, das Nordufer trägt die Orte und die Bäder. Wer zwischen den beiden schwankt, findet die Unterschiede im Detail im Vergleich Wörthersee oder Millstätter See. Der eine ist der See zum Sehen und Gesehenwerden, der andere der zum Vorlesen auf der Liegewiese.

Der Faaker See südlich von Villach ist klein, türkis und flach genug, um früh im Jahr warm zu werden. Der Mittagsberg schiebt sich als Kulisse über das Ufer, und weil der See überschaubar ist, kennt man ihn nach zwei Tagen. Familien mit kleinen Kindern kommen hier gut zurecht.

Und dann der Weissensee, der Ausreißer. Er liegt höher als seine Nachbarn, sein Ufer ist zum größten Teil unverbaut, und viele Buchten erreicht man nur zu Fuß oder mit dem Schiff. Motorboote mit Verbrennungsmotor gibt es keine. Wer abends das Wasser gegen den Bootsrumpf schlagen hören will statt Musik von der Strandbar, ist hier richtig.

Das Salzkammergut verbindet See und Berg an einem Tag

Ortswechsel nach Norden, ins Salzkammergut. Hier stehen die Seen so dicht beieinander, dass man in einer Woche mehrere kennenlernt, ohne das Quartier zu wechseln. Der Attersee ist der größte von ihnen, weit und offen, ein Revier für Segler. Der Traunsee liegt schmaler und dunkler unter dem Traunstein, dessen Wand von der Uferstraße aus fast senkrecht wirkt. Der Wolfgangsee gilt als der klassische Ferien-See der Region, mit Schifffahrt und der Bergbahn auf den Schafberg über dem Ostufer.

Der Hallstätter See ist der berühmteste und zugleich der sperrigste. Steile Wände auf beiden Seiten lassen das Wasser fast schwarz erscheinen, Platz zum Baden gibt es nur an wenigen Stellen. Wer den Ort selbst sehen will, sollte den Besuch planen statt ihn einzuschieben; wie das ohne Gedränge klappt, steht im Beitrag Hallstatt besuchen.

Für die Anreise ohne Auto ist diese Region die stärkste im Land. Von Attnang-Puchheim führt die Salzkammergutbahn am Traunsee entlang über Bad Ischl bis zum Hallstätter See und weiter in die Steiermark, Busse verteilen von den Bahnhöfen aus in die Orte. Der Bahnhof von Hallstatt liegt sogar auf der gegenüberliegenden Seeseite, sodass man den Ort mit dem Schiff erreicht. Ein besserer Auftakt lässt sich kaum bauen. Welcher See sich für welche Art von Woche eignet, sortiert der Vergleich der Salzkammergut-Seen.

Tirol, Salzburger Land und das Burgenland für alles andere

Manche Reisenden wollen gar kein warmes Wasser, sondern eine Kulisse. Der Achensee ist mit knapp sieben Quadratkilometern der größte See Tirols und wird gern das Meer des Landes genannt. Frisch bleibt er trotzdem, und sein Wind ist berechenbar: vormittags eine leichte Brise aus Süden, nachmittags kräftiger Nordwind aus Richtung Bayern. Für Segler und Surfer ist das die eigentliche Attraktion, zum Baden reicht ein beherzter Sprung.

Der Zeller See im Salzburger Land ist kleiner und wärmer, und er hat einen Vorteil, den fast kein anderer Bergsee bietet: Der Bahnhof von Zell am See liegt mitten im Ort, wenige Minuten vom Wasser entfernt. Über der Stadt beginnt das Skigebiet der Schmittenhöhe, im Sommer eine Bergbahn für den Vormittag. Wasser, Berg und Bahnsteig auf engem Raum, das trifft die Familie ohne Auto ziemlich genau.

Ganz anders das Burgenland. Der Neusiedler See im Osten ist ein Steppensee, im Mittel nur rund anderthalb Meter tief, gesäumt von einem breiten Schilfgürtel. Man watet weit hinaus, ohne den Grund zu verlieren. Sein Kapital ist der Wind, der meist aus Nordwest kommt und das Revier zu einem der bekanntesten für Surfer und Kiter in Mitteleuropa macht; wie es dort auf dem Wasser zugeht, beschreibt der Beitrag zu Podersdorf am Neusiedler See. Dazu kommt der Radweg rund um den See, rund 125 Kilometer flach durch Weingärten und Schilf, mit Fähren für die Abkürzung über das Wasser.

Wo die Sortierung an Grenzen stößt

Ganz sauber lässt sich das Land natürlich nicht aufteilen. Auch Kärnten hat kühle Bergseen, und im Salzkammergut findet man an flachen Buchten im Hochsommer angenehm warmes Wasser. Die Werte schwanken zudem von Jahr zu Jahr. Ein verregneter Juni drückt jeden Badesee, ein langer Hitzesommer hebt auch die tiefen.

Zwei Punkte werden regelmäßig unterschätzt. Erstens die Zugänglichkeit: Öffentliche Liegewiesen sind an manchen Seen knapp, weil Hotels und Privatgrundstücke große Teile des Ufers halten. Wer nicht im Ort wohnt, sollte vorher wissen, wo ein freier Einstieg liegt. Zweitens das Wetter im Gebirge. Über den Bergseen bauen sich an heißen Nachmittagen Gewitter auf, oft schneller als erwartet, und dann ist ein Ruderboot in der Seemitte keine gute Idee.

Dazu kommt die Saison. Im Juli und August sind die bekannten Ufer voll, Parkplätze knapp, Liegewiesen belegt. Anfang Juni ist an den tiefen Seen das Wasser oft noch frisch, dafür hat man den Uferweg fast für sich. Der September dreht das Verhältnis um: warmes Wasser aus dem Sommer, leere Strandbäder, klare Luft über den Bergen. Wer flexibel ist, gewinnt an den Rändern der Saison mehr als durch die Wahl des Sees.

Bleibt die Wahl selbst. Sie fällt leichter, wenn man sie umdreht und nicht mit dem See beginnt, sondern mit dem Tag, den man sich vorstellt: Wasser bis zum Abend, oder Gipfel und Wasser, oder Wind und Rad.

Von hier aus weiter

Wer zwischen den beiden großen Kärntner Kandidaten schwankt, liest den Vergleich Wörthersee oder Millstätter See. Für die Woche zwischen Bergen und Booten sortiert der Vergleich der Salzkammergut-Seen die Reviere, und wer den bekanntesten Ort der Region sehen will, plant ihn mit dem Beitrag Hallstatt besuchen.

Geht es nur um die Wassertemperatur, klärt der Beitrag Welcher See in Österreich am wärmsten ist die Rangfolge und ihre Gründe. Und wer den Gegenentwurf zum Strandbad sucht, findet ihn am Weissensee, dem stillsten der großen Kärntner Seen.

Häufige Fragen

Welche österreichischen Seen sind am wärmsten?

Die windgeschützten Kärntner Seen im Süden. Der Faaker See, der Millstätter See und der Klopeiner See erreichen im Hochsommer Werte um 26 Grad, der Wörthersee liegt meist knapp darunter. Alpine Seen wie der Achensee bleiben deutlich kühler.

Welcher See eignet sich für Urlaub ohne Auto?

Am Wörthersee halten Züge der Südbahn in mehreren Orten direkt am Ufer. In Zell am See liegt der Bahnhof im Zentrum wenige Schritte vom Wasser. Im Salzkammergut fährt die Salzkammergutbahn am Traunsee und am Hallstätter See entlang.

Wo kann man See und Berge an einem Tag verbinden?

Im Salzkammergut und rund um Zell am See. Dort beginnen Wanderwege und Bergbahnen direkt über den Ufern, sodass Vormittag am Gipfel und Nachmittag im Wasser ohne lange Fahrt zusammenpassen.

Mehr aus Reisen

Zum Ressort ›