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Erste Hilfe

Wiederbelebung: Drücken hilft, Nichtstun schadet

Herzstillstand erkennen, Notruf wählen, fest und schnell drücken: Warum Laien bei der Wiederbelebung kaum etwas falsch machen können.

Von Aidan Falk AI generiert · Aktualisiert am

Mann uebt im Kurs die Herzdruckmassage an einer Uebungspuppe.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Beim Herzstillstand hört das Herz auf, Blut durch den Körper zu pumpen. Das Gehirn wird nicht mehr versorgt und nimmt schon nach wenigen Minuten Schaden. Genau deshalb gilt der Satz aus der Überschrift wörtlich: Drücken hilft, Nichtstun schadet. Die Herzdruckmassage durch Laien überbrückt die Zeit, bis der Rettungsdienst eintrifft, und kann die Überlebenschancen deutlich verbessern.

Rufen, prüfen, drücken: in dieser Reihenfolge

Die Reihenfolge hat sich geändert. Bis vor Kurzem wurde erst die Atmung geprüft und dann gerufen; die Reanimationsleitlinien 2025 drehen das um. Wer jemanden findet, der auf lautes Ansprechen und Anfassen an den Schultern nicht reagiert, wählt sofort den Notruf: 112 europaweit, in Österreich auch die 144. Oder er beauftragt eine umstehende Person direkt und namentlich damit.

Der Tausch hat einen praktischen Grund. Die Atemkontrolle ist die Stelle, an der Laien am häufigsten hängenbleiben, weil Schnappatmung wie Atmung aussieht. Wer zuerst ruft, verliert diese Minuten nicht: Die Rettungskette läuft schon, während geprüft wird.

Leg das Handy auf Lautsprecher, dann hast du beide Hände frei. Viele Leitstellen führen am Telefon durch die Wiederbelebung, das nennt sich Telefonreanimation und ist seit 2025 ausdrücklich ihre Aufgabe.

Ist ein Defibrillator in der Nähe, ein sogenannter AED, sollte ihn jemand holen. Diese Geräte hängen in vielen öffentlichen Gebäuden und erklären sich nach dem Einschalten selbst per Sprachanweisung.

Die Atemkontrolle dauert höchstens zehn Sekunden

Kopf nach hinten neigen, Kinn anheben, auf Brustkorb und Atemgeräusche achten. Länger als zehn Sekunden darf das nicht dauern. Keine Reaktion und keine normale Atmung heißt Kreislaufstillstand, und im Zweifel wird davon ausgegangen.

Vorsicht bei der sogenannten Schnappatmung: einzelne, röchelnde oder seufzende Atemzüge in großen Abständen. Sie sieht nach Atmung aus, ist aber keine. Schnappatmung ist ein typisches Zeichen des Kreislaufstillstands und bedeutet: sofort mit der Herzdruckmassage beginnen.

So funktioniert die Herzdruckmassage

Die Person liegt auf dem Rücken auf hartem Untergrund. Ausziehen musst du sie dafür nicht, das kostet nur Zeit. Nur wenn du sonst unsicher wärst, wo der Druckpunkt liegt, machst du den Brustkorb frei. Dann:

  1. Knie dich seitlich neben den Brustkorb.
  2. Setz einen Handballen auf die Mitte des Brustkorbs, die zweite Hand darüber, Finger verschränken.
  3. Drück mit gestreckten Armen senkrecht nach unten, mindestens fünf und höchstens sechs Zentimeter tief.
  4. Halte ein Tempo von 100 bis 120 Druckbewegungen pro Minute und entlaste den Brustkorb nach jedem Druck vollständig.

Punkt vier hat zwei Hälften, und die zweite wird oft vergessen. Wer sich zwischen den Kompressionen auf dem Brustkorb abstützt, verhindert, dass er sich wieder füllt. Die Hände bleiben aufgesetzt, das Gewicht kommt herunter.

Als Taktgeber helfen bekannte Lieder mit passendem Rhythmus, viele Kurse nutzen dafür einen bekannten Discohit. Drück kräftig. Zu zaghaftes Drücken ist der häufigere Fehler als zu festes.

Durchhalten bis zur Ablösung

Herzdruckmassage ist anstrengend, nach wenigen Minuten lässt die Qualität spürbar nach. Wechsle dich deshalb etwa alle zwei Minuten mit anderen Helfern ab, möglichst ohne lange Pausen. Aufgehört wird erst, wenn der Rettungsdienst übernimmt, die Person sich erkennbar bewegt und normal atmet oder die eigenen Kräfte wirklich am Ende sind.

Trifft ein AED ein, schaltest du ihn ein und folgst den Ansagen. Die Klebeelektroden kommen auf die nackte Haut, hier wird der Brustkorb also doch frei gemacht. Das Gerät prüft selbst, ob ein Stromstoß sinnvoll ist, und gibt ihn nur dann frei. Warten, bis es soweit ist, musst du nicht: Gedrückt wird weiter, bis das Gerät zur Analyse auffordert.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Jeder Herzstillstand ist ein Fall für den Rettungsdienst und die Klinik, hier stellt sich die Frage nicht. Wichtig ist ein anderer Punkt: Auch Warnzeichen vor einem möglichen Stillstand gehören ärztlich abgeklärt, und zwar zügig. Dazu zählen Druck oder Schmerzen im Brustkorb, Atemnot, unerklärliche Ohnmachten oder anhaltendes Herzstolpern. Im Zweifel den Notruf wählen, nicht erst am nächsten Tag in die Praxis gehen.

Bevor der Ernstfall kommt

Ein Text kann die Übung an der Puppe nicht ersetzen, ein Auffrischungskurs ist die beste Vorbereitung auf den Ernstfall. Mehr Grundlagen findest du in der Übersicht Erste Hilfe. Passend dazu: Was zu tun ist, wenn die Person bewusstlos ist, aber atmet, zeigt der Artikel zur stabilen Seitenlage. Und wie das Gespräch mit der Leitstelle abläuft, erklärt der Beitrag zum Notruf.

Häufige Fragen

Kann ich bei der Herzdruckmassage Rippen brechen?

Ja, das kommt vor und ist kein Grund aufzuhören. Eine gebrochene Rippe heilt, ein unbehandelter Herzstillstand nicht. Wirksame Herzdruckmassage braucht Kraft, und Knochenverletzungen werden dabei in Kauf genommen.

Muss ich beatmen oder reicht Drücken?

Wer Beatmung nicht gelernt hat oder sich unwohl fühlt, drückt einfach durchgehend weiter. Ununterbrochene Herzdruckmassage ist für ungeübte Helfer die empfohlene Variante. Wer geschult ist, wechselt zwischen 30 Kompressionen und 2 Beatmungen. Eine Pause für einen unsicheren Beatmungsversuch schadet mehr, als sie nützt.

Was ist, wenn die Person doch keinen Herzstillstand hatte?

Menschen mit erhaltenem Kreislauf reagieren in der Regel auf die kräftigen Druckbewegungen, etwa durch Abwehr oder Bewegung. Dann hörst du auf. Der Schaden durch kurzes Drücken ist klein, der Schaden durch Zögern beim echten Stillstand groß.