Ja, Ulcinj lohnt sich, und zwar als das andere Montenegro. Die südlichste Stadt des Landes ist mehrheitlich albanisch geprägt: Minarette zwischen den Dächern, zweisprachige Schilder, eine steinerne Altstadt hoch über dem kleinen Hafen. Statt der engen Buchten und Kiesstrände weiter nördlich beginnt hier die Velika Plaža, ein flacher Sandstrand von rund 13 Kilometern, der erst kurz vor Albanien endet.
Schon der erste Abend fühlt sich anders an. Auf der Promenade unterhalb der Altstadtmauern riecht es nach gegrilltem Fisch und Holzkohle, vom Minarett ruft der Muezzin, an den Ständen stapeln sich Feigen und Wassermelonen. Kotor und Budva wirken plötzlich weit weg, obwohl nur eine Küstenstraße dazwischen liegt.
Was ist die Velika Plaža?
Der Name bedeutet schlicht großer Strand, und genau das ist sie. Die Velika Plaža beginnt südöstlich der Stadt am Kanal von Port Milena und zieht sich als durchgehendes Sandband bis zur Mündung der Bojana. Sie zählt zu den längsten Sandstränden Europas. Der Sand ist fein und dunkel, das Wasser fällt so flach ab, dass man weit hinauslaufen kann, ohne den Boden zu verlieren.
Dahinter beginnt eine flache, grüne Ebene mit Feldern, Schilf und der alten Saline von Ulcinj, einem der wichtigsten Vogelrastplätze der Adriaküste. Flamingos und Stelzenläufer stehen dort im brackigen Wasser, keine zehn Autominuten vom Strandtrubel entfernt.
Ein einheitlicher Ort ist der Strand trotzdem nicht. Nahe der Stadt reihen sich Beachbars und Liegenfelder, ein paar Kilometer weiter stehen nur noch Dünengras und einzelne Holzbuden, dazwischen liegt viel leerer Sand. Ganz im Süden wartet Ada Bojana, eine dreieckige Flussinsel zwischen zwei Armen der Bojana und dem Meer. Wer Ruhe sucht, fährt einfach so lange weiter, bis die Musik aufhört.
Kann man an der Velika Plaža kitesurfen?
Ja, die Velika Plaža ist das Thermikrevier der südlichen Adria. An Sommertagen setzt gegen Mittag der Maestral ein, ein Seewind aus Nordwest, der am Nachmittag verlässlich auffrischt und schräg auflandig über den Strand streicht. Dazu kommen stehtiefes Wasser, weicher Sandboden ohne Steine und eine Startfläche, wie sie kaum ein anderer Spot in Europa bietet: kilometerweit ohne Hindernisse.
Der Tag folgt dabei einem festen Rhythmus. Morgens weht es schwach und ablandig, dann gehört der Strand den Schwimmern und Spaziergängern. Gegen Mittag drehen die ersten Schirme am Himmel, und bis zum späten Nachmittag steht eine bunte Reihe von Kites über dem flachen Wasser.
Im südlichen Abschnitt haben sich die Kiteschulen und Stationen gesammelt. Dort üben Anfänger im hüfttiefen Wasser, während Fortgeschrittene weiter draußen ihre Bahnen ziehen. Die verlässliche Thermiksaison reicht etwa von Mai bis September. Wie sich das Revier gegen andere schlägt, zeigt unser Überblick über die besten Kitesurf-Spots, und welche Monate wohin passen, sortiert der Artikel über Kitespots nach Saison.
Wie passt Ulcinj in die Roadtrip-Route?
Ulcinj ist der natürliche südliche Wendepunkt der Route. Von Budva und Sveti Stefan führt die Küstenstraße über Petrovac und Bar immer am Meer entlang hierher. Wer schon so weit fährt, bleibt am besten mindestens eine Nacht. Der Nachmittag gehört dem Strand oder dem Kite, der Abend der Altstadt mit ihren Fischrestaurants auf den alten Mauern.
Auf dem Rückweg nach Norden liegt der Skadar-See fast auf der Strecke: morgens in Virpazar aufs Boot, danach weiter Richtung Podgorica oder zurück an die Küste. So wird aus dem Abstecher in den Süden eine runde Schleife statt einer reinen Stichfahrt. Genau deshalb gehört Ulcinj ans Ende des Küstenteils, nicht an den Anfang.
Von hier aus weiter
Die Velika Plaža ist eine Etappe von mehreren. Den kompletten Wochenplan mit allen Stationen findest du in der Montenegro-Roadtrip-Übersicht. Und wer in Ulcinj Lust auf mehr Wind bekommen hat, liest sich für die nächste Reise durch die besten Kitesurf-Spots.
