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Albanien

Himara und Dhërmi: Das ruhigere Stück Riviera

Alte Dorfkerne über den Stränden, die Schlucht von Gjipe dazwischen: warum Himara und Dhërmi der ruhige Gegenpol zum Trubel von Ksamil sind.

Von Maia Brandt AI generiert · Aktualisiert am

Altes Steindorf ueber einer tuerkisen Bucht, Olivenholzterrassen ziehen sich zum Meer hinab.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Kurz nach acht liegt die Küstenstraße unterhalb des Llogara-Passes noch im Schatten der Bergwand. Die Serpentinen sind leer, nur ein Lieferwagen mit Wasserkisten müht sich bergauf. Durch das offene Fenster mischt sich der Geruch von warmem Asphalt mit Salbei und Meer. Unten, wo die Kehren auslaufen, beginnt das Band aus Olivenhainen, das sich bis Himara zieht.

In Dhërmi ist um diese Zeit fast nichts los. Vor einer Bäckerei stapeln Männer Brotkisten aus einem Kofferraum, eine Katze schläft auf einer Mauer, das Meer glänzt zwei Kurven tiefer. Erst am späten Vormittag füllen sich die Strandzufahrten. Wer jetzt schon da ist, hat den besten Teil des Tages für sich.

Genau dieses Tempo unterscheidet den Norden der albanischen Riviera vom Süden. Zwischen Dhërmi und Himara liegen kaum fünfundzwanzig Kilometer Küste, aber sie funktionieren anders als die Strandorte um Saranda: Die eigentlichen Orte sitzen am Hang, die Strände liegen darunter, und dazwischen bleibt Luft.

Zwei Dörfer, die dem Meer den Rücken zukehren

Wer Dhërmi nur vom Strand kennt, hat das halbe Dorf verpasst. Der alte Ortskern klebt weit oberhalb der Küstenstraße am Berg, ein Gewirr aus Steinhäusern, Treppengassen und orthodoxen Kirchen, manche davon Jahrhunderte alt. Von den obersten Gassen fällt der Blick über Olivenbäume und Zypressen bis aufs offene Meer. Unten am Wasser reihen sich Strandbars und neue Hotels, oben riecht es nach Feigen und altem Stein.

Himara wiederholt dieses Muster in größer. Am Wasser liegt der neue Ort mit Promenade, Hafen und Tavernen, in denen abends gegrillter Fisch auf die Tische kommt. Hoch darüber sitzt Himara e Vjetër, die alte Burgsiedlung auf ihrem Hügel. Zwischen den Mauern der Festung stehen halb verfallene und wieder bewohnte Häuser durcheinander, kleine Kirchen ducken sich in den Hang. Der Aufstieg lohnt am späten Nachmittag, wenn das Licht flach über die Küste fällt.

Man erwartet an dieser Küste Badeorte. Man findet Bergdörfer mit Strandanschluss. Dieser Unterschied klingt klein, prägt aber den ganzen Aufenthalt: Wer will, wechselt an einem einzigen Tag zwischen Kirchenruine, Kiesbucht und Tavernenabend, ohne dafür je länger als eine halbe Stunde unterwegs zu sein.

Der Weg hinunter nach Gjipe

Zwischen den beiden Orten liegt das Ziel, für das viele überhaupt herkommen. Die Bucht von Gjipe öffnet sich am Ausgang einer Schlucht, deren Felswände sich landeinwärts immer enger zusammenschieben. Eine Straße bis ans Wasser gibt es nicht. Vom Parkplatz oberhalb führt ein steiniger Pfad bergab, gut dreißig bis fünfundvierzig Minuten, ohne Schatten und mit festen Schuhen deutlich angenehmer als in Sandalen.

Diese letzte halbe Stunde ist der Grund, warum Gjipe sich seinen Charakter bewahrt hat. Wer sie geht, trägt Wasser und Proviant selbst hinunter, und genau das hält die Menge klein. Unten wartet eine Kiesbucht zwischen hohen Wänden, das Wasser klar bis auf den Grund. Landeinwärts lässt sich ein Stück in die Schlucht hineinlaufen, wo es zwischen den Felsen kühler wird und die Stimmen vom Strand verstummen.

Alternativ bringen Boote von Himara aus Badegäste in die Bucht. Für den Rückweg bergauf gilt: früh starten oder auf den Abend warten. In der Mittagshitze wird der Pfad zäh.

Warum es hier ruhiger bleibt als in Ksamil

Der Vergleich mit dem Süden drängt sich auf, und er fällt deutlich aus. Ksamil ist ein junges Feriendorf mit Sandstränden, die in Abschnitte mit Liegen aufgeteilt sind, dicht bebaut und im Sommer voll. Details dazu stehen im Artikel über Ksamil und Saranda. Himara und Dhërmi dagegen haben gewachsene Ortskerne, Kies statt feinem Sand und Strände, die sich über mehrere Buchten verteilen statt auf wenige hundert Meter.

Das heißt nicht, dass der Norden leer wäre. Auch in Dhërmi reihen sich inzwischen Beachclubs am Wasser, auch Himaras Promenade füllt sich an Sommerabenden. Aber die Berge begrenzen das Wachstum, die Buchten verteilen die Leute, und wer zehn Minuten läuft, findet fast immer ein stilleres Stück Küste. In Ksamil funktioniert dieser Trick kaum noch.

Anreise: von Vlora oder von Saranda

Beide Orte liegen an der Küstenstraße, die Vlora mit Saranda verbindet, und genau das ist das Prinzip der Anreise. Von Norden kommt man über den Llogara-Pass oder durch den Tunnel darunter, von Süden die Küste entlang über Borsh und Porto Palermo. Dhërmi erreicht man von Vlora aus schneller, Himara liegt ungefähr auf halber Strecke und ist von beiden Seiten gut machbar.

Ohne eigenes Auto geht es auch. Busse fahren täglich zwischen Vlora, Dhërmi, Himara und Saranda, sie halten an der Hauptstraße der Orte. Für die Strände direkt am Ort reicht das völlig. Wer allerdings Gjipe, die Nachbarbuchten und die alten Dorfkerne flexibel verbinden will, ist mit einem kleinen Mietwagen klar im Vorteil. Die Straße verlangt an einigen Stellen Geduld, dafür liegt hinter fast jeder Kurve ein Halteplatz mit Aussicht.

Wann sich die Reise am meisten lohnt

Die beste Zeit sind Frühsommer und Frühherbst. Das Meer ist dann warm genug zum Baden, der Abstieg nach Gjipe kein Hitzetest, und in den Gassen der alten Dörfer ist Platz. Im Hochsommer bleibt der Norden zwar spürbar entspannter als Ksamil, aber auch hier gehören die Strandzufahrten dann den Geduldigen. Wer nur im August kann, legt Badetage auf den frühen Morgen und Dorfbesuche auf den Abend.

Für Wanderungen taugt sogar die Nebensaison. Die Schlucht von Gjipe, die Wege zwischen den Ortsteilen und der Aufstieg zur Burg von Himara funktionieren auch dann, wenn das Wasser schon zu kalt ist.

Was der Aufenthalt kostet

Ein genauer Betrag wäre gelogen, ein Rahmen ist ehrlich. Die Spanne der Unterkünfte reicht von einfachen Gästezimmern im alten Dorf bis zu neuen Strandhotels, und dazwischen liegt preislich einiges. Direkt am Wasser von Dhërmi zahlt man am meisten, in den Hanglagen und in Himaras Seitengassen deutlich weniger. Tavernenessen bleibt im Vergleich zu westeuropäischen Küstenorten günstig, Liegen an den bewirtschafteten Stränden kosten extra, die fußläufigen Buchten nichts außer Schweiß. Bargeld gehört in die Tasche, nicht jede Taverne nimmt Karten.

Am Abend, zurück in Himara, sitzen die Familien wieder an der Promenade. Vom Burghügel oben ist das Meer nur noch eine dunkle Fläche, in der sich die Lichter der Tavernen spiegeln. Irgendwo klappert Geschirr, ein Kellner trägt einen Teller Fisch vorbei. Der Süden mit seinen vollen Stränden ist von hier aus zwei Autostunden entfernt. Es fühlt sich nach mehr an.

Das passt dazu

Dieser Artikel gehört zum Cluster Albanische Riviera, wo die Übersicht die ganze Küstenroute von Vlora bis zur griechischen Grenze ordnet. Den Gegenpol zu diesem ruhigen Abschnitt beschreibt der Beitrag über Ksamil und Saranda im Süden der Riviera.