Am stärksten erwärmen sich die flachen, windgeschützten Seen in Kärnten. Der Klopeiner See gilt als wärmster Badesee Österreichs, dahinter folgen Wörthersee und Faaker See mit Spitzenwerten im hohen Zwanziger-Bereich. Alpine Seen in größerer Höhe bleiben auch im August deutlich kühler, oft um die zwanzig Grad und darunter.
Wer im Juli in Unterkärnten ins Wasser geht, spürt den Unterschied sofort: kein Zusammenzucken, kein Luftanhalten. Das Wasser fühlt sich an wie ein zu lange gelaufenes Bad. Genau dieser Effekt hat dem Klopeiner See den Ruf eingebracht, die warme Wanne des Landes zu sein.
Warum werden manche Seen so warm?
Vier Größen entscheiden darüber, wie heiß ein See wird. Die erste ist die Tiefe. Ein See mit wenig Volumen unter der Oberfläche hat schlicht weniger Wasser, das die Sonnenwärme aufnehmen muss. Bei sehr tiefen Seen dagegen reicht der Wind im Sommer nicht aus, um alles durchzumischen: Es bildet sich eine warme Deckschicht von wenigen Metern, darunter bleibt es kalt.
Die zweite Größe ist der Zufluss. Seen, die von Gebirgsbächen gespeist werden, bekommen ständig kaltes Wasser nachgeliefert. Der Klopeiner See hat kaum nennenswerte Zu- und Abflüsse, das Wasser steht praktisch und sammelt Wärme über Wochen.
Dazu kommen Höhenlage und Windschutz. Je tiefer ein See liegt und je besser ihn Hügel oder Wald abschirmen, desto weniger Verdunstungskälte und Durchmischung. Die Seenlandschaft südöstlich von Klagenfurt gehört außerdem zu den sonnigsten Ecken Österreichs. Viel Einstrahlung, wenig Wind, wenig Frischwasser: Diese Kombination erzeugt die höchsten Werte.
Welche Seen bleiben auch im Hochsommer kühl?
Der Achensee in Tirol und der Hallstättersee im Salzkammergut zählen zu den kühlsten Badeseen des Landes. Beide sind tief, beide bekommen kaltes Bergwasser, beide liegen in Tälern mit kräftigem Windzug. Auch der Grundlsee am Fuß des Toten Gebirges erreicht selbst in guten Sommern selten die Werte, die man aus Kärnten kennt.
Interessant ist der Fall Millstätter See. Er gehört zu den warmen Kärntner Seen, liegt aber wegen seiner Tiefe von über hundert Metern spürbar unter den flacheren Nachbarn. Wer Abkühlung sucht statt Badewanne, findet sie also nicht erst in Tirol.
Der Neusiedler See ist das Gegenstück: kaum mehr als knietief in weiten Teilen, entsprechend schnell heiß. Er kühlt allerdings genauso schnell wieder ab, sobald der Wind über die Fläche geht.
Wann ist die Wassertemperatur am höchsten?
Seen hinken der Luft hinterher. Die wärmsten Wochen liegen deshalb nicht im Juni, sondern meist zwischen Ende Juli und Mitte August, wenn mehrere Hitzephasen aufeinandergefolgt sind. Ein einzelner heißer Tag im Frühsommer bringt bei einem großen See fast nichts.
Innerhalb des Tages lohnt der späte Nachmittag. Morgens hat die Nacht die oberste Schicht wieder abgekühlt, gegen siebzehn Uhr ist sie am wärmsten. Und der Ort zählt: In flachen Buchten und über hellem Grund liegt das Wasser regelmäßig ein paar Grad über dem, was in der Seemitte gemessen wird.
Von hier aus weiter
Die Temperaturfrage ist meist nur die halbe Entscheidung. Wie sich die großen Kärntner Seen sonst unterscheiden, steht im direkten Vergleich Wörthersee oder Millstätter See. Alle weiteren Beiträge zu Revieren, Ufern und Anreise findest du in der Übersicht Österreichs Seen.
