Der Griff an den heißen Topf, spritzendes Fett, umgekipptes Teewasser: Verbrennungen und Verbrühungen zählen zu den häufigsten Verletzungen im Haushalt. Die ersten Minuten entscheiden mit darüber, wie tief der Schaden geht und wie gut die Haut heilt. Die gute Nachricht: Die richtige Erstversorgung ist einfach. Sie besteht vor allem darin, wenige Dinge zu tun und viele zu lassen.
Erst die Ursache stoppen
Bevor gekühlt wird, muss die Hitzequelle weg. Herd aus, heiße Flüssigkeit weg vom Körper, brennende Kleidung löschen: mit Wasser, einer Decke oder durch Wälzen am Boden. Mit heißer Flüssigkeit getränkte Kleidung ziehen Sie zügig aus, solange sie nicht mit der Haut verklebt ist. Festklebende Stoffreste bleiben, wo sie sind, das Entfernen übernimmt später medizinisches Personal.
Kühlen: ja, aber richtig
Kleinflächige Verbrennungen, etwa an Hand oder Unterarm, kühlen Sie unter fließendem Wasser. Handwarm bis kühl ist ideal, also ungefähr 15 bis 20 Grad. Rund zehn Minuten reichen in vielen Fällen. Das lindert den Schmerz und kann verhindern, dass die Hitze weiter ins Gewebe wirkt.
Zwei Dinge sind dabei tabu. Erstens Eis und Kühlpacks: Extreme Kälte verengt die Gefäße und kann die geschädigte Haut zusätzlich verletzen. Zweitens das großflächige Kühlen: Ist mehr als ein kleiner Bereich betroffen, oder handelt es sich um Kinder oder ältere Menschen, droht durch Kühlen eine gefährliche Auskühlung des ganzen Körpers. Dann gilt: nur kurz oder gar nicht kühlen, Notruf wählen, Person warmhalten.
Abdecken statt einschmieren
Nach dem Kühlen wird die Wunde locker und keimarm abgedeckt, ideal ist eine sterile Wundauflage aus dem Verbandkasten, notfalls ein sauberes Tuch. Die Abdeckung schützt vor Schmutz und lindert den Schmerz durch bewegte Luft auf der Wunde.
Alles andere bleibt weg: keine Salben, keine Puder, keine Öle, keine Hausmittel. Blasen werden nicht geöffnet. Schmuck und enge Kleidungsstücke in der Nähe der Verletzung sollten früh abgelegt werden, bevor die Schwellung einsetzt.
Wie tief geht die Verletzung?
Fachleute teilen Verbrennungen nach Tiefe ein. Für Laien reicht eine grobe Orientierung:
| Schweregrad | Typische Zeichen | Ersteinschätzung |
|---|---|---|
| Grad 1 | Rötung, Schwellung, Schmerz, etwa wie Sonnenbrand | Heilt meist von selbst |
| Grad 2 | Blasenbildung, starke Schmerzen, nässende Haut | Ärztlich abklären lassen |
| Grad 3 | Weiße, graue oder verkohlte Haut, oft wenig Schmerz | Notfall, sofort 112 |
Tückisch ist Grad 3: Weil Nervenenden zerstört sind, kann der Schmerz fehlen. Wenig Schmerz bedeutet also nicht automatisch wenig Schaden.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Ein Arztbesuch ist ratsam bei allen Verbrennungen mit Blasen, bei Wunden im Gesicht, an Händen, Füßen, Gelenken oder im Genitalbereich sowie bei Verbrennungen durch Strom oder Chemikalien. Bei Kindern, Schwangeren und älteren Menschen ist die Schwelle grundsätzlich niedriger anzusetzen.
Den Notruf 112 wählen Sie bei großflächigen Verbrennungen, Anzeichen von Grad 3, eingeatmetem Rauch, Atemnot oder Kreislaufproblemen. Auch nach Stromunfällen ist eine Abklärung nötig, selbst wenn äußerlich wenig zu sehen ist.
Weiterlesen
Diese Hinweise ersetzen keinen Erste-Hilfe-Kurs, dort lässt sich die Wundversorgung praktisch üben. Weitere Grundlagen sammelt die Übersicht Erste Hilfe. Wie Sie im Ernstfall die Leitstelle erreichen und was Sie am Telefon sagen, zeigt der Beitrag zum Notruf. Und für den Fall, dass eine verletzte Person das Bewusstsein verliert, hilft die Anleitung zur stabilen Seitenlage.
