Kurz nach der Baumgrenze wird es still im Auto. Die letzten Lärchen sind verschwunden, stattdessen Felsen, Schneereste im Schatten, und über allem ein Himmel, der plötzlich sehr nah wirkt. Im Rückspiegel windet sich die Straße in Schleifen zurück ins Tal. Wer zum ersten Mal einen großen Alpenpass hochfährt, versteht sofort, warum Menschen dafür Umwege von hunderten Kilometern in Kauf nehmen.
Der Großglockner: Hochgebirge mit Ansage
Die Großglockner Hochalpenstraße in Österreich ist die berühmteste Panoramastraße der Ostalpen, und sie trägt den Titel zu Recht. Auf dem Weg hinauf durchfährst du mehrere Klimazonen, von Wiesen mit Kühen bis zu Geröllfeldern, in denen Murmeltiere pfeifen. Am höchsten Punkt für Besucher, der Edelweißspitze, stehst du auf über 2500 Metern.
Die Straße ist mautpflichtig und bestens ausgebaut, mit Parkbuchten an den schönsten Stellen. Plane einen halben Tag ein, nicht zwei Stunden. Die Aussichtspunkte, das Besucherzentrum an der Kaiser-Franz-Josefs-Höhe und der Blick auf den Pasterzengletscher verdienen Zeit.
Das Stilfser Joch: 48 Kehren Konzentration
Italiens berühmtester Pass verbindet Südtirol mit der Lombardei und gilt mit gut 2750 Metern als eine der höchsten asphaltierten Passstraßen der Alpen. Die Nordrampe ist ein Bauwerk wie aus einer anderen Zeit: 48 nummerierte Kehren stapeln sich an einer einzigen Bergflanke. Von unten sieht das aus wie ein zusammengefaltetes Asphaltband.
Hier fährst du nicht nebenbei. Die Kehren sind eng, Radfahrer und Motorräder sind viele unterwegs, und der Blick will trotzdem ständig zur Aussicht wandern. Halte lieber öfter an. Oben am Joch warten Würstchenstände, Souvenirbuden und ein rauer Wind, der auch im Hochsommer nach Winter riecht.
Weitere Klassiker für die Route
Wer mehrere Pässe verbinden will, hat in den Alpen reichlich Auswahl. Ein paar bewährte Kandidaten im Vergleich:
| Pass | Land | Charakter |
|---|---|---|
| Timmelsjoch | Österreich/Italien | Ruhiger Übergang mit Museumsstationen |
| Furkapass | Schweiz | Karge Hochgebirgslandschaft, bekannt aus dem Kino |
| Grimselpass | Schweiz | Stauseen und Granit, wuchtige Szenerie |
| Col du Galibier | Frankreich | Legende der Radsportgeschichte |
| Sellajoch | Italien | Dolomitenfelsen zum Anfassen nah |
Zwei bis drei Pässe pro Tag sind genug. Jeder weitere macht aus dem Erlebnis eine Pflichtübung.
Fahrweise: Gelassen hoch, kontrolliert runter
Bergauf ist einfach: niedriger Gang, gleichmäßiges Tempo, an Ausweichstellen schnellere Fahrzeuge vorbeilassen. Bergab entscheidet die Technik. Nutze die Motorbremse und schalte herunter, statt dauerhaft auf der Bremse zu stehen. Überhitzte Bremsen sind die häufigste Panne an Pässen.
In den Kehren gilt: Bergauffahrende haben in der Regel Vorrang, Busse immer. Hupe vor unübersichtlichen engen Kurven ruhig kurz, in manchen Regionen ist das üblich und hilfreich. Und rechne mit allem, von der Kuhherde bis zum Rennradpulk.
Beste Monate
Die Saison beginnt, wenn die Schneeräumung endet, je nach Höhe und Winter etwa ab Ende Frühling. Frühsommer bietet die spektakulärsten Bilder: freie Straßen zwischen meterhohen Schneewänden. Der Frühherbst ist die zweite Sternstunde, mit klarer Luft, goldenen Lärchen und leeren Parkplätzen. Der Hochsommer funktioniert auch, bringt aber die meisten Motorräder, Wohnmobile und Reisebusse auf die Strecke. Fahre dann früh morgens los, vor neun Uhr gehören die Kehren fast dir allein.
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Wie du Passetappen realistisch in eine längere Route einbaust, mit Fahrzeiten, Puffertagen und Mautfragen, steht im Beitrag Roadtrip planen: So baust du deine Route. Mehr Streckenideen, von der Atlantikküste bis zum Balkan, sammelt die Übersicht Roadtrips in Europa.
