Der MSCI World ist kein Produkt, sondern ein Index. Also eine Rechenregel. Sie fasst zusammen, wie sich die Aktienkurse großer und mittelgroßer Unternehmen aus den Industrieländern entwickeln. Kaufen lässt sich diese Zahl nicht, messen schon. Dieser Artikel erklärt nur den Begriff und ist keine Anlageberatung.
Was steckt konkret drin, und was fehlt?
Im Index stecken rund zwei Dutzend Industrieländer und weit über tausend Unternehmen. Aufgenommen werden die großen und die mittelgroßen Börsenwerte jedes dieser Länder. Kleine Firmen bleiben außen vor. Schwellenländer ebenfalls, obwohl dort ein erheblicher Teil der Weltbevölkerung und der Wirtschaftsleistung sitzt.
| Enthalten | Nicht enthalten |
|---|---|
| Große Unternehmen aus Industrieländern | Unternehmen aus Schwellenländern |
| Mittelgroße Unternehmen aus Industrieländern | Kleine Unternehmen, sogenannte Small Caps |
| Ausschließlich Aktien | Anleihen, Immobilien, Rohstoffe |
Der Name verspricht also mehr, als die Rechenregel liefert. „World" meint hier die Börsen der Industrieländer, nicht die ganze Welt.
Die Einteilung in Industrieland und Schwellenland trifft der Indexanbieter nach festen Kriterien: wirtschaftliche Entwicklung, Größe und Handelbarkeit des Aktienmarkts sowie der Zugang für ausländische Anleger. Erfüllt ein Land diese Anforderungen dauerhaft, kann es aufsteigen. Andersherum geht es ebenfalls. Der Index ist keine starre Liste, sondern ein gepflegter Bestand.
Warum ist der Anteil einzelner Länder so ungleich?
Weil nicht Länder gezählt werden, sondern Börsenwerte. Ein Land mit vielen sehr großen börsennotierten Konzernen bekommt automatisch ein hohes Gewicht. Ein Land mit wenigen, kleineren Unternehmen bleibt eine Randnotiz. Einwohnerzahl, Fläche und Wirtschaftsleistung spielen für die Gewichtung keine Rolle.
Das Ergebnis wirkt schief. Es folgt aber sauber der eigenen Regel. Wer im Index einen politischen Weltatlas erwartet, missversteht ihn.
Was bedeutet Marktkapitalisierungsgewichtung?
Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens, also Aktienkurs mal Anzahl der Aktien. Gezählt werden dabei üblicherweise nur die frei handelbaren Anteile, nicht die fest in Familien- oder Staatshand liegenden. Je höher dieser Wert, desto stärker wiegt ein Unternehmen im Index.
Daraus ergeben sich drei Folgen. Erstens verschieben sich die Gewichte mit den Kursen, ganz von selbst. Zweitens stehen immer jene Unternehmen oben, die zuletzt am meisten wert waren. Drittens entscheidet niemand aktiv, welche Aktie wichtiger sein soll. Die Regel rechnet, sie urteilt nicht.
Überprüft wird die Zusammensetzung in festen Abständen. Stark gewachsene Unternehmen rücken nach, andere fallen heraus, etwa nach einer Übernahme oder einem Rückzug von der Börse. Diese Pflege läuft im Hintergrund und ohne Zutun der Anleger. Nach außen ändert sich dabei nur eines: die Liste der Namen.
Wie kommt man als Privatperson überhaupt an einen Index?
Gar nicht, jedenfalls nicht direkt. Ein Index ist eine Zahlenreihe, kein Wertpapier. Wer seine Entwicklung nachvollziehen möchte, braucht ein Produkt, das die Rechenregel nachbaut, üblicherweise einen Indexfonds. Wie solche Fonds aufgebaut sind und woran man sie unterscheidet, erklären die ETF-Grundlagen.
Der Unterschied zwischen Messlatte und Produkt lohnt einen zweiten Blick. Der Index selbst hat keine Gebühren, weil er nur gerechnet wird. Ein Fonds, der ihn nachbaut, hat laufende Kosten und weicht deshalb leicht ab. Diese Abweichung ist üblich und in den Unterlagen jedes Fonds nachlesbar.
Wo liegen die Grenzen der Streuung?
Viele Unternehmen bedeuten nicht automatisch breite Streuung. Dominieren ein einzelnes Land und wenige Branchen die Berechnung, hängt das Gesamtergebnis auffällig stark an ihnen. Dazu kommt der Zuschnitt: ausschließlich Aktien, ausschließlich Industrieländer. Gibt der Aktienmarkt insgesamt nach, gibt der Index mit nach.
Streuung verteilt das Risiko einzelner Pleiten auf viele Schultern. Das allgemeine Marktrisiko verschwindet dadurch nicht. Beides zu kennen, gehört zum Verständnis des Begriffs.
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Wie aus dem Prinzip ein monatlicher Automatismus wird, beschreibt der Artikel Sparplan einrichten. Welche Rolle sichere Konten daneben spielen, klärt der Vergleich Tagesgeld oder Festgeld. Alle Beiträge des Themenbereichs sammelt die Übersicht Sparen und Investieren.
