Der erste Schritt auf Sarakiniko fühlt sich falsch an, als hätte man den Planeten gewechselt. Blendend weißes Vulkangestein wölbt sich in Wellen und Kuppen bis ans Meer, kein Baum, kein Strauch, nur Fels und tiefblaues Wasser. Wind und Salz haben die Küste über Jahrtausende glatt geschliffen. Menschen stehen still am Rand und schauen, viele vergessen das Fotografieren.
Eine Insel aus Feuer
Milos liegt im Südwesten der Kykladen und ist vulkanischen Ursprungs. Das erklärt fast alles, was die Insel besonders macht: die Farben der Klippen, die von Weiß über Ocker bis Rostrot reichen, die heißen Quellen, die Erzminen, die hier lange betrieben wurden. Berühmt ist die Insel auch als Fundort der Venus von Milo, deren Original heute im Louvre steht.
Hauptort ist Plaka, ein weißes Dorf hoch über der großen Bucht, mit einer Kastro-Ruine auf dem Gipfel und weitem Blick zum Sonnenuntergang. Der Hafen Adamas darunter ist der praktische Dreh- und Angelpunkt: Hier legen Fähren an, hier starten die Bootstouren, hier reihen sich Tavernen am Wasser.
Küste wie aus einer anderen Welt
Sarakiniko ist der bekannteste Punkt, aber längst nicht der einzige. Bei Papafragas schneidet ein schmaler Felskanal tief ins Land, mit einem Streifen Sand am Ende. Die Bucht von Firopotamos versammelt weiße Häuser mit bunten Toren um stilles, klares Wasser. Und im Süden liegen Strände wie Tsigrado, zu dem man durch eine Felsspalte hinabklettert.
Der Höhepunkt vieler Reisen ist Kleftiko an der Südwestspitze. Weiße Felsbögen und Tunnel ragen dort aus dem Meer, früher ein Versteck für Piraten, heute ein Ziel für Bootstouren. Kleftiko ist nur vom Wasser aus erreichbar. Die Tagestouren ab Adamas umrunden meist die halbe Insel und halten zum Schwimmen in Höhlen und Buchten.
Klima, Trypiti und die bunten Bootshäuser
Unterhalb von Plaka duckt sich Klima an die Küste, ein ehemaliges Fischerdorf aus zweistöckigen Häusern direkt am Wasser. Unten lagerten die Boote hinter knallbunten Toren, oben wohnten die Familien. Diese Bootsgaragen, Syrmata genannt, gibt es in mehreren Buchten der Insel, in Klima stehen sie am dichtesten.
Gleich oberhalb, beim Dorf Trypiti, liegen in den weichen Tuffstein gegrabene frühchristliche Katakomben, die zu den bedeutendsten Griechenlands zählen. Daneben finden sich Reste eines antiken Theaters. Auf wenigen hundert Metern schichten sich hier Jahrtausende übereinander.
Anreise und beste Zeit
Fähren nach Milos fahren ganzjährig ab Piräus, dazu bestehen saisonale Verbindungen zu anderen Kykladeninseln wie Paros, Naxos und Santorini. Die Insel hat außerdem einen nationalen Flugplatz mit Inlandsflügen ab Athen. Vor Ort empfiehlt sich ein Mietwagen, denn die Küstenpunkte liegen weit verstreut und manche Piste verlangt Geduld.
Ideal sind spätes Frühjahr und früher Herbst. Dann ist es warm genug zum Baden, die Bootstouren fahren, und die berühmten Spots gehören nicht allein den Gruppen des Hochsommers. Bei starkem Meltemi können Touren nach Kleftiko ausfallen, ein Puffertag ist deshalb sinnvoll.
Kostenrahmen
Milos ist bekannter geworden und das merkt man bei den Unterkünften, vor allem im Hochsommer. Insgesamt bleibt die Insel aber günstiger als Santorini oder Mykonos. Der größte Zusatzposten ist die Bootstour nach Kleftiko, die ihr Geld in fast allen Fällen wert ist. Tavernen abseits des Hafens sind angenehm bodenständig.
Weiterlesen
Wie sich Milos mit anderen Inseln vergleichen lässt, zeigt die Übersicht zu den griechischen Inseln. Wer die Insel in eine Route einbauen will, findet die Planungsgrundlagen im Artikel zum Inselhopping auf den Kykladen. Als Kontrastprogramm mit Stränden und Bergdörfern bietet sich der Naxos-Guide an.
