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Augen & Sehen

Lesebrille ab 40: Alterssichtigkeit verstehen

Ab Mitte 40 rückt Kleingedrucktes in die Ferne. Warum die Linse an Flexibilität verliert und wann eine Lesebrille sinnvoll wird.

Von Aidan Falk AI generiert · Aktualisiert am

Mann haelt im Cafe eine Karte mit ausgestrecktem Arm von sich, die Lesebrille liegt daneben.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Die Szene kennt fast jeder Mensch über 40: Im Restaurant liegt die Speisekarte auf dem Tisch, das Licht ist gedämpft. Die kleinen Buchstaben verschwimmen. Also wandert die Karte ein Stück weiter weg, bis der Arm beinahe durchgestreckt ist. Dann geht es wieder, zumindest halbwegs.

In Leserzuschriften klingt die Frage dann oft so: Meine Arme werden doch nicht kürzer, warum kann ich das Kleingedruckte nicht mehr entziffern? Und heißt das jetzt automatisch Lesebrille? Die Antwort beginnt nicht beim Arm. Sie beginnt bei einer kleinen Linse im Inneren des Auges.

Warum die Linse mit den Jahren an Flexibilität verliert

Hinter dem Phänomen steckt die Presbyopie, auf Deutsch Alterssichtigkeit. Gemeint ist ein normaler Alterungsprozess der Augenlinse, keine Krankheit. Die Linse sitzt hinter der Pupille und stellt das Bild scharf. Beim Blick in die Nähe wölbt sie sich stärker, beim Blick in die Ferne flacht sie ab. Fachleute nennen diese Scharfstellung Akkommodation, also das Umstellen des Auges auf verschiedene Entfernungen.

Man kann sich das wie den Autofokus einer Kamera vorstellen. In jungen Jahren stellt er blitzschnell von fern auf nah um. Mit den Jahren wird dieser Autofokus träge, weil die Linse allmählich an Elastizität verliert. Sie kann sich nicht mehr so stark wölben. Der Nahpunkt rückt darum Stück für Stück weiter weg. Der Nahpunkt ist die kürzeste Entfernung, in der ein Auge noch scharf sieht.

Dieser Prozess läuft bei allen Menschen ab und wird meist zwischen Anfang und Mitte 40 spürbar. Typische erste Anzeichen: Kleingedrucktes braucht mehr Abstand, der Arm wirkt plötzlich zu kurz. Lesen strengt abends mehr an als morgens. Und helles Licht hilft auffallend gut, weil eine enge Pupille die Schärfentiefe erhöht.

Mit der klassischen Weitsichtigkeit ist das übrigens nicht identisch. Weitsichtigkeit beruht meist auf einem etwas zu kurz gebauten Augapfel und kann schon in jungen Jahren bestehen. Die Alterssichtigkeit betrifft dagegen die Linse selbst. Beide können sich überlagern, dann macht sich die Nahschwäche oft früher bemerkbar.

Die Fertiglesebrille ist ein einfacher Einstieg

Fertiglesebrillen gibt es in Drogerien, Supermärkten und beim Optiker. Sie haben in beiden Gläsern dieselbe Stärke und eine Standardzentrierung. Zentrierung bedeutet: Der optische Mittelpunkt des Glases sollte möglichst genau vor der Pupille liegen. Für den ersten Test oder als Zweitbrille neben dem Sofa kann ein solches Modell durchaus genügen.

Die Grenzen liegen in der Bauweise. Viele Menschen sehen auf beiden Augen unterschiedlich, manche haben zusätzlich eine Hornhautverkrümmung. Das ist eine leichte Unebenheit der Hornhaut, die das Bild verzerrt. Eine Fertigbrille gleicht beides nicht aus. Wer damit länger liest und danach über Kopfdruck oder brennende Augen klagt, erlebt häufig genau diese Unschärfe im Detail.

Beim Ausprobieren hilft ein einfacher Test am Regal. Eine Zeitung oder das Handy in gewohnter Lesedistanz halten, etwa eine Armlänge unterhalb der Augenhöhe. Passt die Stärke, wirkt der Text ohne Anstrengung klar. Wirkt er nur ganz nah scharf, ist das Glas eher zu stark gewählt.

Die angepasste Lesebrille rechnet mit jedem Auge einzeln

Beim Optiker oder in der Augenarztpraxis werden beide Augen getrennt gemessen. Die Brille erhält dann für jedes Auge den passenden Wert, bei Bedarf samt Korrektur der Hornhautverkrümmung. Auch der Abstand der Pupillen fließt in die Fertigung ein. Das Ergebnis ist in vielen Fällen ein entspannteres Sehen über längere Lesezeiten.

Die Nahkorrektur bleibt allerdings nicht dauerhaft gleich. Die Linse verliert über die Jahre weiter an Flexibilität, deshalb braucht die Lesebrille erfahrungsgemäß alle paar Jahre etwas mehr Stärke. Ungefähr ab Mitte 60 stabilisiert sich der Prozess in der Regel. Wer schon eine Fernbrille trägt, kann später über Gleitsichtgläser nachdenken. Sie vereinen Fern- und Nahbereich in einem Glas, verlangen aber eine sorgfältige Anpassung.

Wann eine augenärztliche Abklärung sinnvoll ist

Ab Mitte 40 ist ein erster gründlicher Sehtest ohnehin eine gute Idee, auch ohne Beschwerden. Er klärt die tatsächlichen Werte beider Augen und liefert die Grundlage für jede Brillenentscheidung. In der Augenarztpraxis lässt sich zugleich prüfen, ob hinter dem unscharfen Nahsehen wirklich nur die Alterssichtigkeit steckt.

Aufmerksam sollte machen, wenn sich das Sehen rasch verschlechtert oder ein Auge deutlich schwächer wirkt. Auch verzerrte Linien, Doppelbilder oder ein Schleier vor dem Auge gehören zeitnah in ärztliche Abklärung. Solche Zeichen können auf andere Ursachen hinweisen, etwa auf Netzhautveränderungen oder eine beginnende Linsentrübung. Eine Lesebrille aus dem Regal ersetzt diese Untersuchung nicht. Was ein Sehtest beim Optiker leistet und was nur die augenärztliche Kontrolle abdeckt, erklärt der Beitrag Sehtest und Augenkontrolle genauer.

Von hier aus weiter

Alterssichtigkeit ist kein Defekt, sondern der planmäßige Lauf der Dinge im Auge. Mit passender Korrektur lässt sie sich im Alltag gut ausgleichen, vom ersten Drogeriemodell bis zur individuell gefertigten Brille. Wer die Veränderung früh messen lässt, erspart sich viel Rätselraten über die eigenen Werte.

Mehr aus dem Themenbereich findest du in der Übersicht Augen und Sehen. Wenn die Augen vor allem am Schreibtisch schnell ermüden, lohnt außerdem ein Blick in den Beitrag Bildschirmarbeit und Augen.

Häufige Fragen

Ab wann braucht man typischerweise eine Lesebrille?

Die Alterssichtigkeit wird meist zwischen Anfang und Mitte 40 spürbar. Viele Menschen greifen dann zunächst nur beim Lesen zur Brille. Der genaue Zeitpunkt ist individuell und hängt auch von vorbestehenden Sehfehlern ab.

Ist eine Fertiglesebrille schädlich für die Augen?

Nach heutigem Kenntnisstand verdirbt eine Fertigbrille die Augen nicht. Passen Werte oder Zentrierung nicht, kann längeres Lesen aber anstrengen und Kopfschmerzen begünstigen. Für regelmäßiges Lesen ist eine individuell angepasste Brille meist die bessere Wahl.

Lässt sich Alterssichtigkeit durch Augentraining aufhalten?

Dass Training den Elastizitätsverlust der Linse aufhält, ist nicht belegt. Die Veränderung ist ein normaler Alterungsprozess. Eine passende Korrektur gleicht sie aus, rückgängig machen lässt sie sich dadurch nicht.