Eine feste Stundenzahl, ab der Bildschirme Kinderaugen schaden, gibt es nicht. Entscheidend ist vielmehr die Kombination aus viel Naharbeit und wenig Tageslicht: Sie wird mit der Entwicklung von Kurzsichtigkeit in Verbindung gebracht. Als Orientierung gelten kurze, altersgerechte Bildschirmphasen mit Pausen, ein Blickabstand von mindestens 30 Zentimetern und rund zwei Stunden Draußenzeit pro Tag.
Warum steht Bildschirmzeit im Verdacht, kurzsichtig zu machen?
Viele Eltern stellen genau diese Frage: Macht das Tablet mein Kind kurzsichtig? Kurzsichtigkeit, medizinisch Myopie, bedeutet, dass ferne Dinge unscharf erscheinen. Der Augapfel ist dabei etwas zu lang gewachsen, sodass das Bild nicht genau auf der Netzhaut entsteht.
Dieses Längenwachstum passiert vor allem im Kindes- und Jugendalter. Anhaltende Naharbeit scheint es zu begünstigen, egal ob am Display oder am Buch. Der Bildschirm selbst sendet also kein schädliches Signal. Er sorgt aber oft für lange Phasen mit sehr kurzem Blickabstand, häufig drinnen und ohne Unterbrechung. Genau diese Mischung wird als Risikofaktor diskutiert.
Panik ist trotzdem nicht angebracht. Kurzsichtigkeit lässt sich gut korrigieren, und Bildschirmzeit ist nur einer von mehreren Einflüssen. Auch die Veranlagung spielt eine Rolle: Sind beide Eltern kurzsichtig, steigt das Risiko des Kindes.
Wie schützt Draußenzeit die Kinderaugen?
Tageslicht gilt als wichtigster bekannter Schutzfaktor. Draußen ist es selbst an trüben Tagen um ein Vielfaches heller als in einem gut beleuchteten Zimmer. Dieses helle Licht scheint das übermäßige Längenwachstum des Auges zu bremsen. Zusätzlich schaut das Kind im Freien automatisch öfter in die Ferne, was die Naheinstellung der Augen entlastet.
Augenärztliche Fachgesellschaften empfehlen deshalb rund zwei Stunden im Freien pro Tag. Das muss kein Sportprogramm sein. Schulweg zu Fuß, Spielplatz, Garten oder Bolzplatz zählen alle mit. Wer diese Zeit im Alltag unterbringt, hat vermutlich mehr für die Augen getan als mit strengem Minutenzählen am Tablet.
Welche Bildschirmzeit passt zu welchem Alter?
Starre Grenzwerte gibt es nicht, wohl aber grobe Orientierungen aus der Kinder- und Jugendmedizin. Für Kinder unter etwa drei Jahren gilt: möglichst gar keine eigene Bildschirmzeit. Im Kindergartenalter reichen kurze Einheiten von etwa einer halben Stunde. Grundschulkinder kommen mit rund einer Stunde Freizeit-Bildschirmzeit gut aus, Ältere entsprechend mehr.
Wichtiger als die exakte Minutenzahl sind drei Gewohnheiten. Erstens Abstand halten: mindestens 30 Zentimeter zwischen Augen und Display, besser mehr. Zweitens Pausen einbauen, etwa alle 20 bis 30 Minuten mit einem Blick in die Ferne. Drittens abends rechtzeitig abschalten, damit der Schlaf nicht leidet. Ein größerer Bildschirm in größerer Entfernung, etwa der Fernseher, ist für die Augen meist günstiger als das Smartphone dicht vor der Nase.
Wann sollte ein Augenarzt die Augen prüfen?
Manche Zeichen sprechen dafür, die Augen untersuchen zu lassen. Dazu gehören Blinzeln oder Zusammenkneifen beim Blick in die Ferne, sehr nahes Herangehen an Fernseher oder Buch, häufige Kopfschmerzen und Probleme beim Lesen der Tafel. Auch Schielen gehört immer in augenärztliche Abklärung, ebenso auffällige Lichtempfindlichkeit.
Sind Eltern oder Geschwister kurzsichtig, sind regelmäßige Kontrollen besonders sinnvoll. Kinder melden Sehprobleme oft nicht von selbst, weil sie unscharfes Sehen für normal halten. Eine Untersuchung schafft Klarheit und kann eine beginnende Kurzsichtigkeit früh erkennen. Dann lässt sich in vielen Fällen gegensteuern, etwa mit mehr Draußenzeit und angepassten Sehgewohnheiten.
Von hier aus weiter
Einen Überblick über den ganzen Themenbereich gibt die Seite Augen und Sehen. Wie Erwachsene ihre Augen am Monitor entlasten, erklärt der Beitrag Bildschirmarbeit: So entlastest du deine Augen. Und wann eine Kontrolle generell ansteht, zeigt der Artikel Sehtest und Augenkontrolle: Wann und wie oft.
