Der Biomüllbeutel unter der Spüle riecht am dritten Tag süßlich. Der Weg zur Tonne führt drei Stockwerke tiefer, und der Inhalt besteht fast nur aus Kaffeesatz, Möhrenschalen und Salatstrünken. Spätestens an dieser Stelle kommt die Frage auf, ob Kompost in einer Wohnung überhaupt geht. Er geht. Auf zwei grundverschiedene Arten.
Die Wahl hängt weniger am Platz als an zwei anderen Punkten: was in deiner Küche anfällt und wie verlässlich du dich kümmerst. Eine Wurmkiste ist ein kleiner Tierbestand mit Ansprüchen an Temperatur und Futtermenge. Ein Bokashi-Eimer dagegen ist nur ein Zwischenschritt. Er liefert keine fertige Erde, sondern Material, das noch irgendwo hinein muss. Wer weder Kübel noch Beet noch Kompost hat, sitzt nach vier Wochen auf einem vollen Eimer.
Option A: die Wurmkiste
In der Kiste arbeiten Kompostwürmer. Sie fressen sich durch Küchenreste und zerkleinerten Karton und hinterlassen krümeligen Wurmhumus, dazu eine dunkle Flüssigkeit, die sich stark verdünnt als Dünger nutzen lässt. Das ist echte Kompostierung im Kleinformat. Eine gut laufende Kiste riecht nach Waldboden nach Regen, nicht nach Abfall.
Dafür braucht sie ein Temperaturfenster. Zwischen etwa 15 und 25 Grad läuft der Betrieb rund. Deutlich darunter werden die Tiere träge, ab rund 30 Grad leiden sie, und ein Sommertag auf dem Südbalkon kann eine ganze Kiste kosten. Ein schattiger, gleichmäßig temperierter Platz in der Wohnung ist meist die sicherste Lösung.
Der zweite Punkt ist die Menge. Was du hineingibst, sollte binnen ein bis zwei Wochen verschwinden. Bleibt es liegen, war es zu viel, und die Kiste kippt: Sie wird nass, sauer, riecht faulig, und die Fruchtfliegen kommen dazu. Gekochtes, Fleisch, viel Zwiebel und viel Zitrusschale gehören nicht hinein.
- Pro: liefert am Ende fertigen Wurmhumus, den du direkt in Töpfe geben kannst
- Pro: der Flüssigdünger fällt nebenbei an, ohne zusätzlichen Aufwand
- Pro: bleibt geruchsarm, solange Futtermenge und Feuchte stimmen
- Contra: gebunden an ein enges Temperaturfenster, Hitze ist tödlich
- Contra: verträgt keine Überfütterung und keine gekochten Reste
- Contra: Tiere im Haushalt bedeuten Verantwortung, auch über Wochen hinweg
Option B: der Bokashi-Eimer
Hier verrottet nichts, hier säuert etwas an. Die Abfälle kommen schichtweise in einen luftdichten Eimer, jede Lage wird mit einer Streu aus Mikroorganismen bestäubt und fest angedrückt, damit möglichst wenig Luft bleibt. Danach schließt der Deckel. Der Prozess läuft ohne Sauerstoff ab, ähnlich wie beim Sauerkraut, und genau so riecht das Ergebnis auch: sauer, ein bisschen nach Apfelessig.
Ein voller Eimer ruht anschließend rund zwei Wochen. Währenddessen lässt du alle paar Tage die Flüssigkeit am Hahn ab, stark verdünnt taugt sie als Dünger. Was danach herauskommt, ist keine Erde. Die Möhrenscheiben sind noch als Möhrenscheiben erkennbar. Erst untergemischt in Erde, etwa zwanzig Zentimeter tief, zersetzt sich das Ferment in einigen Wochen weiter.
Dafür ist der Eimer wenig wählerisch. Gekochte Speisereste nimmt er an, kleine Mengen Fleisch oder Fisch ebenfalls. Große Mengen Zitrusschalen oder Zwiebelhäute bremsen die Mikroorganismen allerdings aus.
- Pro: nimmt fast alle Küchenabfälle an, auch Gekochtes
- Pro: geschlossener Deckel heißt kaum Geruch in der Küche
- Pro: braucht keine Betreuung im engeren Sinn, ein voller Eimer wartet geduldig
- Contra: liefert kein fertiges Substrat, sondern eine Zwischenstufe
- Contra: ohne Erde zum Einarbeiten läuft das System irgendwann tot
- Contra: du brauchst zwei Eimer im Wechsel und laufend Streu
Der direkte Vergleich
| Kriterium | Wurmkiste | Bokashi-Eimer |
|---|---|---|
| Platzbedarf | Möbelstück, dauerhaft am selben schattigen Ort | zwei kleine Eimer im Wechsel, auch im Schrank |
| Betreuungsaufwand | regelmäßig füttern, Feuchte prüfen, ein- bis dreimal im Jahr ernten | einstreuen, andrücken, Flüssigkeit ablassen |
| Geruchsrisiko | gering bei Maßhalten, faulig nach Überfütterung | gering bei geschlossenem Deckel, säuerlich beim Öffnen |
| Endprodukt | fertiger Wurmhumus plus Flüssigdünger | Ferment, das erst in Erde nachreifen muss |
| Eignung bei Urlaub | ein bis zwei Wochen unkritisch, danach schaut besser jemand vorbei | beliebig lange, der Eimer steht einfach da |
| Abfallarten | rohe Pflanzenreste, Kaffeesatz, Karton | fast alles, auch Gekochtes und wenig Fleisch |
Wann welche Wahl passt
Nimm die Wurmkiste, wenn überwiegend rohe Pflanzenreste anfallen, du einen gleichmäßig temperierten Platz frei hast und am Ende Erde willst, ohne einen Garten zu besitzen. Sie lohnt sich vor allem für Haushalte mit vielen Topfpflanzen: Der Humus wandert direkt dorthin zurück, wo er gebraucht wird.
Nimm den Bokashi-Eimer, wenn Speisereste einen großen Teil deines Abfalls ausmachen, du oft und lange unterwegs bist oder niemand im Haushalt Lust auf Tiere hat. Voraussetzung bleibt eine Stelle zum Einarbeiten: Balkonkübel, die du im Wechsel ruhen lässt, ein Hochbeet oder ein Gemeinschaftskompost im Hof.
Bei der Abfallmenge entscheidet die Küche. Wer täglich frisch kocht, füllt Eimer schnell und stößt bei der Wurmkiste rasch an die Fütterungsgrenze. Wer wenig, aber regelmäßig Rohes produziert, hält Würmer mühelos bei Laune.
Vom Eimer zum Gartenhaufen
Beide Systeme ersetzen keinen Kompost im Freien, sie ergänzen ihn. Wie ein Haufen im Garten aufgebaut wird und wann die erste reife Erde herauskommt, steht in Kompost anlegen. Alle weiteren Themen rund um Humus, Bodenart und Mulch sammelt die Übersicht Kompost & Boden.
