Der praktischste Flughafen für den Süden der albanischen Riviera liegt nicht in Albanien. Er liegt auf Korfu, rund fünfzehn Seemeilen vor Saranda, und die Schnellfähre schafft die Überfahrt in etwa einer halben Stunde. Wer das einmal verstanden hat, plant die Anreise anders: nicht nach Ländern, sondern nach Küstenabschnitten.
Drei Wege führen ans Ionische Meer. Der Flug nach Tirana mit Transfer über den Llogara-Pass, der Flug nach Korfu mit Fähre nach Saranda und der Landweg mit dem eigenen Auto über Montenegro. Keiner davon ist für alle der beste. Es kommt darauf an, wo das Quartier liegt und wie viel Bewegungsfreiheit die Reise braucht.
Die drei Wege im Vergleich
Drei Kriterien entscheiden die Wahl: die Gesamtdauer ab dem deutschsprachigen Raum, die Flexibilität vor Ort und die Frage, woher das Auto kommt. Die Tabelle zeigt das Grundgerüst, die Abschnitte danach füllen es aus.
| Weg | Dauer ab DACH | Flexibilität vor Ort | Mietwagen-Frage |
|---|---|---|---|
| Flug Tirana plus Transfer | Flug, danach vier bis viereinhalb Stunden Straße bis Saranda, etwa eine Stunde weniger bis Himara | Hoch, sobald ab Flughafen gemietet wird | Übernahme direkt am Flughafen Tirana |
| Flug Korfu plus Fähre | Flug, kurzer Weg zum Hafen, dann rund dreißig Minuten Schnellfähre oder gut eine Stunde mit der langsameren Fähre | Anfangs gering, das Auto fehlt zunächst | Übernahme erst in Saranda, ohne Auto übersetzen |
| Landweg über Montenegro | Zwei bis drei Fahrtage ab Süddeutschland oder Österreich | Maximal, das eigene Auto ist von Anfang an dabei | Keine, dafür Versicherungsfragen fürs eigene Fahrzeug |
Die zweite Tabelle sortiert nach dem Ziel. Die Riviera ist lang genug, dass Norden und Süden verschiedene Antworten verlangen.
| Ziel an der Küste | Passender Weg | Grund |
|---|---|---|
| Nord-Riviera: Palasa, Dhermi, Himara | Flug Tirana | Der Llogara-Pass liegt ohnehin auf der Strecke, der Norden kommt zuerst |
| Süd-Riviera: Saranda, Ksamil, Butrint | Flug Korfu plus Fähre | Die Fähre legt mitten im Zielgebiet an, kaum Transferzeit |
| Ganze Küste als Rundreise | Flug Tirana oder Landweg | Auto von der ersten Stunde an, freie Richtungswahl |
Weg eins: Flug nach Tirana, dann über den Pass
Tirana ist der internationale Flughafen des Landes und wird aus dem deutschsprachigen Raum direkt angeflogen. Von dort führt die Strecke über Fier nach Vlora und dann hinauf in den Llogara-Nationalpark. Bis Himara dauert die Fahrt etwa dreieinhalb bis vier Stunden, bis Saranda vier bis viereinhalb. Das ist der lange Teil dieser Anreise, aber er hat eine Pointe: Der Transfer ist zugleich die erste Etappe der Küstenroute.
Am Pass gibt es zwei Möglichkeiten. Der Tunnel unter der Passhöhe spart spürbar Zeit, die alte Straße über die Kehren liefert dafür den ersten Blick auf das Meer tief unten. Wer nach einem frühen Flug ankommt, nimmt die Kehren. Wer erst am Nachmittag landet, fährt besser durch den Tunnel oder plant eine Zwischennacht in Vlora ein, denn die Küstenstraße macht im Dunkeln keine Freude.
Weg zwei: Flug nach Korfu, dann die Fähre
Korfu wird im Sommer dicht aus deutschsprachigen Städten angeflogen, oft günstiger und häufiger als Tirana. Vom Flughafen ist es nur ein kurzes Stück bis zum Hafen. Die Schnellboote nach Saranda brauchen rund dreißig Minuten, die größeren Fähren etwa eine Stunde oder etwas mehr. Schon beim Ablegen liegt die albanische Küste als graue Linie voraus, und nach der Ankunft steht man mitten in Saranda, wenige Schritte von der Promenade.
Der Weg hat eine Einschränkung: Man kommt ohne Auto an. Griechische Mietwagen dürfen üblicherweise nicht mit nach Albanien, also setzt man als Fußpassagier über und übernimmt den Wagen erst in Saranda. Für einen Badeurlaub zwischen Saranda und Ksamil stört das kaum. Und wer die Küste komplett fahren will, macht aus der Not eine Route: von Süden nach Norden, mit dem Llogara-Pass als Finale.
Weg drei: der Landweg über Montenegro
Der Landweg ist die längste, aber unabhängigste Variante. Ab Süddeutschland oder Österreich sind es zwei bis drei Fahrtage, meist über Kroatien und Montenegro, mit Grenzübertritt in der Gegend von Shkodra. Danach geht es über Tirana oder direkt Richtung Vlora an die Küste. Das eigene Auto bedeutet: kein Gepäcklimit, keine Mietwagenübergabe, freie Zeiteinteilung auf der ganzen Strecke.
Dafür verlangt der Weg Vorbereitung. Montenegro und Albanien liegen außerhalb der EU, der Versicherungsschutz fürs eigene Fahrzeug gehört vor der Abfahrt geklärt, Stichwort Grüne Karte. Im Hochsommer kosten die Grenzen Wartezeit. Wer diesen Weg wählt, sollte ihn deshalb nicht als reine Transitstrecke sehen, sondern als Doppelreise: Die Bucht von Kotor und der Durmitor liegen praktisch am Weg, der Montenegro-Roadtrip zwischen Adria und Durmitor zeigt, wie sich beide Länder zu einer Reise verbinden.
Welcher Weg für wen
Für ein Basislager im Norden, etwa in Dhermi oder Himara, ist der Flug nach Tirana die klarste Wahl. Der Transfer bleibt überschaubar, und der Pass gehört gleich am ersten Tag dazu. Für den Süden um Saranda und Ksamil gewinnt die Korfu-Variante: kurze Fähre, Ankunft im Zentrum, Auto nur bei Bedarf.
Rundreisende mit begrenzter Zeit fliegen nach Tirana, mieten am Flughafen und fahren die Küste von Nord nach Süd. Wer drei Wochen oder mehr hat und ohnehin über den Balkan reisen will, nimmt das eigene Auto und den Landweg. Familien mit viel Gepäck landen fast automatisch bei dieser Variante. Und wer die dramatischste Ankunft sucht, kombiniert: mit der Fähre in Saranda beginnen und die Route so fahren, dass der Blick vom Llogara-Pass am Ende steht.
Das passt dazu
Wie die Küstenroute selbst aufgebaut ist, Ort für Ort von Vlora bis Ksamil, steht in der Übersicht zur Albanischen Riviera. Wer den Landweg wählt und Montenegro nicht nur durchfahren will, findet im Montenegro-Roadtrip die passende Wochenroute, inklusive der Frage, wie man die Grenze zwischen Kroatien und Montenegro ohne langen Stau hinter sich bringt.
