Wer nachts beim Autofahren schlechter sieht und sich stärker geblendet fühlt, hat in den meisten Fällen keine Augenkrankheit. Dahinter steckt meist eine normale Alterserscheinung: Die Augenlinse streut mit den Jahren mehr Licht, und die im Dunkeln weite Pupille macht kleine, unkorrigierte Sehfehler spürbar. Ernste Ursachen sind selten, lassen sich aber nur durch eine augenärztliche Untersuchung sicher ausschließen.
Warum blenden Gegenlichter stärker als früher?
Der wichtigste Grund heißt Streulicht. Damit ist Licht gemeint, das im Auge nicht sauber gebündelt wird, sondern sich diffus verteilt. Die Wirkung kennt jeder von einer leicht verschmutzten Windschutzscheibe: Tagsüber fällt sie kaum auf, im Gegenlicht legt sie einen hellen Schleier über alles.
Mit zunehmendem Alter verliert die Augenlinse langsam an Klarheit. Bei manchen Menschen beginnt sie sich ab dem mittleren Lebensalter allmählich einzutrüben. Fachleute sprechen dann von einer beginnenden Linsentrübung, im Alltag als Grauer Star bekannt. Das entwickelt sich in vielen Fällen über Jahre und macht sich zuerst genau dort bemerkbar: bei Scheinwerfern im Dunkeln.
Dazu kommt die weite Pupille. Nachts öffnet sie sich stark, damit mehr Licht ins Auge fällt. Dadurch gelangen auch mehr Randstrahlen hinein, das Bild wird etwas unschärfer. Eine vorhandene, aber nicht voll korrigierte Fehlsichtigkeit fällt deshalb im Dunkeln deutlich stärker auf als am Tag. Kratzer auf Brille oder Frontscheibe verstärken den Effekt zusätzlich.
Hilft eine Nachtfahrbrille gegen die Blendung?
Ein Nutzen ist nicht belegt. Nachtfahrbrillen haben meist gelb getönte Gläser, die das Bild subjektiv heller und kontrastreicher wirken lassen. In Untersuchungen verringerten solche Gläser die Blendung jedoch nicht, und auch das Erkennen von Hindernissen verbesserte sich nicht messbar.
Es gibt sogar einen Einwand: Jede Tönung schluckt einen Teil des Lichts. Genau das Licht, das nachts ohnehin knapp ist. Sinnvoller sind eine Brille mit aktuellen Werten und guter Entspiegelung, saubere Gläser und eine saubere Windschutzscheibe innen wie außen. Das klingt unspektakulär, reduziert das Streulicht aber spürbar.
Wann sollte ich zum Augenarzt?
Eine klare Grenze lässt sich ziehen: Nimmt die Blendung über Monate erkennbar zu oder fühlt sich das Nachtfahren zunehmend unsicher an, gehört das in augenärztliche Abklärung. Das ist kein Notfall, aber ein guter Anlass für einen Termin.
Weitere Anlässe sind Doppelkonturen um Lichter, ausgeprägte Lichthöfe rund um Lampen oder eine rasche Verschlechterung innerhalb weniger Wochen. In der Praxis lassen sich Dämmerungssehen und Kontrastempfinden gezielt messen. So zeigt sich, ob eine angepasste Brille reicht oder ob die Linse genauer untersucht werden sollte. Ab dem mittleren Lebensalter sind regelmäßige Kontrollen ohnehin sinnvoll, auch ohne Beschwerden.
Von hier aus weiter
Wie oft eine Kontrolle sinnvoll ist und was Optiker und Augenarzt jeweils leisten, steht im Beitrag Sehtest und Augenkontrolle: Wann und wie oft. Wer sich für getönte Gläser mit Gesundheitsversprechen interessiert, findet im Artikel Blaulichtfilter-Brillen im Mythen-Check eine ähnliche Studienlage. Alle Beiträge des Themenbereichs sammelt die Übersicht Augen und Sehen.
