Die beste Reisezeit für die albanische Riviera liegt zwischen Mitte Mai und Ende Juni sowie im September. Das Ionische Meer ist dann warm genug zum Baden, die Küstenstraße bleibt frei, und an den Stränden zwischen Dhermi und Ksamil findet das Handtuch noch Platz. Der Hochsommer funktioniert nur für Reisende, die Hitze über dreißig Grad aushalten und volle Buchten nicht als Störung empfinden.
Ein Junimorgen in Dhermi erklärt die Empfehlung besser als jede Tabelle. Der Kies knirscht, das Wasser liegt glatt wie Glas, hinter dem Strand duftet es nach Kaffee aus der ersten geöffneten Bar. Drei Wochen später, Mitte Juli, beginnt an derselben Stelle die Suche nach einem freien Streifen zwischen den Liegen.
Die beiden Fenster unterscheiden sich übrigens spürbar. Im Mai und Juni stehen die Hänge über der Küstenstraße noch grün, die Bäche in den Schluchten führen Wasser, das Meer braucht abends Überwindung. Der September dreht das Verhältnis um: Die Landschaft ist ausgedörrt, dafür hat das Meer den ganzen Sommer gespeichert und bleibt bis in den Oktober hinein badewarm.
Wie voll wird es im August?
Sehr voll. Im August reist halb Albanien selbst ans Meer, dazu kommen Gäste aus Italien, aus dem Kosovo und zunehmend aus dem übrigen Europa. In Ksamil sind die Liegenreihen dann oft schon am Vormittag belegt, vor dem Fußweg nach Gjipe stauen sich die Autos, und auf der Küstenstraße schiebt sich der Verkehr in Kolonnen über die Kehren.
Wer an die Schulferien gebunden ist, kann trotzdem fahren, braucht aber eine Strategie. Früh an den Strand, mittags in den Schatten, nachmittags eine der weniger bekannten Buchten. Als Standort taugen dann Qeparo oder Borsh besser als Ksamil, weil dort mehr Strand auf weniger Besucher trifft. Unterkünfte in Himara und Saranda sind im August lange im Voraus vergriffen. Ohne rechtzeitige Buchung bleibt oft nur die zweite Reihe am Hang.
Ist Albanien noch günstiger als Kroatien und Griechenland?
Ja, spürbar, aber der Abstand schrumpft von Jahr zu Jahr. Unterkunft, Restaurantbesuche und Strandliegen kosten an der Riviera weiterhin deutlich weniger als an der kroatischen Adria oder auf den griechischen Inseln. Für dasselbe Budget bekommt man hier mehr Reisetage oder die bessere Zimmerkategorie, und ein Abendessen mit Fisch bleibt eine Alltagsentscheidung statt eines Anlasses.
Eine Einschränkung gehört dazu. In den bekanntesten Orten, allen voran Ksamil und Saranda, nähern sich die Hochsaisonpreise dem Niveau der Nachbarländer an. Wer nur wegen der niedrigen Kosten kommt und im August die Postkartenstrände ansteuert, wird den Unterschied kaum noch bemerken. Günstig bleibt es dort, wo weniger fotografiert wird: in den Dörfern am Hang, in Borsh, in der Vor- und Nachsaison sowieso.
Geht auch die Nebensaison?
Sie geht, mit klaren Abstrichen. Ab Mitte Oktober schließen viele Strandbars, Beachclubs und kleinere Hotels, weil sie reine Sommerbetriebe sind. Ksamil wirkt dann wie heruntergefahren, ganze Zeilen von Lokalen stehen verrammelt hinter gestapelten Liegen. Auch Bootstouren und Wassersportstationen machen Pause. Wer im Winter eine belebte Promenade erwartet, findet stattdessen Handwerker, die Terrassen für den nächsten Sommer richten.
Himara und Saranda funktionieren dagegen ganzjährig, weil dort Menschen wohnen und nicht nur Gäste. Tavernen im Ortskern bleiben offen, Busse fahren, der Alltag läuft weiter. Das Meer ist den meisten dann zu kühl zum Baden. Dafür gehören die leere Küstenstraße, die Wanderwege am Llogara-Pass und die Ruinen von Butrint fast allein den wenigen, die kommen. Regentage muss man einplanen, das Wetter wechselt schnell.
Von hier aus weiter
Die Monate sind gewählt, jetzt fehlt die Strecke. Die Küstenroute von Vlora bis Ksamil ordnet alle Orte der Riviera zu einer Rundreise. Für die Wahl des Standorts im Norden lohnt der genauere Blick auf Himara und Dhermi, die beiden Basislager unterhalb des Passes.
