Die Fähre dreht in den Hafen ein, und da steht es schon: ein einzelnes Marmortor auf einer kleinen Halbinsel, frei gegen den Himmel. Die Portara, Rest eines nie vollendeten Apollon-Tempels, begrüßt jeden, der auf Naxos ankommt. Abends sammeln sich Menschen auf den Felsen darunter und schauen zu, wie die Sonne genau durch den Rahmen sinkt. Ein besserer Auftakt ist schwer vorstellbar.
Die größte Insel der Kykladen
Naxos ist die größte und fruchtbarste Insel des Archipels, und das verändert alles. Wo andere Kykladeninseln karg und trocken sind, wachsen hier Kartoffeln, Oliven und Zitronen. In den Tälern stehen Ziegen unter alten Platanen. Die Insel lebte immer auch von Landwirtschaft, nicht nur vom Tourismus, und genau das spürt man.
Die Chora, der Hauptort rund um den Hafen, steigt vom Wasser zu einer venezianischen Kastro-Anlage auf. In den Gassen dazwischen: Werkstätten, Tavernen, Läden mit Inselprodukten wie Käse und Zitronenlikör. Es ist ein Ort zum Verlaufen, im besten Sinn.
Strände, die kein Ende nehmen
Die Westküste südlich der Chora ist ein einziger langer Streifen aus hellem Sand. Agios Prokopios und Agia Anna liegen der Stadt am nächsten und sind per Bus erreichbar. Dahinter beginnt Plaka, mehrere Kilometer Strand mit Dünen, der selbst im Hochsommer Platz lässt.
Je weiter südlich, desto leerer wird es. Wer Wind mag, findet an einigen Abschnitten Reviere zum Windsurfen und Kitesurfen. Wer Ruhe sucht, läuft einfach zehn Minuten weiter. Das flache, klare Wasser macht die Küste auch für Kinder angenehm.
Ins Bergland: Dörfer und der Zas
Das eigentliche Gesicht der Insel zeigt sich im Landesinneren. Die Straße windet sich durch Täler hinauf nach Chalki, einem Dorf mit neoklassizistischen Fassaden und einer alten Kitron-Destillerie. Weiter oben klebt Apiranthos am Hang, ein Ort aus Marmor, dessen Gassen glatt poliert glänzen. Filoti, das größte Bergdorf, liegt am Fuß des Zas.
Der Zas ist mit gut 1000 Metern der höchste Berg der Kykladen. Der Aufstieg ist eine Halbtagestour, machbar für alle mit etwas Kondition und festen Schuhen. Oben steht man über der gesamten Ägäis, an klaren Tagen reiht sich Insel an Insel bis zum Horizont. Der Sage nach wuchs hier Zeus auf, der Berg trägt seinen Namen.
Anreise und beste Zeit
Nach Naxos fahren Fähren vom Athener Hafen Piräus, in der Saison auch von Rafina, das näher am Flughafen Athen liegt. Schnellfähren schaffen die Strecke von Piräus in wenigen Stunden, konventionelle Schiffe brauchen länger, sind aber ruhiger und günstiger. Dazu kommen Inlandsflüge ab Athen, die Flugzeit beträgt unter einer Stunde.
Angenehm sind vor allem die Wochen im späten Frühjahr und im frühen Herbst: warmes Meer, offene Tavernen, freie Strände. Im Hochsommer bläst häufig der Meltemi, ein kräftiger Nordwind, der die Hitze erträglich macht, aber Sonnenschirme fordert.
Kostenrahmen
Naxos zählt zu den moderateren Kykladeninseln. Unterkünfte gibt es vom einfachen Studio bis zum Boutique-Hotel, Tavernen sind meist fair kalkuliert, und die lokalen Produkte halten die Preise beim Essen angenehm. Wer in der Nebensaison reist, findet spürbar günstigere Zimmer als auf den bekannten Nachbarinseln.
Weiterlesen
Naxos ist ein starker Auftakt, aber nur ein Teil des Archipels. Einen Überblick über alle Inseln dieser Serie gibt die Seite zu den griechischen Inseln. Die Nachbarinsel liegt nur eine kurze Überfahrt entfernt, mehr dazu im Paros-Guide. Und wie sich mehrere Inseln zu einer Route verbinden lassen, zeigt der Artikel zum Inselhopping auf den Kykladen.
