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Schweiz mit der Bahn: Rundreise-Routen für eine Woche

Drei Gerüste für sieben Tage im Zug: die klassische Runde, die alpine Variante durch Graubünden und die Kombination mit dem Tessin.

Von Maia Brandt · Aktualisiert am

Am Bahnsteig in Luzern riecht es nach nassem Stein und Kaffee. Der Zug steht schon da, Türen offen, ein Kind zählt laut die Wagen ab. Draußen hängen die Wolken so tief über dem See, dass von Bergen nichts zu sehen ist. Der Zug fährt trotzdem los, auf die Minute, und erst eine gute Stunde später reißt die Decke auf.

Sieben Tage, ein Land, ein Streckennetz, das auf der Karte aussieht wie ein zu eng gestricktes Muster. Vor jeder Schweizreise steht dieselbe Frage: Wie viele Orte passen in eine Woche, ohne dass aus dem Urlaub ein Umsteigemarathon wird? Wer die Antwort in einem fertigen Fahrplan sucht, sucht an der falschen Stelle.

Warum das Netz die Route vorgibt

Die Schweiz fährt im Takt. Züge kommen zur gleichen Minute jeder Stunde, treffen sich in Knotenbahnhöfen und warten aufeinander. Das klingt nach Verwaltung, hat aber eine praktische Folge: Du musst keine einzelne Verbindung jagen. Verpasst du eine, kommt die nächste, und der Anschluss dahinter steht ebenfalls.

Die zweite Vorgabe kommt von der Geografie. Berge zwingen Strecken in Täler, und Täler laufen selten dorthin, wo man sie gern hätte. Deshalb funktioniert eine Sternfahrt von einem einzigen Standort in der Schweiz schlecht. Eine Rundreise dagegen sehr gut: Du fährst einen großen Kreis, jede Etappe ist zugleich Weg und Programm, und du kommst am Ende ohne Rückweg dort an, wo du gestartet bist.

Dazu kommt ein Detail, das viele überrascht. Mehrere der bekanntesten Bergorte sind autofrei. Zermatt gehört dazu, der Privatverkehr endet eine Station vorher in Täsch. Mit dem Zug fährst du einfach durch bis ins Dorf.

Die klassische Runde: Zürich, Luzern, Interlaken, Zermatt, Montreux

Dieses Gerüst ist der Einstieg für alle, die zum ersten Mal kommen. Start in Zürich, ein kurzer Sprung nach Luzern, wo der Vierwaldstättersee und die Kette der Innerschweizer Gipfel den Ton setzen. Von dort führt die Strecke Richtung Berner Oberland, mit Seen links und rechts und einem steilen Stück, das der Zug über Zahnstangen bewältigt. Am Ende steht Interlaken zwischen seinen beiden Seen, davor die Wand aus Eiger, Mönch und Jungfrau.

Weiter geht es ins Wallis. Über das Rhonetal erreichst du Visp, dort wechselst du auf die Schmalspurbahn ins Mattertal und fährst hinauf nach Zermatt. Die letzte Etappe führt zurück ans Wasser: von Visp an den Genfersee nach Montreux, wo Palmen am Ufer stehen und die Berge plötzlich weit weg wirken. Zwischen Montreux und dem Berner Oberland verläuft außerdem die Verbindung über Zweisimmen, eine der bekanntesten Panoramastrecken des Landes.

Vier Übernachtungsorte in sieben Tagen, das ist die obere Grenze. Wer entspannter reisen will, streicht Zürich als Standort und nutzt die Stadt nur als Ankunfts- und Abfahrtspunkt.

Wichtiger als die Reihenfolge ist der Rhythmus. Bewährt hat sich ein Wechsel aus Fahrtag und Standtag: einmal umziehen, einen Tag bleiben, dann wieder weiter. So bleibt Zeit für einen Uferweg oder eine Bergbahn, ohne dass abends der Koffer wartet. Die Etappen dieser Runde liegen ohnehin selten über drei Stunden. Du kannst sie fast immer auf den Vormittag legen und den Nachmittag schon am neuen Ort verbringen.

Die alpine Runde durch Graubünden

Das zweite Gerüst geht in den Osten und ist landschaftlich das kompromissloseste. Chur ist der Ausgangspunkt, von dort führt die Albulalinie südwärts: Kehrtunnel, Viadukte, ein stetiges Ansteigen durch enge Täler bis ins Engadin. Ziel ist St. Moritz oder Pontresina, beide taugen als Standort für mehrere Tage.

Ab Chur werden die Wagen schmaler, die Kurven enger, das Tempo niedriger. Genau darum geht es: Die Strecke ist kein Transportmittel mehr, sondern der Programmpunkt selbst. Oben im Engadin wechselt der Charakter noch einmal. Statt enger Schluchten liegt dort ein weites Hochtal mit Seen, Lärchenwäldern und einem Licht, das im Herbst hart und klar wird.

Ab hier beginnt der zweite Abschnitt, die Berninastrecke. Sie überquert ohne Zahnrad den höchsten Bahn-Alpenpass Europas, führt an Gletschern vorbei und dreht sich anschließend in Schleifen hinunter nach Poschiavo und weiter ins italienische Tirano. Der Wechsel innerhalb weniger Stunden ist bemerkenswert: oben Firn und Steinwüste, unten Weinreben und Kastanien. Albula- und Berninastrecke zusammen gehören zum UNESCO-Welterbe.

Zurück kommst du entweder auf demselben Weg, mit anderem Licht und anderer Blickrichtung, oder über einen Bus durchs Veltlin und weiter Richtung Tessin. Die Runde eignet sich für Reisende, die Landschaft über Städte stellen und lange Etappen im Zug als Programm empfinden, nicht als Transfer.

Die Kombination mit dem Tessin

Wer Süden im Programm haben will, hängt an eine der beiden Runden das Tessin an. Von der Innerschweiz führt die Gotthardachse nach Lugano, und die klassische Variante beginnt mit einem Schiff über den Vierwaldstättersee, bevor der Zug übernimmt. Innerhalb eines Tages wechselt die Vegetation von Nadelwald zu Palmen und Feigenbäumen.

Zwei bis drei Nächte am Lago Maggiore oder in Lugano geben der Woche einen ruhigen Block in der Mitte. Von Locarno aus führt die Centovalli-Bahn durch Kastanienwälder und über schmale Schluchten hinüber nach Domodossola in Italien. Dort schließt sich der Kreis Richtung Wallis, sodass sich Tessin und Zermatt in einer Route verbinden lassen, ohne dass du eine Strecke zweimal fährst.

Ein Hinweis zum Klima: Südlich des Gotthards ist es im Hochsommer deutlich wärmer und schwüler als im Gebirge. Wer die Woche mitten im Sommer plant, legt den Tessin-Block besser an den Anfang oder ans Ende und hält die Mitte der Reise oben in den Bergen.

Was eine Bahnwoche leicht macht

Fünf Punkte entscheiden mehr über die Woche als die Wahl der Route.

Umsteigelogik vor Zeitersparnis. Zwei Umstiege mit je einer Viertelstunde Puffer sind angenehmer als ein einziger mit vier Minuten. Die Schweizer Anschlüsse halten, aber du willst nicht mit Gepäck rennen.

Gepäck leicht halten. Es gibt kaum Rolltreppen an jedem Perron, dafür viele Unterführungen. Ein Rucksack oder ein kleiner Koffer ist auf einer Rundreise mit vier Standorten Gold wert.

Bergbahnen sind ein eigenes Kapitel. Zahnradbahnen und Seilbahnen zu Aussichtsbergen gehören meist nicht zum normalen Bahnprogramm. Plane sie als bewusste Extras an klaren Tagen, nicht als festen Programmpunkt.

Panoramazüge brauchen Reservierung. Bei den touristischen Zügen wie Glacier Express oder Bernina Express ist der Sitzplatz Pflicht und in der Hochsaison früh weg. Im normalen Linienverkehr gilt freie Platzwahl, und die Aussicht ist auf denselben Strecken fast identisch.

Nebensaison als Ruhefenster. Später Frühling und Frühherbst bringen dünnere Züge, freie Fensterplätze und Orte, in denen man abends noch einen Tisch bekommt.

Wo die Runde kippt

Nicht jede Woche funktioniert. Zu viele Standorte sind der häufigste Fehler: Bei fünf Quartieren verbringst du jeden zweiten Vormittag mit Packen und Einchecken statt mit Landschaft. Drei sind angenehm, vier gehen, fünf werden anstrengend.

Das Wetter ist der zweite Faktor. Wolken hängen im Gebirge oft tagelang auf gleicher Höhe, und ein Aussichtsberg ohne Aussicht ist ein teurer Vormittag. Deshalb lohnt es sich, die Bergbahnen flexibel zu lassen und die Talstrecken als sicheren Kern zu behandeln. Sie sind auch bei Regen sehenswert.

Im Winter ändert sich die Rechnung noch einmal. Die großen Strecken bleiben befahrbar, einzelne Zubringer und Bergbahnen dagegen nicht. Wer außerhalb der Sommermonate reist, prüft die Verbindungen im Detail und rechnet mit mehr Fahrzeit pro Etappe.

Wo du weitermachst

Die Cluster-Übersicht Schweiz mit der Bahn sammelt alle Beiträge zum Thema. Ob sich für deine Runde ein Streckenpass rechnet oder Einzelfahrkarten günstiger sind, klärt der Artikel dazu, ob sich der Swiss Travel Pass lohnt.

Wenn du wissen willst, welche Aussichtsstrecken sich wirklich unterscheiden, hilft der Vergleich der Panoramastrecken. Und für Graubünden speziell lohnt die Frage, ob es der Bernina Express oder der Linienzug sein soll.

Häufige Fragen

Wie viele Orte schafft man in einer Woche mit der Bahn?

Drei bis vier Übernachtungsorte sind realistisch. Bei fünf oder mehr verbringst du einen großen Teil der Woche mit Packen, Umsteigen und Einchecken. Tagesausflüge von einem festen Quartier aus bringen mehr Landschaft pro Tag als ständige Ortswechsel.

Muss ich im Zug in der Schweiz reservieren?

Für den normalen Linienverkehr nicht, dort gilt freie Platzwahl. Bei touristischen Panoramazügen wie dem Glacier Express oder dem Bernina Express ist eine Reservierung dagegen Pflicht und sollte früh erfolgen, besonders in der Hochsaison.

Kommt man ohne Auto nach Zermatt?

Ja, sogar leichter als mit Auto. Zermatt ist autofrei, der Privatverkehr endet in Täsch. Von Visp im Rhonetal fährt die Schmalspurbahn durch das Mattertal bis mitten ins Dorf.

Welche Jahreszeit eignet sich für eine Bahnrundreise?

Später Frühling und der Frühherbst sind die ruhigsten Fenster. Die Züge fahren, die Bergbahnen laufen weitgehend, und in den bekannten Orten ist deutlich weniger los als im Hochsommer.

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