Am Ende dieses Selbsttests weißt du, ob die Linien eines feinen Gitters für jedes Auge einzeln gerade und vollständig erscheinen. Mehr als eine Minute pro Auge brauchst du dafür nicht. Eines vorweg: Der Amsler-Test stellt keine Diagnose. Er kann Auffälligkeiten sichtbar machen, doch was sie bedeuten, beurteilt allein die Augenärztin oder der Augenarzt.
Was du brauchst
Der Test prüft die Makula. So heißt die kleine Stelle in der Netzhautmitte, mit der wir lesen und Gesichter erkennen. Bei der altersabhängigen Makuladegeneration, kurz AMD, kann genau dieser Bereich mit den Jahren Schaden nehmen. Frühe Veränderungen zeigen sich oft zuerst daran, dass gerade Linien wellig oder lückenhaft wirken.
Für die Durchführung reicht wenig Material:
- Ein Amsler-Gitter auf Papier, aus der Augenarztpraxis oder als Druckvorlage
- Deine Lesebrille, falls du eine trägst
- Gleichmäßig helles Licht, etwa am Fenster oder unter der Leselampe
- Eine Handfläche oder eine Abdeckung für das jeweils andere Auge
- Ein Stift, um Auffälligkeiten und das Datum zu notieren
Schritt 1: Gitter bereitlegen und Platz wählen
Lege das Gitter auf den Tisch oder halte es ruhig in der Hand. Wähle einen Platz mit gutem, gleichmäßigem Licht ohne Blendung. Teste möglichst immer unter denselben Bedingungen. Nur so lassen sich Veränderungen von einem Test zum nächsten überhaupt vergleichen.
Schritt 2: Lesebrille aufsetzen
Setze die Brille auf, die du sonst zum Lesen nutzt. Das gilt auch für eine Gleitsichtbrille, dann schaust du durch den unteren Nahbereich. Ohne passende Korrektur wirkt das Gitter insgesamt unscharf, und genau das würde das Ergebnis verfälschen. Der Test soll die Netzhaut prüfen, nicht die Brillenstärke.
Schritt 3: Lesedistanz einnehmen
Halte das Gitter in normalem Leseabstand vor dich, also etwa 30 bis 40 Zentimeter. Das entspricht ungefähr der Haltung beim Lesen eines Buches. Der Abstand muss nicht zentimetergenau stimmen. Er sollte nur bequem sein und bei jedem Durchgang ähnlich bleiben.
Schritt 4: Ein Auge abdecken
Decke ein Auge mit der Handfläche locker ab, ohne es zuzukneifen. Dieser Schritt ist entscheidend. Beide Augen zusammen gleichen kleine Ausfälle gegenseitig aus, und ein beginnender Schaden auf einer Seite bleibt dann unbemerkt. Getestet wird deshalb immer streng einäugig.
Schritt 5: Den Punkt in der Mitte fixieren
Schau mit dem freien Auge direkt auf den Punkt in der Gittermitte. Halte den Blick dort, auch wenn es schwerfällt. Das Auge darf nicht über die Fläche wandern, denn beurteilt wird das Umfeld des Punktes bei ruhigem Blick. Genau dieses Umfeld bildet die Makula ab.
Schritt 6: Auf Wellen, Lücken und graue Stellen achten
Achte darauf, wie die Linien um den Punkt herum aussehen. Sie sollten gerade und durchgehend wirken, wie die Fugen eines ordentlich gefliesten Bades. Verbogene oder wellige Linien nennen Fachleute Metamorphopsien, also Verzerrungen des Gesehenen. Auch verschwommene Zonen, graue Flecken oder fehlende Gitterkästchen gelten als auffällig. Notiere, was du siehst.
Schritt 7: Das zweite Auge testen
Wechsle die Seite und wiederhole den Ablauf mit dem anderen Auge. Nimm dir dafür genauso viel Zeit. Die Augen können sich deutlich unterscheiden, und oft betrifft eine Veränderung zunächst nur eine Seite. Ein einseitiger Befund ist deshalb genauso ernst zu nehmen wie ein beidseitiger.
Schritt 8: Regelmäßig wiederholen
Ein einzelner Durchgang sagt wenig, sein Wert liegt im Vergleich über die Zeit. Wähle einen festen Rhythmus, viele Praxen schlagen einen wöchentlichen Termin vor. Ein wiederkehrender Wochentag hilft dem Gedächtnis. Bewahre deine Notizen auf und bringe sie zum nächsten Augenarzttermin mit.
Häufige Fehler
Der häufigste Fehler ist das Testen mit beiden Augen zugleich, denn so bleiben einseitige Ausfälle unsichtbar. Ähnlich verbreitet: der Verzicht auf die Lesebrille. Ein unscharfes Gitter lässt sich nicht sinnvoll beurteilen.
Auch wechselnde Bedingungen stören, etwa mal Tageslicht und mal Dämmerlicht. Der vierte Fehler betrifft die Deutung. Manche werten ein unauffälliges Gitter als Entwarnung und lassen Vorsorgetermine ausfallen. Das trägt der Test nicht, er ergänzt die Untersuchung nur.
Wann der Weg in die Praxis drängt
Die Grenze lässt sich klar ziehen: Neue Verzerrungen sind ein Fall für die Augenarztpraxis, nicht für weiteres Beobachten. Das gilt ebenso für graue oder leere Stellen, die vorher nicht da waren. Vereinbare dann zeitnah einen Termin und schildere den Befund am Telefon.
Bei einer plötzlichen, deutlichen Sehverschlechterung auf einem Auge gehört die Abklärung noch am selben Tag in ärztliche Hand. Und unabhängig vom Gitter bleibt die regelmäßige Vorsorge wichtig. Frühe Stadien einer AMD verursachen in vielen Fällen keine Beschwerden, die ein Selbsttest erfassen könnte.
Vorher prüfen
- Amsler-Gitter auf Papier liegt bereit
- Gleichmäßig helles Licht ohne Blendung
- Lesebrille oder Gleitsichtbrille aufgesetzt
- Leseabstand von etwa 30 bis 40 Zentimetern
- Ein Auge locker abgedeckt, nicht zugekniffen
- Blick bleibt fest auf dem Punkt in der Mitte
- Beide Augen einzeln getestet
- Datum und Auffälligkeiten notiert
- Fester Rhythmus für die Wiederholung eingeplant
Das passt dazu
Der Amsler-Test ist ein Baustein, die Vorsorge beim Augenarzt bleibt die Basis. Welche Untersuchungen dort dazugehören und in welchem Abstand, liest du im Artikel Sehtest und Augenkontrolle. Warum das Lesen ab Mitte 40 ohnehin schwerer wird, erklärt der Beitrag zur Lesebrille bei Alterssichtigkeit. Alle Themen des Bereichs findest du in der Übersicht Augen und Sehen.
