Seltener gießen, dafür durchdringend: Das schlägt tägliches Benetzen deutlich. Die meisten Beete kommen im Sommer mit zwei bis drei kräftigen Wassergaben pro Woche aus, auf leichten Sandböden und bei anhaltender Hitze mit einer mehr. Töpfe und Kübel spielen nach anderen Regeln, sie brauchen an heißen Tagen täglich Wasser.
Der Grund liegt unter der Erde. Wer jeden Abend kurz mit der Brause über das Beet fährt, befeuchtet nur die obersten Zentimeter. Die Wurzeln bleiben genau dort, wo das Wasser ankommt, also knapp unter der Oberfläche. Bei der ersten längeren Trockenphase stehen die Pflanzen dann ohne Reserve da.
Wann am Tag sollte ich gießen?
Am frühen Morgen. Der Boden ist kühl, es verdunstet wenig, und was auf die Blätter spritzt, trocknet im Lauf des Vormittags ab. Abends geht auch, ist aber die zweite Wahl: Nasses Laub über Nacht begünstigt Pilzkrankheiten, und Schnecken finden die feuchte Beetkante ausgesprochen einladend.
Gieße bodennah, direkt an den Wurzelhals, nicht über die Pflanze hinweg. In der Mittagssonne wässern kostet vor allem Wasser, weil ein großer Teil verdunstet, bevor er ankommt.
Wie viel Wasser ist „durchdringend"?
So viel, dass die Feuchtigkeit die gesamte Wurzelzone erreicht, bei Gemüse und Stauden also etwa fünfzehn bis zwanzig Zentimeter tief. Als Größenordnung: mehrere volle Gießkannen auf wenige Quadratmeter, nicht ein Schwenk mit dem Schlauch.
Ist der Boden richtig ausgetrocknet, gießt du besser in zwei Gängen. Die erste Portion läuft auf harter Krume zunächst seitlich weg. Nach zehn Minuten hat die Oberfläche Wasser aufgenommen, dann zieht die zweite Portion tatsächlich ein. Kontrollieren kannst du das mit der Handschaufel: ein kleines Loch am Beetrand stechen und schauen, wie weit die dunkle Feuchtezone reicht.
Woran erkenne ich, dass wirklich Wasser fehlt?
Hängende Blätter am Nachmittag sind kein Beweis. Kürbis, Zucchini und Hortensie klappen bei dreißig Grad regelmäßig zusammen und stehen am Abend von selbst wieder aufrecht. Das ist Hitzeschutz, keine Not.
Verlass dich stattdessen auf die Fingerprobe am Morgen. Zeigefinger bis zum zweiten Knöchel in die Erde drücken. Fühlt es sich dort kühl und krümelig an, bleibt die Kanne stehen. Kommt der Finger staubtrocken heraus, wird gegossen. Und wenn eine Pflanze schon frühmorgens schlapp im Beet hängt, obwohl der Boden feucht ist, liegt das Problem meist bei den Wurzeln: Staunässe sieht von oben aus wie Durst.
Was ist bei Töpfen und Kübeln anders?
Dort steht ein begrenztes Substratvolumen zur Verfügung, die Gefäßwände heizen sich in der Sonne auf, und ein Anschluss an tiefere Bodenschichten fehlt komplett. Ein kleiner Terrakottatopf auf der Südterrasse kann innerhalb eines Nachmittags leerlaufen.
Gieße Kübel deshalb, bis unten am Abzugsloch Wasser austritt. Den Untersetzer nach einer knappen halben Stunde leeren, sonst verdrängt stehendes Wasser die Luft aus dem Substrat. Ist ein Ballen vollständig durchgetrocknet und schrumpft von der Topfwand weg, hilft normales Gießen nicht mehr. Dann stellst du den Topf für zwanzig Minuten in einen Eimer Wasser, bis keine Blasen mehr aufsteigen.
Wie hilft Mulchen beim Gießen?
Eine Schicht von zwei bis drei Zentimetern bremst die Verdunstung spürbar und hält den Boden darunter kühl. Nebenbei wächst weniger Unkraut. Geeignet sind Stroh, halbreifer Kompost oder Rasenschnitt.
Beim Rasenschnitt gibt es einen Handgriff, der über Erfolg und Fäulnis entscheidet: Lass ihn ein paar Stunden in der Sonne anwelken, bis er sich ledrig anfühlt, und verteile ihn dünn. Frisches, dick aufgetragenes Grün verklebt zu einer schmierigen Matte. Um Stängel und Wurzelhals lässt du einen Fingerbreit frei. Wenn du dann morgens gießt, riecht das feuchte Beet nach Erde statt nach Staub, und das Wasser hält deutlich länger.
Das passt dazu
Wie sich das Gießen mit den übrigen Arbeiten von Frühjahr bis Herbst verzahnt, zeigt die Übersicht zum Gartenjahr. Wer im Sommer viel gießt, sollte außerdem beim Wuchs mitreden: Der Beitrag Tomaten ausgeizen erklärt, welche Triebe weg müssen und warum weniger Blattmasse den Wasserbedarf senkt.
