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Reisegesundheit

Reisekrankheit: Warum uns Bewegung übel macht

Flauer Magen im Auto, Übelkeit auf dem Schiff: Die Reisekrankheit entsteht im Kopf. Was dahintersteckt und was in vielen Fällen hilft.

Von Aidan Falk AI generiert · Aktualisiert am

Beifahrerin blickt bei leicht geoeffnetem Fenster ruhig auf den Horizont der Strasse.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Kurven, Wellen, Turbulenzen: Manchen Menschen reicht schon eine kurze Fahrt auf der Landstraße, und der Magen meldet sich. Die Reisekrankheit, medizinisch Kinetose genannt, ist keine Einbildung und keine Schwäche. Sie ist eine nachvollziehbare Reaktion des Gehirns auf widersprüchliche Sinneseindrücke. Wer den Mechanismus versteht, kann ihn gezielt austricksen.

Ein Streit der Sinne

Das Gehirn ermittelt die Lage des Körpers aus mehreren Quellen gleichzeitig. Die Augen liefern Bilder, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr misst Beschleunigung und Drehung, und Sensoren in Muskeln und Gelenken melden die Körperposition.

Im fahrenden Auto geraten diese Quellen in Konflikt. Wer auf ein Buch oder ein Handy schaut, sieht ein ruhendes Bild. Das Innenohr registriert aber jede Kurve und jede Bodenwelle. Diese Diskrepanz kann das Gehirn nicht auflösen. Es reagiert mit Unwohlsein, Blässe, kaltem Schweiß, Gähnen und schließlich Übelkeit bis hin zum Erbrechen.

Besonders anfällig sind Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren. Bei vielen lässt die Empfindlichkeit später nach. Auch Erwachsene können betroffen bleiben, Frauen berichten insgesamt etwas häufiger über Beschwerden.

Vorbeugen beginnt bei der Platzwahl

Je weniger Bewegung am Sitzplatz ankommt, desto besser. Und je mehr Augen und Innenohr dieselbe Geschichte erzählen, desto ruhiger bleibt der Magen.

VerkehrsmittelGünstiger Platz
AutoBeifahrersitz, bei Kindern Blick nach vorne ermöglichen
BusVorne, in Fahrtrichtung
ZugIn Fahrtrichtung, am Fenster
FlugzeugÜber den Tragflächen
SchiffMittig, auf niedrigem Deck, mit Blick auf den Horizont

Dazu kommen einfache Verhaltensregeln. Der Blick geht in die Ferne, am besten auf den Horizont oder die Straße voraus. Lesen und Handy sind für Empfindliche während der Fahrt tabu. Frische Luft hilft, ebenso ruhiges, gleichmäßiges Atmen. Vor der Abfahrt bewährt sich eine leichte Mahlzeit: Ein leerer Magen ist ebenso ungünstig wie ein voller. Schwere, fettige Speisen und Alkohol verschlechtern die Lage in vielen Fällen.

Wenn die Übelkeit schon da ist

Kündigt sich die Übelkeit an, hilft konsequentes Umsteuern. Blick zum Horizont, Kopf ruhig halten und möglichst an die frische Luft. Auf dem Schiff ist ein Platz an Deck mit Blick auf das Wasser meist besser als eine fensterlose Kabine. Im Auto lohnt eine Pause: aussteigen, ein paar Schritte gehen, durchatmen.

Manche Betroffene empfinden Ingwer als wohltuend, etwa als Tee oder Bonbon. Schlaf ist ein weiterer Verbündeter, denn im Schlaf verarbeitet das Gehirn die widersprüchlichen Signale nicht. Wer die Möglichkeit hat, legt lange Fahrten in die Nacht oder die frühen Morgenstunden. In der Apotheke gibt es zudem Mittel gegen Reiseübelkeit. Ob und was davon im Einzelfall passt, gehört in ein Beratungsgespräch mit Arzt oder Apotheke, besonders bei Kindern, in der Schwangerschaft und bei Vorerkrankungen.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Die klassische Reisekrankheit endet kurz nach der Fahrt. Hält Übelkeit oder Schwindel danach länger an, tritt sie ohne erkennbaren Auslöser auf oder kommen Beschwerden wie starke Kopfschmerzen, Hörprobleme, Ohrgeräusche, Sehstörungen oder Gangunsicherheit hinzu, sollte das ärztlich untersucht werden. Hinter anhaltendem Schwindel können andere Ursachen stecken, die eine gezielte Behandlung brauchen.

Auch wer wiederholt so stark betroffen ist, dass Reisen kaum möglich sind, muss das nicht einfach hinnehmen. Eine ärztliche Beratung kann Wege aufzeigen, von Verhaltensstrategien bis zu geeigneten Medikamenten für den Einzelfall.

Weiterlesen

Einen Überblick über alle Themen rund ums gesunde Reisen bietet die Übersicht zur Reisegesundheit. Wenn der Magen nicht durch Bewegung, sondern durch fremde Küche rebelliert, hilft der Artikel über Magen-Darm-Beschwerden auf Reisen. Und für lange Flüge über Zeitzonen lohnt der Beitrag zum Mildern von Jetlag.

Häufige Fragen

Warum wird mir beim Lesen im Auto schlecht?

Beim Lesen melden die Augen Stillstand, das Gleichgewichtsorgan im Innenohr spürt aber die Bewegung des Autos. Diese widersprüchlichen Signale bringen das Gehirn durcheinander, und vielen Menschen wird übel. Der Blick aus dem Fenster in die Ferne löst den Widerspruch meist auf.

Welcher Sitzplatz ist bei Reisekrankheit am besten?

Am ruhigsten sind Plätze, an denen die Bewegung am geringsten ausfällt: im Auto vorne, im Bus vorne, im Flugzeug über den Tragflächen, auf dem Schiff mittig und auf niedrigem Deck. Blickrichtung in Fahrtrichtung hilft zusätzlich.

Verwächst sich die Reisekrankheit bei Kindern?

Häufig ja. Kinder zwischen etwa zwei und zwölf Jahren sind besonders anfällig, bei vielen nimmt die Empfindlichkeit mit dem Erwachsenwerden deutlich ab. Ganz verschwinden muss sie allerdings nicht.