Am Ende steht eine trockene Nase, meist nach zehn bis fünfzehn Minuten. Der Weg dorthin besteht aus zwei Handgriffen: aufrecht hinsetzen und die weichen Nasenflügel fest zusammendrücken. Der Kopf bleibt dabei leicht nach vorn geneigt. Nasenbluten stammt in vielen Fällen aus kleinen Gefäßen im vorderen Teil der Nasenscheidewand. Genau die lassen sich von außen zudrücken.
Was du dafür brauchst
Viel ist es nicht. Ein Stuhl oder eine Sitzgelegenheit, ein paar Taschentücher oder ein Handtuch, dazu eine Schüssel oder ein Waschbecken zum Ausspucken. Praktisch ist ein kalter Waschlappen für den Nacken. Eine Uhr hilft mehr, als viele denken: Zehn Minuten fühlen sich beim Drücken deutlich länger an, als sie sind.
Hilfreich ist außerdem Ruhe im Raum. Wer blutet, ist oft erschrocken, und Aufregung erhöht den Blutdruck. Ein ruhiger Ton und ein klarer Ablauf nehmen viel davon weg. Bei Kindern setzt du dich am besten daneben und übernimmst das Drücken selbst.
Schritt 1: Aufrecht hinsetzen, Oberkörper leicht nach vorn
Setz dich hin, nicht flach hinlegen. Der Kopf soll höher liegen als das Herz, das senkt den Druck in den Nasengefäßen. Beuge den Oberkörper ein Stück nach vorn. Das Blut läuft dann nach außen ab und nicht in den Rachen. Halte ein Tuch darunter.
Schritt 2: Die richtige Stelle greifen
Taste mit zwei Fingern von der Nasenspitze nach oben. Irgendwann wird es hart, dort beginnt der knöcherne Teil. Direkt darunter liegen die weichen Nasenflügel. Genau diese Stelle greifst du mit Daumen und Zeigefinger und drückst beide Seiten fest gegen die Scheidewand.
Schritt 3: Zehn bis fünfzehn Minuten halten, ohne loszulassen
Halte den Druck zehn bis fünfzehn Minuten ununterbrochen durch, bei Kindern reichen zehn. Die Blutgerinnung braucht ungefähr so lange, um eine stabile Abdichtung zu bilden. Jedes kurze Nachschauen zwischendurch reißt diese frische Abdichtung wieder auf, und die Zeit läuft von vorn. Am einfachsten stellst du einen Timer, sonst lösen die Finger sich fast automatisch zu früh.
Schritt 4: Ruhig durch den Mund atmen
Mit zugedrückter Nase bleibt nur der Mund. Atme langsam und gleichmäßig, das beruhigt zusätzlich den Kreislauf. Hektisches Schnappen nach Luft macht die Sache unruhiger, als sie sein muss. Kinder brauchen hier oft jemanden, der neben ihnen sitzt und mitzählt.
Schritt 5: Blut ausspucken statt schlucken
Was hinten in den Rachen läuft, spuckst du in die Schüssel oder ins Waschbecken. Geschlucktes Blut liegt schwer im Magen und kann Übelkeit auslösen. Wer sich danach übergibt, sieht oft eine erschreckende Menge, obwohl der Blutverlust gering war.
Schritt 6: Kalten Umschlag in den Nacken
Leg parallel einen kalten Waschlappen oder ein eingewickeltes Kühlpack in den Nacken. Kälte kann die Gefäße reflektorisch enger stellen. Der Effekt ist eine Unterstützung, kein Ersatz für den Druck. Die Finger bleiben also, wo sie sind.
Schritt 7: Erst nach der Zeit vorsichtig lösen
Lass langsam los und warte kurz ab. Blutet es nicht mehr, ist die Sache erledigt. Läuft weiter Blut, drückst du sofort wieder zu und holst parallel Hilfe: Das Rote Kreuz setzt die Grenze bei zehn bis fünfzehn Minuten und rät dann zum Notruf, 144 in Österreich, 112 europaweit. Der Druck bleibt dabei, bis jemand übernimmt.
Schritt 8: Die Nase in Ruhe lassen
Für mehrere Stunden gilt: nicht schnäuzen, nicht bohren, nichts in die Nase schieben. Verzichte in dieser Zeit auf heiße Getränke, heiße Bäder und schwere körperliche Arbeit. Wärme und Anstrengung weiten die Gefäße. Auch Bücken mit gesenktem Kopf solltest du eine Weile vermeiden.
Häufige Fehler
Drei Muster wiederholen sich fast immer. Der Klassiker ist der Kopf im Nacken, oft aus alter Gewohnheit. Das Blut läuft dann in den Rachen, und niemand sieht mehr, ob die Blutung nachlässt.
Der zweite Fehler ist Watte, die tief in die Nase gestopft wird. Beim Herausziehen geht die frische Abdichtung mit, das Bluten beginnt erneut. Der dritte Fehler ist Ungeduld: Nach zwei Minuten kurz nachsehen, ob es schon aufgehört hat, verlängert die Sache eher.
Wann ärztliche Abklärung nötig ist
Steht die Blutung nach zehn bis fünfzehn Minuten Drücken nicht, ist das kein Fall mehr fürs Abwarten, sondern für den Notruf. Dasselbe gilt bei sehr starker Blutung, wenn trotz vorgebeugtem Kopf weiter Blut in den Rachen läuft, wenn dir schwindelig wird oder die Luft knapp wird. Nach einem Sturz oder einem Schlag auf Nase oder Kopf gehört Nasenbluten grundsätzlich untersucht, ebenso eine sichtbare Verletzung der Nase.
Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte deutlich früher Hilfe holen und nicht lange abwarten. Auch wiederholtes Nasenbluten ohne erkennbaren Anlass ist ein Grund für einen Termin in der Hausarzt- oder HNO-Praxis. Bei starker Blutung mit Kreislaufproblemen wählst du den Notruf.
Kurz gegenprüfen
- Sitze ich aufrecht, Oberkörper leicht nach vorn?
- Drücke ich die weichen Nasenflügel, nicht den harten Nasenrücken?
- Läuft die Zeit, und habe ich seit dem Start nicht losgelassen?
- Atme ich durch den Mund und spucke das Blut aus?
- Liegt etwas Kaltes im Nacken?
- Steckt nichts in der Nase, was später herausgezogen werden muss?
- Trifft einer der Punkte für eine ärztliche Abklärung zu?
Von hier aus weiter
Weitere Handgriffe für den Ernstfall sammelt die Übersicht Erste Hilfe. Wie du Brandwunden in den ersten Minuten versorgst, steht im Beitrag zu Verbrennungen. Und falls es einmal ernster wird, hilft die Anleitung zum Notruf.
