Teeblätter sind kleine Schwämme. Sie ziehen Feuchtigkeit aus der Luft, nehmen den Geruch von Kaffee, Curry und Spülmittel an und verlieren unter Licht und Wärme ihre flüchtigen Aromastoffe. Ein teurer Sencha, der offen neben dem Gewürzregal steht, schmeckt nach wenigen Wochen wie eine Ahnung seiner selbst. Dabei ist gute Lagerung simpel und kostet fast nichts.
Die vier Feinde des Aromas
Vier Faktoren bauen Tee ab: Luft, Licht, Wärme und Feuchtigkeit. Sauerstoff oxidiert die Aromastoffe, Licht beschleunigt den Prozess und bleicht die Blätter aus. Wärme wirkt wie ein Katalysator für beides. Feuchtigkeit ist der gefährlichste Gegner, denn feucht gewordener Tee wird muffig und kann im schlimmsten Fall schimmeln.
Dazu kommt ein fünfter, oft unterschätzter Feind: Fremdgerüche. Tee nimmt sie bereitwillig an. Genau diese Eigenschaft nutzt man bei Jasmintee gezielt aus, dort werden die Blätter mit frischen Blüten beduftet. Neben der Kaffeedose passiert dasselbe, nur unbeabsichtigt und deutlich weniger erfreulich.
Die richtige Dose
Ideal ist ein Behälter, der dicht schließt und kein Licht durchlässt. Eine Metalldose mit Stülpdeckel oder Aromadeckel erfüllt beide Bedingungen und ist der Standard aus gutem Grund. Keramikdosen mit Dichtung funktionieren ebenso.
Weniger geeignet sind Schraubgläser am offenen Regal, denn Glas lässt Licht durch. Wer Gläser mag, stellt sie in den geschlossenen Schrank. Die Originaltüte mit Zipverschluss ist in Ordnung, solange sie blickdicht ist und die Luft vor dem Verschließen herausgestrichen wird. Wichtig bei allen Behältern: pro Tee eine eigene Dose, sonst vermischen sich die Aromen. Eine Dose, in der vorher Earl Grey lag, parfümiert jeden Nachfolger mit Bergamotte.
Der richtige Ort
Kühl, dunkel und trocken, so lautet die Kurzformel. Ein Küchenschrank mit Abstand zu Herd, Backofen und Spüle passt gut. Ungeeignet sind das Regal über der Kaffeemaschine, die Fensterbank und der Platz direkt neben dem Gewürzkarussell.
Der Kühlschrank scheint verlockend, ist aber für den Alltag eine Falle. Jedes Öffnen lässt warme Raumluft an die kalten Blätter, die Feuchtigkeit kondensiert direkt auf dem Tee. Zudem riecht es im Kühlschrank selten neutral. Nur für größere Vorräte an sehr frischem Grüntee lohnt die Kälte, dann aber luftdicht verpackt, portionsweise und vor dem Öffnen komplett auf Raumtemperatur gebracht.
Wie lange hält welcher Tee
Eine grobe Orientierung für gut verschlossene, dunkle Lagerung:
| Sorte | Bestes Aromafenster |
|---|---|
| Grüner und weißer Tee | 6 bis 12 Monate |
| Oolong | 1 bis 2 Jahre |
| Schwarztee | 2 bis 3 Jahre |
| Kräuter- und Früchtetee | 1 bis 2 Jahre |
| Pu-Erh | reift, wird mit Jahren besser |
Kaufen Sie deshalb lieber kleinere Mengen und öfter nach, besonders bei grünem Tee. Hundert Gramm ergeben je nach Dosierung 30 bis 50 Tassen, das reicht für einige Wochen täglichen Genuss.
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Ob sich die Sorgfalt gelohnt hat, schmecken Sie in der Tasse. Wie der perfekte Aufguss gelingt, steht in der Anleitung zum richtigen Aufbrühen. Welche Sorte überhaupt in Ihre Dose wandern soll, klärt der Überblick über die Teesorten. Alle Beiträge des Themenbereichs finden Sie in der Tee-Übersicht.
