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Erste Hilfe

Den Notruf richtig absetzen

112 wählen kann jeder, doch dann? Welche Angaben die Leitstelle braucht, warum du nicht auflegen solltest und was die W-Fragen wirklich bedeuten.

Von Aidan Falk AI generiert · Aktualisiert am

Frau setzt kniend einen Notruf ab und beruhigt dabei eine sitzende Person.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Die Nummer kennt fast jeder, trotzdem zögern viele Menschen im Ernstfall. Was, wenn ich etwas Falsches sage? Was, wenn es doch kein echter Notfall ist? Beide Sorgen sind unbegründet. Der Notruf ist ein geführtes Gespräch: Die Leitstelle fragt, du antwortest. Wer ein paar Grundregeln kennt, verliert die Scheu und spart im Notfall wertvolle Zeit.

Eine Nummer für den Notfall: die 112

Die 112 erreicht Rettungsdienst und Feuerwehr, europaweit, rund um die Uhr, kostenlos, vom Festnetz wie vom Handy. Eine Vorwahl braucht es nicht. Daneben bestehen die nationalen Nummern weiter, und in Österreich sind es drei getrennte: 144 für die Rettung, 122 für die Feuerwehr, 133 für die Polizei. In Deutschland deckt die 112 Rettung und Feuerwehr gemeinsam ab, die Polizei hat die 110. Wer sich das nicht alles merken kann: Die 112 funktioniert in ganz Europa und leitet im Zweifel weiter.

Der Notruf ist immer dann richtig, wenn Lebensgefahr besteht oder bestehen könnte: Bewusstlosigkeit, Atemnot, Brustschmerz, starke Blutung, schwerer Unfall, Feuer.

Bei der Bewusstlosigkeit lohnt ein genauer Blick, denn hier hat sich etwas verschoben. Die Reanimationsleitlinien 2025 raten, schon dann zu wählen, wenn eine Person nicht reagiert. Ob sie normal atmet, wird erst danach geprüft, im Idealfall mit der Leitstelle auf Lautsprecher. Früher war es umgekehrt.

Die W-Fragen: Gerüst, kein Verhör

In Kursen werden traditionell die W-Fragen gelehrt. Sie taugen gut als Gedankenstütze für das, was die Leitstelle wissen will:

FrageWorum es geht
Wo ist es passiert?Adresse, Ort, Etage, Besonderheiten der Zufahrt
Was ist passiert?Kurz und konkret: Sturz, Unfall, Feuer, plötzliche Erkrankung
Wie viele Betroffene?Anzahl der verletzten oder erkrankten Personen
Welche Verletzungen oder Beschwerden?Das Auffälligste zuerst, etwa Bewusstlosigkeit oder starke Blutung
Warten auf RückfragenNicht auflegen, die Leitstelle beendet das Gespräch

Das Wichtigste ist die Ortsangabe. Alles andere lässt sich nachfragen, ein falscher oder fehlender Ort kostet dagegen Minuten. In fremder Umgebung helfen Straßenschilder, Hausnummern, markante Gebäude oder bei Autobahnen die kleinen blauen Kilometertafeln am Fahrbahnrand.

Nicht auflegen: Das Gespräch ist Teil der Hilfe

Der häufigste Fehler ist das vorschnelle Auflegen. Bleib in der Leitung, bis die Leitstelle das Gespräch beendet. Es kommen fast immer Rückfragen, und oft kommt mehr: Viele Leitstellen geben konkrete Anleitungen für die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens, etwa zur Herzdruckmassage oder zur Lagerung.

Praktisch ist der Lautsprechermodus. So hast du die Hände frei und kannst gleichzeitig helfen und zuhören. Halt das Telefon danach frei, die Leitstelle ruft bei Bedarf zurück.

Wenn Sprechen schwerfällt

Für gehörlose Menschen und Menschen mit Sprachbehinderung gibt es besondere Zugänge zum Notruf. In Deutschland läuft das über eine textbasierte Notruf-App der Bundesländer, daneben bestehen Notruf-Fax und Dolmetscherdienst weiter. In Österreich gibt es eine eigene Nummer für Gehörlosennotrufe per SMS und Fax, 0800 133 133.

Wer solche Hilfen braucht, richtet sie am besten in einer ruhigen Minute ein und probiert die Bedienung einmal aus. Eine App, die im Ernstfall erst registriert werden muss, hilft niemandem. Auch für alle anderen gilt: Eine installierte Notruf-App mit automatischer Standortermittlung kann die Ortsangabe deutlich erleichtern, ersetzt aber nicht das Wissen um die 112.

Wann ärztliche Abklärung nötig ist

Nicht jede Situation braucht den Rettungswagen, aber manche brauchen ihn ohne Umweg: Bewusstlosigkeit, Atemnot, Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, starke Blutungen, schwere Verbrennungen. Hier zählt die 112, nicht die Fahrt mit dem eigenen Auto.

Bei Beschwerden unterhalb dieser Schwelle gibt es eigene Nummern, und die kennen deutlich weniger Menschen als die 112. In Deutschland ist es der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, rund um die Uhr erreichbar und ohne Vorwahl. In Österreich führt die 1450 zur telefonischen Gesundheitsberatung, ebenfalls durchgehend besetzt. Beide sind für das gedacht, was nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten kann, aber auch kein Notfall ist.

Im Zweifel wähl trotzdem den Notruf: Die Leitstelle kann einschätzen, welche Hilfe passt, die Gegenrichtung funktioniert nicht.

Wenn der Anruf steht

Der sicherste Umgang mit Notfällen entsteht durch Übung, ein Erste-Hilfe-Kurs bleibt darum durch nichts zu ersetzen. Alle Beiträge dieser Reihe versammelt die Übersicht Erste Hilfe. Was nach dem Anruf zu tun ist, zeigen die Anleitungen zur Wiederbelebung und zur stabilen Seitenlage.

Häufige Fragen

Was passiert, wenn ich aus Versehen den Notruf gewählt habe?

Bleib dran und sag kurz, dass es ein Versehen war. Einfach aufzulegen ist die schlechtere Wahl, denn die Leitstelle muss sonst prüfen, ob hinter dem Anruf ein echter Notfall steckt. Ein ehrlicher Satz klärt alles.

Funktioniert die 112 auch ohne Guthaben oder ohne Empfang meines Anbieters?

Die 112 ist kostenlos und funktioniert auch ohne Guthaben. Hat dein Anbieter keinen Empfang, nutzt das Handy in vielen Fällen ein fremdes verfügbares Netz für den Notruf. Ganz ohne jedes Netz ist allerdings kein Anruf möglich.

Woher weiß ich, ob Notruf oder ärztlicher Bereitschaftsdienst richtig ist?

Die 112 ist für Notfälle: Lebensgefahr, starke Schmerzen, Atemnot, Bewusstlosigkeit, schwere Verletzungen. Für alles darunter gibt es eigene Nummern, in Deutschland die 116117, in Österreich die 1450. Sie helfen bei Beschwerden, die keine Notfälle sind, aber nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten können. Im Zweifel gilt: lieber die 112.