Auf dem Bahnsteig von Riomaggiore steht eine Frau mit Rollkoffer und schaut irritiert auf die Felswand hinter den Gleisen. Kein Taxistand, keine Straße, nur ein Fußgängertunnel, aus dem Stimmen und Espressoduft wehen. Genau so ist es gedacht. Die Cinque Terre sind eine Bahnlandschaft, und wer das einmal akzeptiert hat, reist hier erstaunlich bequem.
Die Linie, die alles verbindet
Das Rückgrat ist die Küstenbahn zwischen La Spezia und Levanto. Regionalzüge halten in allen fünf Dörfern: Riomaggiore, Manarola, Corniglia, Vernazza und Monterosso. Die Strecke verläuft fast durchgehend im Tunnel, zwischen den Portalen blitzt immer wieder kurz das Meer auf. Von Dorf zu Dorf vergehen nur wenige Minuten Fahrzeit.
In der Saison verkehren die Regionalzüge in dichter Folge, teils im Viertelstundentakt. Fernzüge halten dagegen nur in La Spezia Centrale und teilweise in Monterosso oder Levanto. Praktisch heißt das: Fast jede Anreise endet mit einem Umstieg in den Regionalzug.
Anreise aus dem Norden und Süden
Wer mit dem Fernzug aus Richtung Mailand oder Genua kommt, fährt die ligurische Küste entlang und steigt in Levanto oder Monterosso um, je nach Verbindung auch erst in La Spezia. Aus Richtung Rom, Florenz oder Pisa ist La Spezia Centrale der Knoten. Der Umstieg dort ist unkompliziert, die Regionalzüge Richtung Levanto fahren meist von den vorderen Gleisen.
Flugreisende haben zwei naheliegende Flughäfen: Pisa und Genua. Von Pisa aus geht es per Bahn nach La Spezia, von Genua aus entlang der Küste nach Levanto oder Monterosso. Beide Wege dauern grob ein bis zwei Stunden reine Bahnfahrt, abhängig von der Verbindung. Auch Mailand ist als Einstiegspunkt gut machbar, mit entsprechend längerer Zugfahrt.
Dorf-Hopping im Alltag
Das Pendeln zwischen den Dörfern folgt einem einfachen Muster: Wanderetappe hin, Zug zurück. Oder morgens ans eine Ende der Kette fahren und sich tagsüber dorfweise zurückarbeiten. Der Nationalpark bietet eine Karte an, die Wanderwege und Regionalzugfahrten innerhalb der Strecke bündelt, alternativ lassen sich Einzelfahrten lösen. Tickets brauchen vor Fahrtantritt eine Entwertung beziehungsweise gelten zeitgebunden, die Hinweise an den Automaten sind eindeutig.
Zwei Eigenheiten sollte man kennen. Erstens: Die Bahnsteige sind schmal und die Züge im Hochsommer voll, große Koffer machen wenig Freude. Zweitens: In Corniglia liegt der Bahnhof unten am Meer, das Dorf aber hoch oben auf dem Felsen. Dazwischen liegen fast vierhundert Stufen oder die Fahrt mit einem kleinen Pendelbus.
Mit dem Auto: nur bis zum Rand
Die Dörfer selbst sind für den Autoverkehr praktisch gesperrt, Zufahrten enden an kleinen, schnell vollen Parkflächen weit oberhalb der Ortskerne. Die entspannte Lösung: das Auto in La Spezia oder Levanto in ein Parkhaus stellen und auf die Schiene wechseln. Auch als Basis taugen beide Städte gut, mit kurzen Fahrzeiten zu allen fünf Dörfern.
In der Saison ergänzen Ausflugsboote die Bahn. Sie verbinden La Spezia, Portovenere und die Dörfer an der Küste, lassen Corniglia mangels Hafen aber aus. Als Rückweg nach einem Wandertag ist die Bootsperspektive ein schöner Kontrast: Man sieht zum ersten Mal von außen, was man gerade durchquert hat.
Weiterlesen im Cluster
Welches Dorf sich als Basis eignet, klärt der Vergleich der fünf Dörfer. Wann die Bahnsteige leer und die Wege frei sind, verrät der Nebensaison-Plan. Den Einstieg ins Thema liefert die Cluster-Übersicht zu den Cinque Terre.
