Samstagnachmittag in der Marina von Hurghada: Taschen werden über die Gangway gereicht, irgendwo blökt ein Schiffshorn, die Crew stapelt Boards auf dem Achterdeck. Wer zum ersten Mal einschifft, sucht noch nach seiner Kabine, während die alten Hasen schon die Windvorhersage für die Inseln diskutieren.
So beginnen die meisten Kite-Safaris im Roten Meer. Eine Woche lang ist das Boot Hotel, Restaurant und Kitestation in einem. Ich halte dieses Format für eines der stärksten Erlebnisse, die der Sport zu bieten hat, gerade weil es an Spots führt, die kein Kitecenter je erreicht.
Tag eins: Einschiffen und die Fahrt nach Norden
Nach dem Beziehen der Kabinen gibt es meist ein Briefing: Sicherheitsregeln, Ablauf der Starts vom Beiboot, Handzeichen für den Notfall. Übernachtet wird oft noch im Hafen oder in einer nahen Bucht.
Am nächsten Morgen läuft das Schiff aus. Die Fahrt zu den nördlichen Inseln dauert grob drei Stunden, dann tauchen die ersten Sandbänke auf: Tawila mit seiner geschützten Bucht, weiter draußen Geisum, Abu Monqar und Ashrafi. Welche Insel es wird, entscheidet der Wind, nicht der Prospekt.
Der Tagesrhythmus: Wind gibt den Takt vor
Ein Safaritag folgt einem einfachen Muster. Frühstück, sobald die Sonne über dem Wasser steht. Danach bringt das Beiboot Material und Kiter in die Lagune, gestartet wird je nach Spot vom Sandstreifen oder direkt aus dem stehtiefen Wasser. Mittags eine Pause an Bord, nachmittags die zweite Session, bis der Wind nachlässt.
Die Abende sind unspektakulär und genau darin liegt ihr Reiz. Es gibt Abendessen an Deck, ein paar Karten, Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung. Handyempfang ist zwischen den Inseln lückenhaft, was die meisten nach zwei Tagen als Gewinn verbuchen.
Essen an Bord: gut, aber mit offenen Augen
Die Bordküche kocht in der Regel frisch und reichlich, oft ägyptisch geprägt mit Reis, Gemüse, Fisch und Huhn. Ein ehrlicher Hinweis gehört trotzdem hierher: Magenverstimmungen kommen auf Safaris immer wieder vor. Enge Kombüse, Hitze und lange Warmhaltezeiten sind eine heikle Mischung.
Ein paar Vorsichtsregeln senken das Risiko spürbar. Bei rohem Salat und Speisen, die lange warmgehalten wurden, lieber zurückhaltend zugreifen. Elektrolytpulver und ein kleines Magenmittel gehören in die Tasche, ebenso eigene Snacks wie Nüsse oder Riegel für windige Tage, an denen das Mittagessen später kommt. Wasser gibt es aus Flaschen, nicht aus dem Bordtank.
Sicherheit: das Beiboot ist die Lebensversicherung
An diesen Spots gibt es keine Kitestation mit Rettungsservice. Diese Aufgabe übernimmt das Beiboot der Crew, das während der Sessions in der Nähe bleibt und abgetriebene Kiter oder Material einsammelt. Deshalb gilt: nie außer Sichtweite fahren, Absprachen aus dem Briefing ernst nehmen und bei auffrischendem Wind früh genug den kleineren Schirm wählen.
Sichere Wasserstarts und stabiles Höhelaufen sind für mich die sinnvolle Untergrenze für dieses Format. Wer noch übt, findet in den stehtiefen Lagunen zwar ideale Bedingungen, sollte den eigenen Stand aber vorher realistisch einschätzen.
Rückfahrt und Ausschiffen
Gegen Ende der Woche dreht das Schiff zurück Richtung Hurghada, oft mit einer letzten Session auf halber Strecke. Die letzte Nacht verbringen viele Boote wieder marinanah, ausgeschifft wird am Morgen darauf. Zurück bleiben Salz auf der Haut und die Erinnerung an Lagunen, die man eine Woche lang fast für sich hatte.
Weiterlesen im Kite-Safari-Hub
Einen Überblick über das gesamte Thema mit allen Grundlagen bietet die Übersicht zur Kite-Safari im Roten Meer. Wer mit Freunden reist, findet im Artikel Boot komplett chartern den wohl wirkungsvollsten Hebel für eine noch bessere Woche. Und wer mehr vom Land sehen will, liest Kite und Kultur: Safari mit Ägypten-Rundreise kombinieren.
