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Klettern

Griffarten und Technik: Warum Füße wichtiger sind als Arme

Leiste, Sloper, Henkel: Wer die Grifffamilien kennt und sauber tritt, klettert länger und besser. So legst du die Basis für gute Technik.

Von Aiko Steiner AI generiert · Aktualisiert am

Gekalkte Haende an Leiste und Sloper, darunter steht ein Kletterschuh praezise auf einem kleinen Tritt.
Bild: KURaiTOR / KI-generiert

Zwanzig Minuten in der Halle, und deine Unterarme fühlen sich an wie aufgepumpt. Die Finger öffnen sich kaum noch, der nächste Griff scheint unerreichbar. Zwei Wände weiter steigt jemand scheinbar mühelos eine Route hoch, die deutlich schwerer aussieht als deine.

Der Unterschied liegt selten in der Kraft. Er liegt darin, wohin diese Person schaut, bevor sie greift: nach unten, auf die Tritte. Genau da beginnt gute Klettertechnik, und genau da setzt dieser Artikel an.

Warum deine Unterarme zumachen

Deine Beinmuskulatur ist um ein Vielfaches stärker als deine Arme. Sie trägt dich den ganzen Tag durchs Leben, Treppen hoch, bergauf. An der Kletterwand gilt dasselbe Prinzip: Die Beine schieben dich nach oben, die Arme halten dich nur an der Wand.

Anfänger drehen dieses Prinzip um. Sie ziehen sich mit den Armen hoch, klammern sich an jeden Griff und vergessen die Füße. Die Folge kennst du bereits: Die Unterarme übersäuern, die Finger geben auf. Kletterer nennen das Zumachen, und es ist fast immer ein Technikproblem, kein Kraftproblem.

Merk dir den Grundsatz: Arme lang lassen, wann immer es geht. Ein gestreckter Arm hängt am Skelett und verbraucht kaum Energie. Ein gebeugter Arm arbeitet permanent.

Leiste, Sloper, Henkel: Die drei Grifffamilien

Bevor du Technik verfeinerst, lerne die Griffe kennen. Fast alles in der Halle gehört zu einer von drei Familien, dazu kommen Sonderformen wie Zangen und Fingerlöcher.

Der Henkel ist der Freund aller Anfänger. Groß, hinterschnitten, du bekommst die ganze Hand dahinter wie an eine Leitersprosse. Nutze Henkel zum Ausruhen: Arm strecken, Hüfte an die Wand, durchatmen.

Die Leiste ist eine schmale Kante, auf der nur die Fingerspitzen Platz finden. Sie hält am besten, wenn du senkrecht zur Grifffläche ziehst. Greife Leisten als Anfänger offen, also mit leicht gebeugten Fingern statt mit durchgedrückten Endgelenken. Das schont Sehnen und Ringbänder.

Der Sloper ist rund, abschüssig und hat keine Kante. Hier hilft keine Fingerkraft, nur Reibung. Lege die ganze Handfläche auf, bring möglichst viel Haut an den Griff und halte deinen Körperschwerpunkt tief und unter dem Griff. Sobald du dich seitlich herauslehnst, schmierst du ab.

Dazu kommt die Zange: ein Griff, den du mit dem Daumen aktiv zusammendrückst. Sie taucht in modernen Boulderhallen ständig auf und trainiert eine Kraft, die Anfänger fast nie haben. Übe sie früh, aber dosiert.

Warum die Füße jeden Zug entscheiden

Jetzt zum eigentlichen Hebel. Beobachte gute Kletterer: Ihre Füße sind leise. Kein Schrammen, kein Nachjustieren, kein Blindtreten. Dahinter steckt eine simple Abfolge, die du dir vom ersten Tag an antrainieren solltest.

Schau auf den Tritt, bis dein Fuß ihn berührt. Setz die Schuhspitze auf, genauer den vorderen Innenrand, nicht die Sohlenmitte. Belaste den Fuß, ohne ihn danach zu verschieben. Erst dann greifst du weiter.

Steh auf den Zehenspitzen statt auf dem ganzen Fuß. So kannst du die Ferse heben und senken, die Hüfte drehen und aus dem Bein drücken. Wer flach auf dem Tritt steht, verschenkt Reichweite und Beweglichkeit.

Und bring die Hüfte an die Wand. Je näher dein Schwerpunkt an der Wand liegt, desto mehr Gewicht tragen die Füße und desto weniger hängen die Arme. Übe das bewusst an leichten Routen: Hüfte eindrehen, Arm strecken, aus dem Bein steigen.

Diese Fehler bremsen dich aus

Ein paar Muster tauchen bei fast allen Einsteigern auf. Streich sie gezielt aus deinem Klettern.

Erstens: nur nach oben schauen. Griffe findet jeder, Tritte übersieht jeder. Zweitens: jeden Griff mit maximaler Kraft quetschen. Halte nur so fest wie nötig, das spart enorm viel Energie. Drittens: hektisches Umtreten, weil der Fuß beim ersten Mal schlampig gesetzt wurde. Viertens: durchgehend gebeugte Arme, das schnellste Ticket in den Unterarmpump.

Nimm dir pro Session einen einzigen Fehler vor. Klettere dafür zwei Nummern leichter als dein Limit. Technik lernst du im Wohlfühlbereich, nicht am Maximalzug.

Grenzen und Sonderfälle

Dieser Artikel ersetzt keinen Kurs, es ist genau umgekehrt: Eine Einweisung durch Trainerinnen oder Trainer ist die Basis, dieser Text nur die Ergänzung. Sicherungstechnik, Spotten und Sturztraining gehören in professionelle Hände. Buche einen Einsteigerkurs, bevor du regelmäßig kletterst oder boulderst.

Vorsicht auch bei den Fingern: Kleine Leisten und volles Aufstellen sind für Einsteiger tabu. Sehnen passen sich viel langsamer an als Muskeln. Schmerzt ein Fingergelenk, pausiere und klettere nicht hinein.

Im Dachbereich und an stark überhängenden Wänden gelten eigene Regeln, dort kommen Körperspannung und Hakentechniken dazu. Hebe dir das für später auf.

Von hier aus weiter

Fußarbeit und Griffkunde sind die Basis, der Rest ist Aufbau. Wie du überhaupt startest, mit Ausrüstung, Hallenwahl und erstem Training, liest du in Bouldern anfangen. Ob Seil oder Matte besser zu dir passt, klärt der Vergleich Klettern oder Bouldern. Alle Artikel des Themas findest du in der Übersicht Klettern und Bouldern.

Häufige Fragen

Muss ich als Anfänger Fingerkraft trainieren?

Nein. Deine Sehnen und Ringbänder brauchen Monate bis Jahre, um sich an die Belastung anzupassen. Klettere in den ersten ein bis zwei Jahren einfach regelmäßig, das reicht als Fingertraining. Campusboard und gezieltes Hangeln an kleinen Leisten sind Werkzeuge für Fortgeschrittene.

Warum rutschen meine Füße ständig von den Tritten?

Meist stehst du mit der Mitte der Sohle auf dem Tritt statt mit der Schuhspitze. Setz den Fuß mit dem vorderen Innenrand präzise auf, schau dabei hin und belaste ihn dann konstant. Wer den Fuß nach dem Aufsetzen noch dreht oder verschiebt, verliert die Reibung.

Was ist der Unterschied zwischen hängend und aufgestellt greifen?

Bei der hängenden Position bleiben die Fingergelenke leicht gebeugt und die Hand hängt offen an der Leiste. Beim Aufstellen knicken die Endgelenke durch und der Daumen presst oft dazu. Aufstellen hält besser, belastet aber Ringbänder deutlich stärker. Anfänger bleiben möglichst bei der offenen Variante.