Morgens um acht riecht die Republic Street nach frischem Gebäck und Steinstaub. Die Gassen liegen noch im Schatten, nur oben, an den bemalten Holzbalkonen, fängt sich schon die Sonne. Valletta wacht langsam auf. Wer jetzt durch das City Gate kommt, vorbei am Triton-Brunnen, hat die Hauptstadt Maltas für eine Stunde fast für sich.
Eine Stadt aus einem Guss
Valletta ist keine gewachsene Altstadt, sondern ein Entwurf. Nach der Großen Belagerung durch die Osmanen ließ der Johanniterorden die Stadt im 16. Jahrhundert als Festung auf der Halbinsel zwischen zwei Naturhäfen errichten, mit schnurgeraden Straßen im Gitternetz. Das UNESCO-Welterbe misst weniger als einen Quadratkilometer.
Genau diese Kompaktheit macht den Tagesbesuch so dankbar. Alles liegt in Gehweite. Wer sich verläuft, geht einfach bergab und steht irgendwann am Wasser. Die Querstraßen fallen teils als Treppen zum Hafen ab, und an jeder Ecke öffnet sich ein neuer Blick auf Bastionen oder Meer.
Der Vormittag: Kathedrale und Gassen
Erster Fixpunkt ist die St. John's Co-Cathedral. Von außen wirkt sie streng, fast abweisend. Innen dann der Kontrast: vergoldete Wände, ein Boden aus Hunderten Grabplatten der Ritter, und im Oratorium Caravaggios Gemälde der Enthauptung Johannes des Täufers, das einzige Werk, das der Maler signiert hat.
Danach lohnt das ziellose Gehen. Die Merchants Street mit ihren Marktständen, die stillen Seitengassen Richtung Fort St. Elmo an der Spitze der Halbinsel, dazwischen Kirchenfassaden und winzige Bars in Kellergewölben. Valletta ist keine Stadt der Einzelattraktionen, sondern der Summe.
Der Nachmittag: Barrakka und Grand Harbour
Am frühen Nachmittag führt der Weg in die Upper Barrakka Gardens. Von der Terrasse fällt der Blick über den Grand Harbour auf die Drei Städte Vittoriosa, Senglea und Cospicua, deren Festungsmauern sich im Wasser spiegeln. Unterhalb liegt die Saluting Battery, von der aus traditionell Salutschüsse über den Hafen abgefeuert werden.
Wer Zeit hat, setzt mit einem der kleinen Wassertaxis oder der Hafenfähre auf die andere Seite über. Birgu, der älteste Teil der Drei Städte, zeigt das Malta vor Valletta: engere Gassen, weniger Besucher, Fischerboote in Marmorfarben. Der Rückweg über das Wasser, mit der Festungsfront im Abendlicht, ist der schönste Abschluss des Tages.
Anreise und Kostenrahmen
Valletta ist das Drehkreuz des maltesischen Busnetzes, fast alle Linien enden am Busbahnhof vor dem City Gate. Vom Flughafen bei Luqa fährt die Linie X4 direkt in die Stadt. Ein Mietwagen ist für den Valletta-Tag eher hinderlich, Parkplätze sind knapp.
Der Kostenrahmen bleibt überschaubar. Busfahrten sind günstig, der Eintritt in Kathedrale und Museen liegt im moderaten Bereich, und einfache Lokale in den Seitengassen sind deutlich günstiger als die Restaurants an der Hauptstraße. Teuer wird es nur, wer direkt in der Altstadt übernachtet.
Weiterlesen
Valletta ist der beste Auftakt, aber eben nur ein Teil der Inselgruppe. Einen Überblick über alle Themen gibt die Malta-Übersicht. Wer nach dem Stadttag Ruhe sucht, findet sie auf der Schwesterinsel im Gozo-Guide, und für den Sprung ins Wasser hilft der Artikel über Buchten und Lagunen.
