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Kitesurf-Spots

Workum am IJsselmeer: Stehrevier für die ersten Meter

Mehrere hundert Meter stehtiefes Wasser, verlässlicher Südwestwind und friesische Ruhe: Warum Workum das Lernrevier für die ersten Meter ist.

Von Maia Brandt AI generiert · Aktualisiert am

Kitesurfer stehen weit draussen im flachen Wasser des IJsselmeers unter weitem Himmel.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Dritte Kitestunde, irgendwo an der Ostsee. Das Brett treibt fünf Meter entfernt, der Schirm zieht in die falsche Richtung, und unter den Füßen: nichts. Also wieder Körperschleppen, wieder schwimmen, wieder alles von vorn. Nach zwanzig Minuten brennen die Arme, und der eigentliche Wasserstart hat noch gar nicht stattgefunden.

Genau an diesem Punkt fällt in Schulgesprächen und Foren immer wieder derselbe Ortsname: Workum. Ein Städtchen in Friesland, am Ostufer des IJsselmeer, gut zwei Fahrstunden von der deutschen Grenze. Was macht diesen Flecken so besonders, dass Kiteschulen aus halb Europa ihre Anfängerkurse genau dorthin legen?

Warum das IJsselmeer anders funktioniert als das Meer

Das IJsselmeer ist kein Meer, auch wenn der Name es behauptet. Seit ein Abschlussdeich die frühere Zuiderzee von der Nordsee trennt, ist es der größte Süßwassersee der Niederlande. Für Anfänger heißt das: keine Gezeiten, keine nennenswerte Strömung, kein Salz in den Augen. Das Wasser bleibt, wo es ist. Du auch.

Dazu kommt die friesische Art. „It giet oan", es geht los: Mit diesem Satz kündigen die Friesen ihr berühmtes Elfstädte-Eisrennen an, und derselbe trockene Pragmatismus liegt über dem Strand von Workum. Hier posiert niemand. Man baut auf, fährt, hilft beim Landen und trinkt danach Kaffee am Deich.

Das Stehrevier vor It Soal

Der Spot liegt am Strand vor dem Campingplatz It Soal, ein kurzer Fußweg vom Parkplatz über eine kleine Brücke. Dahinter öffnet sich die Fläche, um die es geht: mehrere hundert Meter stehtiefes Wasser, je nach Wasserstand bis zur Hüfte oder zum Bauch. Der Grund ist sandig, die Oberfläche meist glatt.

Für die Lernkurve ändert das alles. Brett verloren? Hinstellen, holen, weitermachen. Schirm abgestürzt? Stehen bleiben, neu starten. Ein Fehler kostet in Workum Sekunden statt Kraft, und wer in tiefem Wasser drei Wasserstarts pro Stunde übt, schafft hier ein Vielfaches. Auch Aufsteiger profitieren: Die ersten Halsen und Sprünge fühlen sich über sandigem Stehgrund deutlich entspannter an.

Mehrere Kiteschulen arbeiten direkt am Strand, Leihmaterial und Kurse gibt es vor Ort. Das Revier ist groß genug, dass sich Schulungsgruppen, Freerider und Freestyler nicht in die Quere kommen. Weiter draußen, hinter der Stehzone, wird das Wasser tiefer: Dort ziehen die Fortgeschrittenen ihre Bahnen, während drinnen geübt wird.

Der Wind arbeitet hier für dich

Die Hauptwindrichtung in den Niederlanden ist Südwest, und genau dafür liegt Workum richtig. Alles von Süd über West bis Nordwest kommt schräg auflandig ans Ufer. Der Wind drückt dich im Zweifel zurück Richtung Strand, nicht hinaus auf den See. Weil das IJsselmeer flach ist, baut sich selbst bei kräftigem Wind kaum Welle auf, nur kurzer Chop.

Nur bei Ostwind dreht sich das Bild: Dann weht es ablandig vom Deich, und Anfänger bleiben an Land. Die Schulen vor Ort sagen solche Tage ohnehin ab.

Anreise aus dem DACH-Raum

Aus dem Ruhrgebiet oder dem Kölner Raum bist du mit dem Auto in rund vier Stunden am Strand, aus Hamburg dauert es ähnlich lang. Süddeutschland, Österreich und die Schweiz brauchen einen vollen Reisetag, dafür lässt sich Workum gut mit ein paar Tagen Amsterdam oder friesischem Städtehüpfen verbinden.

Auch ohne Auto geht es: Workum hat einen kleinen Bahnhof an der friesischen Regionalbahn, vom Ortskern sind es ein paar Kilometer bis zum Strand. Mit dem Fahrrad ist das in den Niederlanden keine Hürde, Kitegepäck macht die Variante allerdings sperrig.

Übernachtet wird typischerweise direkt am Spot: Der Campingplatz liegt hinter dem Deich, Zelt oder Bus stehen wenige Schritte vom Wasser. Wer es fester mag, findet in Workum selbst und in den Nachbarorten Ferienwohnungen. Das Städtchen lohnt einen Abendspaziergang, mit Giebelhäusern, einem alten Hafen und Restaurants, in denen nach Sonnenuntergang windzerzauste Kiter neben friesischen Familien sitzen.

Grenzen und Sonderfälle

Ganz ohne Einschränkungen kommt der Spot nicht aus. In den Sommermonaten wird es voll, dann gelten am Strand Zonen und Verhaltensregeln, an die sich alle halten müssen. Wer unabhängig von Schulen fährt, informiert sich vorab bei den Stationen vor Ort, wo gestartet und gelandet wird.

Außerdem bleibt das Wasser nordeuropäisch kühl, ein Neopren gehört fast ganzjährig ins Gepäck. Und wer Welle sucht, ist am Binnensee falsch: Für Sprünge in echte Brandung fährt man weiter an die Nordseeküste oder gleich in den Süden.

Von hier aus weiter

Workum ist der Beweis, dass ein großes Lernrevier keine Fernreise verlangt. Wie sich der Spot gegen die Klassiker schlägt, zeigt unsere Übersicht der besten Kitesurf-Spots. Wer Wärme und Lagune will, liest den Beitrag zu El Gouna in Ägypten. Und wer nach den ersten sicheren Metern Windgarantie sucht, findet sie in Tarifa in Spanien.

Häufige Fragen

Ist Workum für Kite-Anfänger geeignet?

Ja. Vor dem Strand liegt ein Stehrevier von mehreren hundert Metern, das Wasser hat weder Gezeiten noch nennenswerte Strömung, und mehrere Kiteschulen arbeiten direkt am Spot.

Welche Windrichtungen funktionieren in Workum?

Alles von Süd über West bis Nordwest kommt schräg auflandig und gilt als sicher. Ostwind weht ablandig vom Ufer weg und ist für Anfänger tabu.

Braucht man in Workum einen Neoprenanzug?

Fast immer. Das IJsselmeer ist ein Süßwassersee in Nordeuropa, richtig warm wird das Wasser nur an wenigen Hochsommertagen. Ein Neopren gehört ganzjährig ins Gepäck.