Samstagmorgen auf der Baščaršija. Aus einer Werkstatt in der Kupferschmiedegasse klingt Hämmern auf Metall, davor stapeln sich Kannen und Teller, die in der Sonne glänzen. Vom Sebilj, dem hölzernen Brunnen mitten auf dem Platz, flattern Tauben auf. Irgendwo röstet jemand Kaffee, und über allem liegt der Rauchgeruch der Grillstuben, in denen schon vormittags Ćevapi brutzeln.
Zwei Tage hast du für diese Stadt, vielleicht zweieinhalb. Und Sarajevo macht es einem nicht leicht: osmanischer Basar, Bauten aus der österreichisch-ungarischen Zeit, Bergpanorama, dazu eine Geschichte, die bis in die Gegenwart reicht. Wo fängt man an, was lässt man weg? Genau darum geht es hier.
Warum Sarajevo auf ein Wochenende passt
Die Antwort liegt im Stadtplan. Das historische Zentrum zieht sich als schmales Band am Fluss Miljacka entlang, und fast alles Sehenswerte liegt darin fußläufig beieinander. Innerhalb weniger hundert Meter stehen die Gazi-Husrev-Beg-Moschee, die katholische Herz-Jesu-Kathedrale, eine große orthodoxe Kirche und die Alte Synagoge, die heute das jüdische Museum beherbergt.
Diese Nähe ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Jahrhunderten, in denen Händler und Glaubensgemeinschaften nebeneinander lebten. Man spürt sie beim Gehen: Eben noch Basargassen mit niedrigen Holzläden, ein paar Schritte weiter breite Fassaden im Wiener Stil. Der Übergang ist so abrupt, dass er im Pflaster markiert ist, als Treffpunkt der Kulturen.
Der erste Tag gehört dem Basarviertel
Die Baščaršija erkundest du am besten ohne Plan. Lass dich durch die Gassen treiben, schau den Kupferschmieden zu, wirf einen Blick in den Innenhof der Gazi-Husrev-Beg-Moschee mit seinem Brunnen. Der Basar ist kein Museum, hier wird verkauft, gefeilscht, gegessen. Mittags führt kaum ein Weg an Ćevapi im Fladenbrot vorbei, mit rohen Zwiebeln und Kajmak.
Danach: Kaffee. Bosnischer Kaffee kommt in der Džezva an den Tisch, einem kleinen Kupferkännchen, dazu ein Schälchen, ein Glas Wasser, ein Zuckerwürfel, oft ein Stück Lokum. Du wartest, bis sich der Satz gesetzt hat, und gießt dann vorsichtig ein. Das ist kein Getränk zum Mitnehmen, sondern eine halbe Stunde Sitzen und Schauen. Vielleicht die beste halbe Stunde des Tages.
Am Abend lohnt der kurze Weg ans Ufer der Miljacka. Dort steht die Vijećnica, das frühere Rathaus mit seiner maurisch inspirierten Fassade, die abends angestrahlt wird. Ein Stück flussaufwärts überspannt die Lateinerbrücke den Fluss, ein unscheinbarer Steinbogen. An ihrem Nordende fielen die Schüsse auf den österreichischen Thronfolger, die den Ersten Weltkrieg auslösten. Weltgeschichte an einer Straßenecke, während nebenan die Straßenbahn quietscht.
Zwei Aussichten, zwei Geschwindigkeiten
Für den Überblick steigst du am späten Nachmittag zur Gelben Bastion auf, einer alten osmanischen Befestigung über dem Basarviertel. Der Fußweg dauert vom Sebilj eine gute Viertelstunde, stetig bergauf durch Wohngassen. Oben sitzen Einheimische und Reisende gemischt auf der Mauer, unten breitet sich die Stadt im Talkessel aus, und zur Dämmerung rufen die Muezzine aus Dutzenden Minaretten zeitversetzt gegeneinander an.
Am zweiten Tag nimmst du die Seilbahn auf den Trebević, den Hausberg im Südosten. Die Gondeln starten nahe der Altstadt und schweben in wenigen Minuten über die Dächer hinauf in den Wald. Oben ist die Luft spürbar kühler, Wanderwege führen durch Kiefern, und die alte Bobbahn der Olympischen Winterspiele liegt bunt besprüht zwischen den Bäumen. Der Kontrast zum Gewimmel des Basars könnte kaum größer sein.
Die jüngere Geschichte gehört dazu
Sarajevo war in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts jahrelang belagert, und die Stadt geht offen damit um. Du musst daraus keinen Programmpunkt-Marathon machen. Ein einziger Museumsbesuch, bewusst gewählt, gibt dem Stadtbild Tiefe: Es gibt Häuser zur Belagerung selbst, darunter der Tunnel unter dem Flughafen, ein Museum über Kindheiten im Krieg und eine Galerie, die an Srebrenica erinnert.
Nimm dir danach Zeit zum Verarbeiten, am besten bei einem Spaziergang am Fluss. Achte unterwegs auf die Fassaden mit Einschusslöchern und auf rot ausgegossene Granatspuren im Asphalt, die Sarajevo-Rosen genannt werden. Wer so durch die Straßen geht, sieht dieselbe Stadt wie am Vortag, nur mit anderen Augen.
Wo das Wochenende an Grenzen stößt
Zwei Tage reichen für das Zentrum, nicht für das Umland. Tagesausflüge nach Mostar oder in die Berge kosten jeweils einen vollen Tag und quetschen den Stadtbesuch zusammen. Plane sie nur ein, wenn du drei Nächte bleibst. Im Winter hängt zudem an manchen Tagen dichter Dunst im Talkessel, dann fällt die Fernsicht von Bastion und Trebević buchstäblich ins Wasser.
Auch die Anreise will bedacht sein. Sarajevo liegt im Landesinneren, Fahrten von der kroatischen Küste ziehen sich über Passstraßen. Was du zu Grenze, Währung und Maut wissen solltest, steht gebündelt im Beitrag über praktische Fragen in Bosnien.
Von hier aus weiter
Wenn dich das Land über die Hauptstadt hinaus reizt, findest du in der Übersicht zu Bosnien-Herzegowina alle Beiträge des Clusters. Naturmenschen lesen weiter beim Una-Nationalpark im Nordwesten, wo die Una über breite Kalkstufen fällt. Und wer gerade Appetit auf Städte hat, findet im Ressort Städtereisen Ziele für die nächsten Wochenenden.
