Auf dem Rastplatz kurz vor dem Tauerntunnel riecht es nach heißem Asphalt und Sonnencreme. Zwei Kaffeebecher auf der Motorhaube, dazwischen das Handy mit der geöffneten Karte. Kärnten liegt jetzt eine gute Stunde entfernt, und genau hier fällt die Entscheidung: Abfahrt Spittal und runter zum Millstätter See, oder weiter bis Villach und an den Wörthersee. „Wir müssen uns spätestens jetzt festlegen", sagt der Fahrer und schraubt den Deckel zu.
Beide Seen sind groß, beide sind sauber, beide haben Berge im Hintergrund. Die Entscheidung hängt an etwas anderem: daran, wie viel Betrieb du im Urlaub aushältst, wie warm das Wasser sein soll und ob du ein Auto dabei hast. Der Wörthersee ist der lauteste und wärmste der beiden. Der Millstätter See ist tiefer, kühler und stiller, dafür hast du dort die Nockberge direkt im Rücken.
Wörthersee: Promenade, Seebäder, warmes Wasser
Der Wörthersee ist der größte See Kärntens und gilt als einer der wärmsten Badeseen im Alpenraum. Im Hochsommer klettert die Wassertemperatur regelmäßig über 25 Grad, an flachen Uferstellen fühlt es sich fast nach Badewanne an. Das Ufer ist dicht bebaut: Villen aus der Sommerfrische-Zeit, Hotels, Bootsstege, dazwischen die Strandbäder mit Sprungturm und Kiosk.
Velden am Westende und Pörtschach am Nordufer sind die beiden Betriebszentren. Promenaden, Cafés, Motorboote auf dem Wasser, abends volle Terrassen. Klagenfurt liegt am Ostende mit einem großen Strandbad in der Ostbucht, und die Kirche von Maria Wörth steht auf ihrer Halbinsel wie auf jedem zweiten Kärnten-Prospekt. Für die Anreise ist wichtig: Die Bahnstrecke Villach nach Klagenfurt führt am Nordufer entlang, Velden und Pörtschach haben eigene Bahnhöfe.
- Pro: Sehr warmes Wasser, lange Badesaison
- Pro: Viele öffentliche Seebäder und Uferpromenaden
- Pro: Ohne Auto gut erreichbar, Bahnhöfe direkt in den Orten
- Contra: Im Hochsommer voll, besonders in Velden
- Contra: Dicht bebautes Ufer, wenig unverbaute Abschnitte
- Contra: Motorbootverkehr und Abendbetrieb sind nicht jedermanns Sache
Millstätter See: tiefes Wasser, Berge direkt am Ufer
Rund fünfzig Kilometer weiter westlich wird es leiser. Der Millstätter See ist der tiefste See Kärntens, mehr als 140 Meter an der tiefsten Stelle, und er hält deutlich mehr Wasser als der Wörthersee. Das Südufer steigt steil an und ist fast unbebaut, weil dort schlicht kein Platz ist. Im Sommer wird das Wasser trotzdem angenehm warm, nur eben nicht so schnell wie am Nachbarsee.
Millstatt mit seinem alten Stift, Seeboden am Westende und Döbriach am Ostende teilen sich das Nordufer. Dahinter beginnen die Nockberge mit ihren runden, grasigen Kuppen, ein Bergtyp, der nichts mit schroffen Felswänden zu tun hat. Über dem See läuft ein Panoramaweg mit Blick auf das gesamte Becken, und viele Wanderungen starten direkt an den Ortsrändern. Wer mit der Bahn kommt, muss allerdings umplanen: Der Bahnhof heißt Spittal-Millstättersee, liegt aber nicht am See. Von dort geht es per Bus oder Sammeltaxi weiter.
- Pro: Deutlich ruhiger, vor allem am steilen Südufer
- Pro: Sehr klares, mineralreiches Wasser mit großer Tiefe
- Pro: Wandern von der Unterkunft aus, Nockberge in Reichweite
- Contra: Weniger öffentliche Uferzugänge, viele Abschnitte sind privat
- Contra: Kühler als der Wörthersee, kürzere Badesaison
- Contra: Ohne Auto brauchst du Bus oder Sammeltaxi ab Spittal
Der direkte Vergleich
| Wörthersee | Millstätter See | |
|---|---|---|
| Charakter | Gesellig, mondän, dicht bebaut | Ruhig, alpin, offener Naturraum |
| Baden | Sehr warm, viele Seebäder | Warm, aber kühler, weniger Zugänge |
| Berge | Im Hintergrund, sanft | Steil direkt am Südufer |
| Aktiv | Wassersport, Promenieren, Ausflüge | Wandern, Panoramaweg, Nockberge |
| Ohne Auto | Bahnhöfe in Velden und Pörtschach | Bahnhof Spittal plus Bus oder Sammeltaxi |
| Abends | Volle Terrassen, viel Auswahl | Ruhiger, kleinere Gastroszene |
Wann welche Wahl passt
Nimm den Wörthersee, wenn Baden der Hauptgrund deiner Reise ist und dir warmes Wasser wichtiger ist als Stille. Auch wenn du ohne Auto anreist, spricht viel für ihn: Du steigst in Pörtschach oder Velden aus dem Zug und stehst wenige Minuten später am Wasser. Für Familien mit Kindern, die abends Eis und Trubel wollen, ist er die einfachere Wahl. Wer im Juni oder September kommt, findet hier länger badbare Temperaturen.
Nimm den Millstätter See, wenn du morgens schwimmen und nachmittags aufsteigen willst. Er passt zu Reisenden, die eine Woche bleiben, ein Auto oder gute Nerven für den Bus haben und abends lieber auf einer Terrasse mit Seeblick sitzen als in einer Bar. Ruhebedürftige buchen am steilen Südufer, Familien eher in Döbriach mit seinem flachen Ostende.
Der Sonderfall: Zwischen beiden Seen liegt weniger als eine Autostunde. Wenn du unschlüssig bist, teile die Woche. Erst der ruhige See für die Wandertage, dann der warme See zum Ausklang.
Wo du weitermachst
Welcher See sonst noch infrage kommt, steht in unserer Übersicht zu Österreichs Seen. Wer es noch klarer und noch kälter mag, liest weiter beim Weissensee. Und wenn dich Bergseen mit Wanderprogramm grundsätzlich reizen, schau in den Vergleich von Bled und Bohinj.
