Am Cabo da Roca drückt der Wind so kräftig gegen die Autotür, dass du sie mit beiden Händen aufhalten musst. Unten schlägt der Atlantik gegen die Klippen, hundert Meter tiefer, und die Gischt steigt als feiner Nebel auf. Ein Steinkreuz markiert den westlichsten Punkt des europäischen Festlands. Dahinter kommt lange nichts, nur Wasser. Portugals Westküste fährt sich genau so, wie sich dieser Ort anfühlt: rau, weit und erstaunlich leer.
Der Charakter der Strecke
Diese Route ist keine Mittelmeeridylle. Der Atlantik bestimmt alles: die Temperatur, das Licht, den Geruch. Morgens hängt oft Nebel über der Küste, mittags reißt er auf, abends färbt die tiefstehende Sonne die Klippen orange. Das Wasser bleibt kühl, die Wellen sind kraftvoll, der Wind ist ein ständiger Begleiter.
Gefahren wird selten direkt am Wasser. Die Hauptstraßen verlaufen meist ein Stück im Landesinneren, und du biegst immer wieder auf Stichstraßen zu Stränden und Aussichtspunkten ab. Genau dieser Rhythmus macht den Reiz aus: Landstraße, Abzweig, Klippe, Staunen, zurück, weiter.
Etappenvorschlag von Nord nach Süd
Eine bewährte Aufteilung für zehn bis vierzehn Tage:
| Etappe | Strecke | Empfohlene Dauer |
|---|---|---|
| 1 | Porto und Umgebung | 2 Tage |
| 2 | Porto über Aveiro nach Coimbra | 1 bis 2 Tage |
| 3 | Coimbra über Nazaré nach Peniche | 2 Tage |
| 4 | Peniche über Ericeira und Sintra nach Lissabon | 2 bis 3 Tage |
| 5 | Lissabon durch den Alentejo nach Vila Nova de Milfontes | 2 Tage |
| 6 | Milfontes über Odeceixe nach Sagres und an die Algarve | 2 bis 3 Tage |
Porto verdient den ruhigen Auftakt: Portweinkeller am Flussufer, gekachelte Fassaden, enge Gassen, die steil zum Douro abfallen. Ab Lissabon wird die Küste einsamer. Der Alentejo und die Costa Vicentina im Südwesten gehören zu den unverbautesten Küstenabschnitten Westeuropas, mit Wanderwegen auf den Klippen und Störchen, die auf Felsnadeln nisten.
Surforte am Weg
Die Westküste ist eine der besten Surfregionen Europas, und die Orte dazu haben jeweils ein eigenes Gesicht. Nazaré ist berühmt für seine Riesenwellen im Winter, die vom Leuchtturm auf der Landzunge aus zu sehen sind. Peniche liefert konstante Bedingungen für alle Könnensstufen und hat sich seinen Charakter als Fischereihafen bewahrt.
Ericeira ist als Weltsurfreservat ausgezeichnet und verbindet Surfkultur mit einem hübschen weißblauen Ortskern. Weiter südlich locken Arrifana und Sagres mit Surfschulen in wilder Klippenlandschaft. Auch ohne Brett lohnen diese Orte: Kaum irgendwo lässt sich der Atlantik besser beobachten als mit einem Kaffee über einer Surfbucht.
Jahreszeiten und Wetter
Frühling und Herbst sind die verlässlichsten Reisezeiten. Die Temperaturen liegen dann meist angenehm zwischen 18 und 25 Grad, die Küstenorte sind wach, aber nicht überlaufen. Im Hochsommer weht an der Westküste oft die Nortada, ein kräftiger Nordwind, der die Hitze mildert und die Strände am Nachmittag ungemütlich machen kann.
Der Winter zeigt die Küste in ihrer dramatischsten Form, mit gewaltiger Brandung und grünen Hügeln. Viele Unterkünfte bleiben geöffnet, die Preise sinken. Dafür brauchst du Toleranz für Regentage, besonders nördlich von Lissabon.
Praktisches zur Anreise und Rückgabe
Die Route funktioniert in beide Richtungen, klassisch ist Nord nach Süd mit Flug nach Porto und Rückflug ab Faro. Mietwagen mit Einwegmiete innerhalb Portugals sind verbreitet, meist gegen Aufpreis. Portugals Autobahnen sind mautpflichtig, teils mit rein elektronischer Erfassung. Kläre bei der Fahrzeugübernahme, wie die Maut abgerechnet wird, dann gibt es später keine Überraschungen.
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Wie du Etappenlängen, Übernachtungen und Puffertage grundsätzlich kalkulierst, erklärt der Beitrag Roadtrip planen: So baust du deine Route. Wenn dich nach so viel Küste eine ganz andere Kulisse reizt, findest du in der Übersicht Roadtrips in Europa weitere Strecken, etwa den Balkan-Roadtrip durch Kroatien, Montenegro und Albanien.
