Kurz gesagt: Der Zinseszins ist der stärkste Verbündete beim Vermögensaufbau, und die meisten unterschätzen ihn. Der Grund liegt in unserem Kopf. Menschen denken linear, der Zinseszins wächst aber exponentiell. Am Anfang passiert scheinbar nichts. Nach Jahrzehnten macht er den Großteil des Vermögens aus.
Was Zinsen eigentlich sind
Zinsen sind der Preis für Geld auf Zeit. Wer sein Geld der Bank überlässt oder es in Anleihen steckt, verzichtet auf die sofortige Nutzung. Dafür gibt es eine Vergütung. Umgekehrt gilt dasselbe: Wer einen Kredit aufnimmt, zahlt Zinsen für geliehenes Geld.
So weit, so einfach. Interessant wird es erst im zweiten Schritt. Was passiert mit den Zinsen, die Sie erhalten?
Der Zinseszins: Zinsen auf Zinsen
Wer die erhaltenen Zinsen wieder anlegt, bekommt im nächsten Jahr Zinsen auf eine größere Summe. Das Kapital wächst dadurch nicht in gleichen Schritten, sondern immer schneller. Ein Rechenbeispiel mit runden Zahlen macht das greifbar.
Angenommen, 10.000 Euro werden mit 5 Prozent pro Jahr verzinst und alle Erträge bleiben investiert:
| Zeitpunkt | Kapital ungefähr | Zuwachs im Zeitraum |
|---|---|---|
| Start | 10.000 Euro | Startkapital |
| Nach 14 Jahren | rund 20.000 Euro | plus 10.000 Euro |
| Nach 28 Jahren | rund 40.000 Euro | plus 20.000 Euro |
| Nach 42 Jahren | rund 80.000 Euro | plus 40.000 Euro |
Die Verdopplung dauert jedes Mal ungefähr gleich lang. Aber der absolute Zuwachs verdoppelt sich mit. Genau das ist der Effekt, den lineares Denken übersieht. Als grobe Faustregel dient die Zahl 72: Teilen Sie 72 durch den Zinssatz, und Sie erhalten die ungefähre Verdopplungszeit in Jahren.
Warum früh anfangen mehr zählt als viel einzahlen
Aus der Tabelle folgt eine unbequeme Wahrheit. Die letzten Jahre einer langen Anlagedauer bringen die größten absoluten Zuwächse. Wer spät anfängt, verpasst genau diese Jahre. Ein früher Start mit kleinen Beträgen schlägt deshalb häufig einen späten Start mit großen Beträgen.
Das entlastet auch psychologisch. Niemand muss auf den perfekten Moment oder das große Gehalt warten. Der wichtigste Beitrag zum Endergebnis ist nicht die Sparrate. Es ist die Zeit, die das Geld arbeiten darf.
Der Gegenspieler: Inflation
Zinsen sind nur die halbe Rechnung. Während das Kapital wächst, steigen auch die Preise. Entscheidend ist deshalb der reale Zins: nominale Rendite minus Inflationsrate. Liegt die Inflation über dem Zins, verliert das Guthaben trotz Zinsgutschrift an Kaufkraft.
Der Haken beim klassischen Sparbuch liegt genau hier. Niedrige Zinsen und laufende Inflation ergeben real oft ein Minus. Der Zinseszins wirkt in beide Richtungen, auch bei der Geldentwertung. Das ist kein Grund zur Panik, aber ein Grund, die eigene Anlage bewusst zu wählen.
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Der Zinseszins entfaltet seine Kraft nur, wenn das Geld langfristig investiert bleibt. Wie das praktisch aussehen kann, zeigt die Übersicht Sparen und Investieren. Wer wissen will, wie breit gestreutes Anlegen funktioniert, findet die Grundlagen im Artikel über ETF und Indexfonds. Und warum die Preissteigerung den Vergleichsmaßstab liefert, erklärt der Beitrag zum Thema Inflation verstehen.
