Die Tram quietscht in die Kurve, so eng, dass man die Geranien auf den Fensterbänken fast streifen kann. Unten blitzt zwischen zwei Häuserzeilen der Tejo auf, breit und silbern wie ein Meer. Lissabon ist eine Stadt auf Hügeln, und wer sie an einem Wochenende sehen will, plant nicht nach Kilometern, sondern nach Höhenmetern.
Samstag: Alfama, Baixa und ein Abend im Bairro Alto
Der Tag beginnt früh an der Praça Martim Moniz, wo die Tram 28 losfährt. Morgens teilt man sie sich mit Einheimischen statt mit Warteschlangen. Die Bahn klettert durch Graça, dann geht es zu Fuß hinab durch die Alfama: Treppen, Wäscheleinen, Kachelfassaden, dazwischen der Blick vom Miradouro das Portas do Sol über die Dächer zum Fluss.
Unten angekommen, wartet die Baixa mit ihren geraden Straßenzügen und der Praça do Comércio, die sich zum Tejo öffnet. Mittags isst man in einer Tasca oder in einer Markthalle, gegrillter Fisch und ein Glas Weißwein reichen völlig. Danach hinauf ins Chiado, mit dem Aufzug Santa Justa oder gemütlich durch die Einkaufsstraßen.
Abends füllt sich das Bairro Alto. Aus kleinen Lokalen dringt Fado, vor den Türen stehen Trauben von Menschen mit Gläsern. Man isst spät, geht früh ins Bett trotzdem nicht.
Sonntag: Belém am Wasser
Am Sonntag fährt man mit der Tram 15 am Fluss entlang nach Belém. Dort stehen das Jerónimos-Kloster mit seinem steinernen Kreuzgang und der Torre de Belém am Wasser, Zeugen der Seefahrerzeit. Dazwischen liegt viel Rasen, viel Luft, viel Fluss.
Pflichttermin ist die Pastelaria, die seit Generationen Pastéis de Belém backt: warmes Blätterteigtörtchen, Zimt darüber, fertig. Danach schlendert man am Ufer zurück Richtung Denkmal der Entdeckungen und lässt den Nachmittag am Wasser auslaufen.
Anreise
Lissabons Flughafen Humberto Delgado liegt im Stadtgebiet, das ist der große Trumpf. Die rote Metrolinie beginnt direkt am Terminal; mit einmal Umsteigen, etwa in Alameda auf die grüne Linie, erreicht man die Baixa in rund einer halben Stunde. Wer in der Alfama wohnt, nimmt wegen der Treppen besser ein Taxi bis vor die Tür.
Beste Zeit
Lissabon ist fast ganzjährig eine gute Idee. Frühling und Herbst bieten mildes, klares Wetter, ideal für die Hügel. Der Sommer ist heiß, aber vom Atlantik her weht meist Wind. Selbst im Winter gibt es viele sonnige Tage, nur Regenschauer ziehen dann schneller durch. Festes Schuhwerk ist wichtiger als die Jahreszeit: Das Kopfsteinpflaster ist glatt poliert.
Was das Wochenende kostet
Im westeuropäischen Vergleich bleibt Lissabon freundlich zum Reisebudget, vor allem beim Essen: Eine Tasca-Mahlzeit, ein Galão am Tresen, ein Pastel de Nata kosten wenig. Die größten Posten sind Flug und Unterkunft, zentrale Viertel haben angezogen. Tram, Metro und Aufzüge deckt eine wiederaufladbare Fahrkarte ab, die sich schon nach wenigen Fahrten lohnt.
Weiterlesen
Wie man ein solches Wochenende grundsätzlich strukturiert, zeigt die Übersicht zu Städtereisen. Ähnlich südlich, aber ganz anders dicht ist Rom an einem Wochenende. Wer es kompakter mag, findet in Prag an einem Wochenende eine Stadt der kurzen Wege.
