Eine Person liegt am Boden, reagiert nicht auf Ansprache, atmet aber normal. Genau für diese Situation gibt es die stabile Seitenlage. Sie klingt nach Kursbuch und Prüfung, ist aber im Grunde eine einfache Idee: Die Atemwege müssen frei bleiben. Wer das Prinzip verstanden hat, kann die Handgriffe auch nach Jahren wieder abrufen.
Warum die Seitenlage Leben schützen kann
Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen die Muskeln, auch die der Zunge. In Rückenlage kann die Zunge nach hinten sinken und den Rachen verlegen. Dazu kommt ein zweites Risiko: Erbrochenes oder Blut kann in die Luftröhre laufen, weil die Schutzreflexe ausfallen.
Die Seitenlage begegnet beiden Gefahren. Der leicht nach hinten geneigte Kopf hält den Atemweg offen. Der zum Boden zeigende Mund lässt Flüssigkeit ablaufen, statt sie in die Lunge zu leiten.
Erst der Notruf, dann die Prüfung
Sprich die Person laut an und fass sie an den Schultern. Keine Reaktion? Dann wählst du zuerst den Notruf, 112 europaweit, in Österreich auch die 144, oder du bittest eine Umstehende namentlich darum. Die Reihenfolge steht seit den Reanimationsleitlinien 2025 so herum, weil die Atemkontrolle die Stelle ist, an der Ungeübte am längsten brauchen.
Erst danach prüfst du die Atmung, am besten mit der Leitstelle auf Lautsprecher: Kopf vorsichtig nach hinten neigen, Kinn anheben, sehen, hören, fühlen, höchstens zehn Sekunden lang. Hebt sich der Brustkorb? Hörst du Atemgeräusche?
Atmet die Person normal, folgt die Seitenlage. Atmet sie nicht oder nur schnappend, beginnt stattdessen sofort die Herzdruckmassage.
Die vier Schritte
Knie dich seitlich neben die Person und streck ihre Beine. Dann geht es so weiter, wie es auch im Kurs geübt wird:
- Den nahen Arm der Person rechtwinklig nach oben legen, die Handfläche zeigt nach oben.
- Den fernen Arm am Handgelenk greifen und die Hand der Person mit dem Handrücken an deren nahe Wange legen. Hand dort festhalten.
- Das ferne Bein am Knie greifen, aufstellen und die Person zu sich herüberziehen, bis sie auf der Seite liegt.
- Das oben liegende Bein so ausrichten, dass Hüfte und Knie ungefähr im rechten Winkel liegen. Kopf leicht nach hinten neigen, Mund etwas öffnen, Mund zeigt Richtung Boden.
Klingt nach viel? Der Kern ist simpel: auf die Seite drehen, Kopf überstreckt, Mund tief. Alles andere dient nur der Stabilität.
Der rechte Winkel im vierten Schritt ist kein Formalismus. Er ist die Bremse, die verhindert, dass die Person von allein auf den Bauch weiterrollt.
Danach: dranbleiben, nicht weggehen
Mit der Lagerung ist die Arbeit nicht beendet. Kontrollier die Atmung immer wieder, am besten dauerhaft mit Blick und Gehör. Setzt die normale Atmung aus, dreh die Person auf den Rücken und beginn mit der Wiederbelebung.
Deck die Person zu, wenn etwas Passendes greifbar ist. Bewusstlose kühlen schnell aus. Sprich ruhig mit ihr, auch wenn sie nicht reagiert: Hören funktioniert manchmal länger als gedacht.
Wann ärztliche Hilfe zwingend ist
Jede Bewusstlosigkeit ist ein Notfall und gehört in ärztliche Abklärung, ohne Ausnahme. Das gilt auch, wenn die Person nach kurzer Zeit wieder wach wird und sich gut fühlt. Hinter einer kurzen Ohnmacht können harmlose Ursachen stecken, aber auch behandlungsbedürftige, etwa Herzrhythmusstörungen. Das kann nur eine Untersuchung klären. Beim Notruf bleiben, bis der Rettungsdienst übernimmt.
Wo du das übst
Dieser Artikel ersetzt keinen Erste-Hilfe-Kurs, dort übst du die Handgriffe an echten Menschen. Einen Überblick über alle Beiträge dieser Reihe findest du in der Übersicht Erste Hilfe. Direkt anschließen lohnt sich der Artikel zur Wiederbelebung, denn sie ist der nächste Schritt, wenn die Atmung fehlt. Hilfreich ist auch der Beitrag zum richtigen Absetzen des Notrufs.
