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Städtereise

Graz: Wochenende in der Genusshauptstadt

Uhrturm, Bauernmärkte, Kernöl: warum zwei Tage in Graz sich anfühlen wie eine Einladung zum Essen, mit UNESCO-Altstadt als Beilage.

Von Maia Brandt AI generiert · Aktualisiert am

Blick vom Grazer Schlossberg ueber den Uhrturm auf die roten Daecher der Altstadt und den Fluss.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Samstagvormittag am Kaiser-Josef-Platz, gleich hinter der Oper. Auf den Ständen liegen Käferbohnen, Kren und Berge von Kürbiskernen, daneben stehen Flaschen mit einem Öl, das im Licht dunkelgrün schimmert. Es riecht nach gerösteten Kernen und frischem Brot. Wer hier eine Runde dreht, versteht die Stadt schneller als in jedem Museum.

Denn Graz wird gern unterschätzt. Wien hat die Kaiser, Salzburg hat Mozart, und die zweitgrößte Stadt Österreichs taucht auf vielen Reiselisten gar nicht erst auf. Dabei wartet hier eine der besterhaltenen Altstädte Mitteleuropas, seit 1999 UNESCO-Welterbe, ein bewaldeter Berg mitten im Zentrum und eine Esskultur, die sich selbstbewusst Genusshauptstadt nennt. Zwei Tage reichen, um zu prüfen, ob der Titel hält.

Samstag: Altstadt und Schlossberg

Der erste Tag beginnt am Hauptplatz und führt durch die Herrengasse zum Landhaushof mit seinen Renaissance-Arkaden. Ein paar Schritte weiter versteckt sich in der Burg die Doppelwendeltreppe, zwei ineinander gedrehte Stiegen, die sich trennen und wieder treffen. Die Gassen dazwischen sind eng, die Dächer rot, und über allem sitzt der Uhrturm auf seinem Felsen.

Dorthin geht es am Nachmittag. Der Schlossberg lässt sich über Stufen erklimmen, bequemer sind der gläserne Lift durch das Innere des Bergs oder die Schlossbergbahn. Oben wartet der Uhrturm mit seiner Eigenheit: Der große Zeiger zeigt die Stunden, der kleine die Minuten, verkehrt zu allem, was man kennt. Wer verspielt ist, nimmt für den Rückweg die Rutsche im Berginneren, gut 60 Meter durch den Fels. Kinder lieben sie. Erwachsene auch, sie geben es nur später zu.

Sonntag: Murufer, Lend und der moderne Kontrast

Der zweite Tag gehört dem anderen Graz. Am Murufer glänzt das Kunsthaus, ein blau schimmernder Bau mit Noppen auf dem Dach, den die Grazer liebevoll Friendly Alien nennen. Man erwartet, dass so ein Ding zwischen den Ziegeldächern stört. Tatsächlich wirkt es, als hätte die Altstadt genau diesen Nachbarn gebraucht. Ein paar Schritte flussaufwärts liegt die Murinsel, eine begehbare Plattform mitten im Fluss, halb Brücke, halb Café.

Vom Kunsthaus sind es nur wenige Minuten ins Lendviertel. Rund um den Lendplatz mit seinem Bauernmarkt haben sich Ateliers, kleine Läden und Lokale angesiedelt, das Viertel gilt als kreativste Ecke der Stadt. Hier frühstückt man länger, blättert in Läden, die es nur einmal gibt, und merkt: Graz ist jung. Rund 60.000 Studierende prägen das Tempo.

Warum Graz sich Genusshauptstadt nennen darf

Der Titel ist kein Marketing-Zufall. Graz hat mehr Markttage pro Woche als vergleichbare Städte, verteilt auf Plätze in der ganzen Stadt, und das Umland liefert direkt hinein: Kürbiskernöl, Käferbohnen, Schilcher, Vulcano-Schinken, Obst aus der Oststeiermark. Das steirische Kernöl gehört auf fast jeden Tisch, über Salat, Aufstriche und manche geben es sogar aufs Vanilleeis.

Das zweite Prinzip liegt vor den Toren der Stadt: die Buschenschank. Weinbauern im südsteirischen Hügelland schenken eigene Weine aus und servieren dazu eine kalte Brettljause aus eigener Erzeugung, mehr darf es traditionell nicht sein. Wer einen halben Tag Zeit hat, fährt hinaus in Richtung Südsteirische Weinstraße und sitzt zwischen Weingärten, die aussehen wie eine sanftere Toskana. Für ein reines Stadtwochenende reicht die Ahnung davon: Viele Grazer Lokale holen die Jause einfach in die Stadt.

Anreise und beste Zeit

Graz erreicht man aus Wien mit direkten Railjets über die Semmeringstrecke, eine der schönsten Bahnfahrten Österreichs. Auch aus dem Süden Deutschlands ist die Stadt mit Direktzügen verbunden. Der Hauptbahnhof liegt westlich des Zentrums, Straßenbahnen bringen einen in wenigen Minuten zum Hauptplatz. Ein Auto braucht das Wochenende nicht, höchstens für den Ausflug zur Buschenschank.

Die beste Zeit sind Frühling bis Herbst. Graz zählt zu den sonnigsten Großstädten Österreichs, im Sommer füllen sich die Gastgärten bis spät. Der Herbst hat ein eigenes Argument: Dann kommen Sturm und Kastanien in die Buschenschanken, und die Märkte biegen sich unter Kürbissen. Der Advent verwandelt die Innenhöfe in Weihnachtsmärkte, dann ist es voll, aber stimmungsvoll.

Grenzen des Wochenendplans

Ein Wochenende zeigt Graz, aber nicht die Steiermark. Wer die Weinstraße, die Thermenregion im Osten oder das Almenland ernsthaft sehen will, braucht eigene Tage dafür. Auch in der Stadt bleibt Ungesehenes: Schloss Eggenberg mit seinen Prunkräumen liegt am Stadtrand und verdient einen halben Tag, ebenso das Zeughaus mit seiner riesigen historischen Waffensammlung. Beides sind gute Gründe wiederzukommen. Graz gehört zu den Städten, die beim zweiten Besuch besser werden, weil man dann weiß, wo man isst.

Von hier aus weiter

Wie man ein Städtewochenende grundsätzlich plant, ohne es zur Abhakliste zu machen, steht in unserer Übersicht zu Städtereisen. Wer Österreich weiterdenken will: Wien an einem Wochenende liegt nur eine Bahnfahrt über den Semmering entfernt, und Prag an einem Wochenende zeigt, wie das frühe Aufstehen auch in einer vollen Stadt Räume öffnet.

Häufige Fragen

Reichen zwei Tage für Graz?

Ja. Altstadt, Schlossberg, Kunsthaus und ein Markt lassen sich in zwei Tagen gut verbinden, fast alles liegt fußläufig beieinander. Wer eine Buschenschank im südsteirischen Umland besuchen will, plant besser einen dritten Tag oder einen eigenen Ausflug ein.

Wie komme ich am bequemsten auf den Schlossberg?

Zu Fuß über die Stufen am Schlossbergplatz, mit dem gläsernen Lift durch den Berg oder mit der Schlossbergbahn vom Kaiser-Franz-Josef-Kai. Schön ist die Kombination: mit dem Lift hinauf, zu Fuß im Zickzack durch die Gärten wieder hinunter.

Was ist eine Buschenschank?

Ein Weinbauernbetrieb im Umland, der eigene Weine und eine kalte Jause aus eigener Erzeugung ausschenkt, meist mit Brettljause, Aufstrichen und Kernöl. Warme Küche gibt es dort traditionell nicht, dafür Sitzplätze zwischen den Weingärten.