Ein Gerstenkorn heilt in den meisten Fällen innerhalb von etwa ein bis zwei Wochen von selbst ab. Unterstützen lässt sich die Heilung mit trockener Wärme, etwa durch eine Rotlichtlampe bei geschlossenen Augen. Ausdrücken und feuchte Umschläge mit Kamille gelten dagegen als riskant und werden nicht empfohlen.
Medizinisch heißt das Gerstenkorn Hordeolum. Gemeint ist eine akute bakterielle Entzündung einer kleinen Drüse am Augenlid, meist ausgelöst durch Hautkeime. Das Lid schwillt an einer Stelle an, rötet sich und schmerzt bei Berührung. Oft bildet sich ein gelblicher Eiterpunkt. Der öffnet sich in vielen Fällen nach einigen Tagen von allein, danach klingt die Entzündung ab.
Darf man ein Gerstenkorn ausdrücken?
Nein, davon raten Fachleute klar ab. Beim Drücken kann der Eiter ins umliegende Gewebe gelangen, statt nach außen abzufließen. Die Bakterien breiten sich dann unter Umständen im Lid aus. Aus einer kleinen, örtlich begrenzten Entzündung kann so eine größere werden.
Die Grenze lässt sich einfach ziehen: Was von selbst aufgeht, darf aufgehen. Was geschlossen bleibt, bleibt in Ruhe. Auch Reiben, Kratzen oder das Hantieren mit spitzen Gegenständen am Lid verbietet sich. Sinnvoll ist stattdessen gründliche Handhygiene, damit keine weiteren Keime ans Auge gelangen.
Helfen Hausmittel wie Kamille?
Kamillenumschläge gehören zu den bekanntesten Hausmitteln, empfohlen werden sie beim Gerstenkorn aber nicht. Das hat zwei Gründe. Feuchte Wärme weicht die Lidhaut auf und kann so die Ausbreitung der Bakterien begünstigen. Ein feuchtwarmer Umschlag wirkt auf Keime ähnlich wie ein Gewächshaus auf Pflanzen: Er schafft ideale Bedingungen zum Wachsen.
Dazu kommt, dass Kamille am Auge Reizungen und allergische Reaktionen auslösen kann. Die Bindehaut reagiert empfindlicher als normale Haut. Wer etwas tun möchte, greift besser zu trockener Wärme. Bewährt hat sich Rotlicht, mehrmals täglich für einige Minuten bei geschlossenen Augen und mit ausreichend Abstand zur Lampe. Die Wärme kann die Reifung fördern, sodass sich das Gerstenkorn früher öffnet.
Wie lange dauert es, bis ein Gerstenkorn weg ist?
Meist ist der Spuk nach etwa einer Woche vorbei, manchmal dauert es auch zwei. Der typische Verlauf: Die Schwellung nimmt einige Tage zu, der Eiterpunkt öffnet sich, danach gehen Schmerz und Rötung zurück. Kontaktlinsen bleiben in dieser Zeit besser im Schrank, Augen-Make-up ebenfalls. Beides kann das entzündete Lid zusätzlich reizen.
Bleibt nach der Entzündung ein derbes, schmerzloses Knötchen zurück, kann es sich um ein Hagelkorn handeln. So nennt man einen gestauten Drüsensekret-Knoten ohne akute Infektion. Auch das lässt sich ärztlich gut abklären.
Wann sollte man zum Arzt gehen?
Ein einzelnes Gerstenkorn ist in der Regel harmlos. Ärztliche Abklärung ist sinnvoll, wenn die Rötung über das Lid hinaus wandert, etwa Richtung Wange oder Schläfe. Gleiches gilt, wenn das ganze Lid stark anschwillt, Fieber dazukommt oder die Schmerzen deutlich zunehmen.
Auch ohne Alarmzeichen gilt: Bessert sich das Gerstenkorn nach etwa einer Woche nicht oder kehrt es immer wieder zurück, gehört es in augenärztliche Hände. Bei Kindern, bei geschwächtem Immunsystem und bei Diabetes ist der Weg in die Praxis eher früher als später ratsam. Sehstörungen sind ebenfalls ein Grund für einen zeitnahen Termin.
Von hier aus weiter
Mehr rund um gesunde Augen findest du in der Übersicht Augen und Sehen. Wer häufig gereizte Lider hat, liest am besten weiter bei den Tipps gegen trockene Augen. Und wenn das Lid nicht schmerzt, sondern flattert, erklärt der Artikel zum Augenzucken die häufigsten Ursachen.
