Die Nummer kennt fast jeder, trotzdem zögern viele Menschen im Ernstfall. Was, wenn ich etwas Falsches sage? Was, wenn es doch kein echter Notfall ist? Beide Sorgen sind unbegründet. Der Notruf ist ein geführtes Gespräch: Die Leitstelle fragt, du antwortest. Wer ein paar Grundregeln kennt, verliert die Scheu und spart im Notfall wertvolle Zeit.
Eine Nummer für den Notfall: die 112
Die 112 erreicht Rettungsdienst und Feuerwehr, europaweit, rund um die Uhr, kostenlos, vom Festnetz wie vom Handy. Eine Vorwahl braucht es nicht. Daneben bestehen die nationalen Nummern weiter, und in Österreich sind es drei getrennte: 144 für die Rettung, 122 für die Feuerwehr, 133 für die Polizei. In Deutschland deckt die 112 Rettung und Feuerwehr gemeinsam ab, die Polizei hat die 110. Wer sich das nicht alles merken kann: Die 112 funktioniert in ganz Europa und leitet im Zweifel weiter.
Der Notruf ist immer dann richtig, wenn Lebensgefahr besteht oder bestehen könnte: Bewusstlosigkeit, Atemnot, Brustschmerz, starke Blutung, schwerer Unfall, Feuer.
Bei der Bewusstlosigkeit lohnt ein genauer Blick, denn hier hat sich etwas verschoben. Die Reanimationsleitlinien 2025 raten, schon dann zu wählen, wenn eine Person nicht reagiert. Ob sie normal atmet, wird erst danach geprüft, im Idealfall mit der Leitstelle auf Lautsprecher. Früher war es umgekehrt.
Die W-Fragen: Gerüst, kein Verhör
In Kursen werden traditionell die W-Fragen gelehrt. Sie taugen gut als Gedankenstütze für das, was die Leitstelle wissen will:
| Frage | Worum es geht |
|---|---|
| Wo ist es passiert? | Adresse, Ort, Etage, Besonderheiten der Zufahrt |
| Was ist passiert? | Kurz und konkret: Sturz, Unfall, Feuer, plötzliche Erkrankung |
| Wie viele Betroffene? | Anzahl der verletzten oder erkrankten Personen |
| Welche Verletzungen oder Beschwerden? | Das Auffälligste zuerst, etwa Bewusstlosigkeit oder starke Blutung |
| Warten auf Rückfragen | Nicht auflegen, die Leitstelle beendet das Gespräch |
Das Wichtigste ist die Ortsangabe. Alles andere lässt sich nachfragen, ein falscher oder fehlender Ort kostet dagegen Minuten. In fremder Umgebung helfen Straßenschilder, Hausnummern, markante Gebäude oder bei Autobahnen die kleinen blauen Kilometertafeln am Fahrbahnrand.
Nicht auflegen: Das Gespräch ist Teil der Hilfe
Der häufigste Fehler ist das vorschnelle Auflegen. Bleib in der Leitung, bis die Leitstelle das Gespräch beendet. Es kommen fast immer Rückfragen, und oft kommt mehr: Viele Leitstellen geben konkrete Anleitungen für die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungswagens, etwa zur Herzdruckmassage oder zur Lagerung.
Praktisch ist der Lautsprechermodus. So hast du die Hände frei und kannst gleichzeitig helfen und zuhören. Halt das Telefon danach frei, die Leitstelle ruft bei Bedarf zurück.
Wenn Sprechen schwerfällt
Für gehörlose Menschen und Menschen mit Sprachbehinderung gibt es besondere Zugänge zum Notruf. In Deutschland läuft das über eine textbasierte Notruf-App der Bundesländer, daneben bestehen Notruf-Fax und Dolmetscherdienst weiter. In Österreich gibt es eine eigene Nummer für Gehörlosennotrufe per SMS und Fax, 0800 133 133.
Wer solche Hilfen braucht, richtet sie am besten in einer ruhigen Minute ein und probiert die Bedienung einmal aus. Eine App, die im Ernstfall erst registriert werden muss, hilft niemandem. Auch für alle anderen gilt: Eine installierte Notruf-App mit automatischer Standortermittlung kann die Ortsangabe deutlich erleichtern, ersetzt aber nicht das Wissen um die 112.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Nicht jede Situation braucht den Rettungswagen, aber manche brauchen ihn ohne Umweg: Bewusstlosigkeit, Atemnot, Brustschmerzen, Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen, starke Blutungen, schwere Verbrennungen. Hier zählt die 112, nicht die Fahrt mit dem eigenen Auto.
Bei Beschwerden unterhalb dieser Schwelle gibt es eigene Nummern, und die kennen deutlich weniger Menschen als die 112. In Deutschland ist es der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, rund um die Uhr erreichbar und ohne Vorwahl. In Österreich führt die 1450 zur telefonischen Gesundheitsberatung, ebenfalls durchgehend besetzt. Beide sind für das gedacht, was nicht bis zur nächsten Sprechstunde warten kann, aber auch kein Notfall ist.
Im Zweifel wähl trotzdem den Notruf: Die Leitstelle kann einschätzen, welche Hilfe passt, die Gegenrichtung funktioniert nicht.
Wenn der Anruf steht
Der sicherste Umgang mit Notfällen entsteht durch Übung, ein Erste-Hilfe-Kurs bleibt darum durch nichts zu ersetzen. Alle Beiträge dieser Reihe versammelt die Übersicht Erste Hilfe. Was nach dem Anruf zu tun ist, zeigen die Anleitungen zur Wiederbelebung und zur stabilen Seitenlage.
