Am Hafen von Saranda hängen die Aushänge der Ausflugsbüros in Klarsichthüllen übereinander, und auf fast jedem stehen dieselben zwei Namen. Ein Foto zeigt ein antikes Theater zwischen Bäumen, das andere einen Kreis aus unwirklich blauem Wasser. Daneben sitzt eine Frau mit Kaffeebecher und wedelt mit Prospekten. Butrint, Blue Eye, morgen früh, ruft sie jedem zu, der langsamer wird.
Genau da beginnt die eigentliche Frage. Lohnen beide Ziele, reicht eines, und passen sie zusammen in einen Tag? Wer nur drei oder vier Nächte im Süden der Riviera bleibt, will die Zeit nicht mit der falschen Reihenfolge verschenken. Und wer schon Bilder von Busgruppen auf den Stegen gesehen hat, fragt sich, ob der Ausflug den Trubel wert ist.
Warum es immer diese zwei Ziele sind
Die Antwort liegt in der Geografie. Saranda sitzt ganz im Süden der Küste, und in einer guten halben Stunde erreicht man von hier zwei völlig verschiedene Welten. Knapp zwanzig Kilometer südlich, hinter Ksamil, liegt Butrint: eine Ruinenstadt auf einer bewaldeten Halbinsel, umschlossen vom Butrint-See und dem Vivari-Kanal, der die Lagune mit dem Ionischen Meer verbindet. Die Stätte gehört zum UNESCO-Welterbe.
Landeinwärts, an der Straße Richtung Gjirokastra, wartet das Gegenprogramm. Das Blue Eye, auf Albanisch Syri i Kaltër, ist eine Karstquelle, aus der ein unterirdischer Fluss mit Wucht an die Oberfläche drückt. Ruinen am Wasser auf der einen Seite, ein leuchtendes Naturphänomen auf der anderen: Beides liegt nah genug für einen halben Tag. Deshalb stehen die zwei Namen auf jedem Aushang.
Butrint: eine Stadt, Schicht für Schicht
Butrint besichtigt man auf einem Rundweg, der im Schatten von Lorbeer und Eukalyptus über die Halbinsel führt. Der Weg beginnt unten am Wasser und arbeitet sich durch die Epochen: ein griechisches Theater am Hang, römische Bäder und Wohnhäuser, ein Baptisterium, dessen berühmter Mosaikboden zum Schutz meist unter einer Sandschicht ruht, dazu die Mauern einer byzantinischen Basilika. Oben auf der Akropolis sitzt eine venezianische Festung mit Museum und Blick über See, Kanal und Ebene.
Rechne zwei bis drei Stunden für die Runde, mit Museum eher mehr. Der Ort ist dabei mehr als ein Freilichtmuseum. Die Halbinsel liegt in einem Nationalpark voller Vogelstimmen, zwischen den Mauern raschelt es, und am Kanal ziehen Fischerboote vorbei. Wer mag, setzt mit der kleinen Kabelfähre über den Vivari-Kanal und schaut sich die dreieckige Festung am anderen Ufer von außen an.
Das Blue Eye: eine Quelle ohne Boden
Das Blue Eye trägt seinen Namen zu Recht. In der Mitte des Beckens liegt eine dunkle Pupille, dort steigt das Wasser aus einem Schacht auf, der tiefer als fünfzig Meter reicht. Taucher sind bis dorthin vorgedrungen, den Grund hat noch keiner gesehen. Um die Pupille herum färbt sich das Wasser hellblau bis türkis und fließt als glasklarer Fluss ab, die Bistrica.
Vom Parkplatz läuft man ein Stück durch Grün am Wasser entlang, gut zwei Kilometer, eben und einfach. An der Quelle selbst gilt: schauen, nicht baden. Das Becken steht unter Schutz, und das Wasser bleibt das ganze Jahr um die zehn Grad kalt. Auf den Fotos wirkt der Ort wie ein einsamer Waldsee. Real teilt man sich die Aussichtsplattform in der Saison mit vielen anderen, was dem Farbenspiel erstaunlich wenig anhaben kann.
So passen beide in einen Tag
Mit eigenem Auto ist die Kombination der Klassiker, denn zusammen kosten beide Strecken kaum mehr als eine Stunde reine Fahrzeit. Entscheidend ist die Reihenfolge. Die Ausflugsbusse aus Saranda und von den Korfu-Tagesgästen treffen am späten Vormittag ein, an beiden Orten. Wer den Tag um diesen Rhythmus herum plant, hat die Stätten stundenweise fast für sich.
Bewährt hat sich deshalb: Butrint gleich zur Öffnung am Morgen, solange die Luft kühl ist und die Wege leer sind. Danach zurück an Saranda vorbei und landeinwärts zum Blue Eye, am besten um die Mittagszeit. Dann steht die Sonne hoch, und das Blau leuchtet am kräftigsten. Den späten Nachmittag füllt ein Badestopp in Ksamil oder ein Abendessen am Kanal. Auch andersherum funktioniert der Tag, nur trifft man dann mittags in Butrint auf die vollen Gruppen.
Wo der Plan an Grenzen stößt
Ohne Auto wird aus dem Kombitag eher ein Entweder-oder. Nach Butrint fährt ab Saranda regelmäßig ein Linienbus über Ksamil, das klappt gut. Zum Blue Eye bringen dich Überlandbusse Richtung Gjirokastra nur bis zur Abzweigung an der Hauptstraße, von dort läuft man zusätzlich zum Parkplatzweg. Wer beides an einem Tag ohne Mietwagen will, bucht eine organisierte Tour und akzeptiert deren Fahrplan.
Zwei Sonderfälle noch. Wer in Ksamil statt in Saranda wohnt, hat Butrint quasi vor der Haustür und kann die Ruinen auch spontan an einem bewölkten Nachmittag anhängen. Und im Hochsommer verlangt der Butrint-Rundweg trotz Schatten Wasser und frühe Stunden, die Halbinsel liegt windgeschützt und wird mittags stickig. Wer hitzeempfindlich ist, legt die Ruinen in die Randzeiten und das Blue Eye in die Mitte des Tages.
Von hier aus weiter
Beide Ausflüge starten dort, wo die Riviera endet. Wie du deinen Standort im Süden wählst, klärt der Vergleich Ksamil oder Saranda. Die ganze Küste von Vlora bis zur griechischen Grenze ordnet die Übersicht zur Albanischen Riviera. Und wann sich Butrint und Blue Eye ohne Gedränge zeigen, steht im Artikel zur besten Reisezeit.
