Mouches volantes, französisch für fliegende Mücken, sind in den meisten Fällen harmlose Glaskörpertrübungen. Das sind winzige Verdichtungen in dem klaren Gel, das den Augapfel von innen ausfüllt. Sie erscheinen als graue Punkte, Fäden oder Schlieren und wandern bei jeder Blickbewegung mit. Vorsicht ist nur geboten, wenn plötzlich Lichtblitze, ein Schwarm dunkler Pünktchen oder ein Schatten im Gesichtsfeld dazukommen: Dann gehört das Auge noch am selben Tag in augenärztliche Kontrolle.
Woher kommen die Punkte und Fäden?
Der Glaskörper besteht zum größten Teil aus Wasser, dazu kommt ein feines Gerüst aus Kollagenfasern. Kollagen ist ein körpereigenes Strukturprotein, das dem Gel Halt gibt. Mit den Jahren verflüssigt sich der Glaskörper allmählich. Die Fasern verklumpen dabei zu kleinen Bündeln und werfen Schatten auf die Netzhaut, also auf die lichtempfindliche Schicht am Augenhintergrund.
Sichtbar werden diese Schatten vor allem vor hellem Hintergrund. Viele Menschen bemerken sie erstmals beim Blick in den Himmel, auf Schnee oder auf ein weißes Dokument am Bildschirm. Das ähnelt Staubkörnchen auf einem Kameraobjektiv: Das Bild bleibt scharf, aber ein paar Flecken schwimmen mit.
Mouches volantes sind keine Krankheit im eigentlichen Sinn. Sie gehören bei vielen Menschen zum normalen Älterwerden des Auges und können über Jahre unverändert bleiben. Kurzsichtige Augen sind oft früher betroffen, weil sich der Glaskörper dort häufig eher verändert.
Wann sind Mouches volantes gefährlich?
Kritisch wird es, wenn sich das Bild plötzlich ändert. Drei Warnzeichen gelten als Notfall: wiederholte Lichtblitze, ein sogenannter Rußregen und ein dunkler Schatten oder Vorhang am Rand des Gesichtsfelds. Rußregen bedeutet, dass auf einen Schlag Dutzende schwarzer Pünktchen auftauchen. Dahinter kann eine kleine Blutung im Auge stecken.
Häufige Ursache solcher Beschwerden ist eine hintere Glaskörperabhebung. Dabei löst sich das Gel altersbedingt von der Netzhaut, was meist folgenlos bleibt. Zieht es dabei jedoch zu stark, kann ein Riss entstehen und daraus eine Netzhautablösung werden. Unbehandelt kann sie das Sehvermögen des Auges ernsthaft bedrohen. Deshalb gilt: Bei Blitzen, Rußregen oder Schatten noch am selben Tag eine Augenarztpraxis oder Augenklinik aufsuchen.
Auch ohne diese Warnzeichen ist eine Abklärung sinnvoll, sobald neue Trübungen auftauchen oder sich bestehende deutlich vermehren. Die Untersuchung ist unkompliziert: Augentropfen erweitern die Pupille, danach wird der Augenhintergrund kontrolliert. Ist die Netzhaut intakt, lässt sich mit den Flecken deutlich entspannter leben.
Gehen Mouches volantes wieder weg?
Die Trübungen lösen sich in der Regel nicht auf. Trotzdem stören sie mit der Zeit meist immer weniger. Viele sinken im Glaskörper langsam ab und rutschen so aus der optischen Achse, also aus dem zentralen Sehbereich. Zusätzlich lernt das Gehirn, die vertrauten Schatten auszublenden. Dieser Gewöhnungseffekt kann Wochen bis Monate dauern.
Eine Behandlung ist deshalb nur selten nötig. Es gibt Eingriffe wie die Vitrektomie, also die operative Entfernung des Glaskörpers. Wegen der möglichen Risiken bleibt sie in vielen Fällen sehr stark belastenden Verläufen vorbehalten. Wen ein Fleck akut irritiert, dem hilft oft schon eine kurze Augenbewegung: Sie wirbelt die Trübung aus der Blicklinie.
Von hier aus weiter
Einen Überblick über das Thema gibt die Clusterseite Augen und Sehen. Wer ohnehin einen Kontrolltermin plant, findet in Sehtest und Augenkontrolle: Wann und wie oft eine gute Orientierung. Und wenn die Augen zusätzlich brennen oder kratzen, lohnt der Blick in Trockene Augen: Ursachen und was dagegen hilft.
