Der Glacier Express ist ein langsamer Panoramatag zwischen Zermatt und St. Moritz, kein schnelles Verkehrsmittel. Wer Zeit mitbringt und einen reservierten Sitzplatz hat, bekommt dafür eine der schönsten Bahnfahrten Europas. Wer nur von A nach B will, ist auf derselben Strecke mit Umsteigen schneller unterwegs.
Der Zug trägt seinen Spitznamen selbstbewusst: langsamster Schnellzug der Welt. Genau das ist das Konzept. Die Fenster reichen bis in die Wagendecke, die Landschaft zieht in Gehgeschwindigkeit vorbei, und niemand hat es eilig.
Wie lange dauert die Fahrt?
Rund acht Stunden für etwa 290 Kilometer zwischen Zermatt und St. Moritz. Dazwischen liegen 91 Tunnel und 291 Brücken. Der höchste Punkt ist der Oberalppass auf 2033 Metern, dorthin schraubt sich der Zug in Kehren hinauf, teils auf Zahnstange.
Acht Stunden sind lang. Das klingt nach gemütlichem Durchatmen und fühlt sich ab der Mitte eher nach Sitzfleisch an. Deshalb lohnt es sich, vorher ehrlich einzuschätzen, ob du einen ganzen Tag im Sitzen verbringen willst.
Was sieht man unterwegs wirklich?
Der erste Abschnitt folgt dem Rhonetal aufwärts, vorbei an Brig und hinauf ins Goms mit seinen dunkelbraunen Holzhäusern. Danach geht es durch den Furka-Basistunnel nach Andermatt. Von dort beginnt der Aufstieg zum Oberalppass, oben steht ein kleiner Leuchtturm, der auf die Rheinquelle am Tomasee hinweist.
Der zweite Höhepunkt kommt kurz vor Chur. Zwischen Ilanz und Reichenau schiebt sich die Bahn durch die Ruinaulta, die Rheinschlucht, mit hellen Kalkwänden und türkisem Wasser. Manche nennen sie Swiss Grand Canyon. Danach folgt der lange Anstieg ins Engadin.
Lohnt sich die ganze Strecke oder ein Teilstück?
Die beiden stärksten Abschnitte liegen zwischen Brig und Chur. Wer nur einen halben Tag investieren will, fährt dieses Teilstück und hat Oberalppass und Rheinschlucht bereits gesehen. Der Rest ist schön, aber weniger spektakulär.
Für die komplette Strecke sprechen andere Gründe: Du willst den Tag als Erlebnis, nicht als Transfer. Du sitzt einmal durch, isst an Bord, schaust aus dem Fenster und kommst abends an. Das ist eine bewusste Entscheidung, kein Nebenprodukt der Reiseplanung.
Eine dritte Variante wird oft übersehen. Dieselbe Strecke fahren auch normale Regionalzüge. Sie sind langsamer im Takt, aber du kannst aussteigen, in Andermatt oder Disentis eine Nacht bleiben und aus offenen Fenstern fotografieren.
Was ist mit Reservierung und Verpflegung an Bord?
In den Panoramawagen brauchst du zwingend eine Sitzplatzreservierung, spontan einsteigen geht nicht. In der Hauptsaison sind die Züge früh ausgebucht, gerade an Wochenenden. Plane das vor dem Rest der Reise.
Verpflegung wird am Platz serviert, ein Menü lässt sich schon bei der Reservierung dazubuchen. Es gibt keinen Speisewagen, durch den du schlendern kannst, das Essen kommt zu dir. Getränke und kleine Gerichte kannst du auch unterwegs bestellen.
Eine Sache stört viele: Die Panoramafenster lassen sich nicht öffnen. Bei Sonne spiegelt das gewölbte Glas, und Fotos bekommen einen leichten Schleier. Wer ernsthaft fotografieren will, ist mit den offenen Fenstern der Regionalzüge besser bedient.
Von hier aus weiter
Wenn du noch überlegst, welche Panoramastrecke zu dir passt, hilft der direkte Vergleich der Schweizer Panoramazüge. Und in der Übersicht zur Schweiz mit der Bahn findest du, wie sich die einzelnen Strecken zu einer Rundreise verbinden lassen.
