Viele Menschen haben grünen Tee genau einmal probiert. Der Beutel hing fünf Minuten in kochendem Wasser, das Ergebnis schmeckte wie flüssiges Heu mit Bitterstoffen, und das Thema war erledigt. Schade, denn richtig zubereitet ist grüner Tee ein weiches, fast süßliches Getränk mit Noten von frischem Gras, Spinat und gerösteten Nüssen. Der Weg dorthin ist kurz.
Der eine Fehler, der alles entscheidet
Grüner Tee wird nach der Ernte erhitzt, damit er nicht oxidiert. Seine Blätter bleiben dadurch reich an Aminosäuren, die Süße und Tiefe bringen, aber auch an Catechinen, die bitter schmecken. Kochendes Wasser löst die Bitterstoffe im Eiltempo und überrollt alles andere.
Die Lösung: Wasser aufkochen, dann abkühlen lassen. Bei 70 bis 80 Grad lösen sich die süßen und herzhaften Komponenten zuerst, die Bitterkeit bleibt im Hintergrund. Als Faustregel ohne Thermometer: nach dem Kochen vier bis fünf Minuten warten, Deckel offen. Oder das heiße Wasser einmal in ein kaltes Gefäß umgießen, jeder Umguss kostet grob 10 Grad.
Kurz ziehen, früher trennen
Der zweite Hebel ist die Zeit. Für einen Sencha reichen 60 bis 90 Sekunden, mehr als zwei Minuten braucht kaum ein grüner Tee. Wichtig ist, Blätter und Wasser danach vollständig zu trennen. Ein Sieb, das in der Kanne hängen bleibt, zieht weiter und kippt den zweiten Becher ins Herbe.
Dosieren Sie dabei nicht zu zaghaft. Ein gehäufter Teelöffel auf 200 Milliliter ist ein guter Start. Zu wenig Blatt bei langer Ziehzeit ergibt dünnen, bitteren Tee. Mehr Blatt bei kurzer Ziehzeit ergibt einen vollen, runden Aufguss. Das klingt paradox, funktioniert aber zuverlässig.
Drei Sorten für den Anfang
Für die ersten Wochen genügen drei Kandidaten, alle gut erhältlich:
| Sorte | Herkunft | Charakter |
|---|---|---|
| Sencha | Japan | frisch, grasig, leicht süß |
| Long Jing | China | nussig, weich, dezent röstig |
| Genmaicha | Japan | mild, mit Röstaroma von Puffreis |
Genmaicha ist der sanfteste Einstieg. Der geröstete Reis bringt eine warme, getreidige Note mit, die auch kleine Zubereitungsfehler verzeiht. Long Jing, in der Pfanne geröstet, schmeckt runder und nussiger als japanische Tees. Sencha zeigt am klarsten, was grünen Tee ausmacht: diese Mischung aus Frische und pflanzlicher Tiefe.
Kaufen Sie losen Tee statt Beutelware. Die Blätter sind meist ganzer, das Aroma deutlich präsenter, und Sie sehen, was Sie aufgießen.
Der zweite Aufguss ist ein Geschenk
Guter grüner Tee ist nach dem ersten Aufguss nicht verbraucht. Gießen Sie dieselben Blätter ein zweites Mal auf, etwas heißer oder etwas länger als beim ersten Mal. Der zweite Aufguss schmeckt anders, oft runder und milder, weil die Blätter bereits geöffnet sind. Ein dritter lohnt bei hochwertigen Sorten ebenfalls. So relativiert sich auch der Preis pro Tasse.
Weiter geht es im Tee-Bereich
Wenn der Einstieg gelungen ist, lohnt der Blick über den Tellerrand: Der Überblick über alle Teesorten ordnet grünen Tee zwischen Weißtee, Oolong und Schwarztee ein. Exakte Temperaturen und Zeiten für jede Sorte liefert die Anleitung zum richtigen Aufbrühen. Alle Beiträge des Themas sammelt die Tee-Übersicht.
