Am Ende dieser Anleitung steht ein Liter Cold Brew im Kühlschrank: kalt gebrühter Kaffee, weich und schokoladig, mit auffallend wenig Säure und Bitterkeit. Die aktive Arbeit dauert keine zehn Minuten. Den Rest erledigt die Zeit, denn der Kaffee zieht 12 bis 18 Stunden in kaltem Wasser. Eine Maschine brauchst du nicht, nicht einmal einen Wasserkocher.
Das brauchst du
Die Ausstattung steht in fast jeder Küche. Konkret:
- 100 Gramm Kaffeebohnen, grob gemahlen (Verhältnis 1 zu 10)
- 1 Liter kaltes Leitungswasser, gern gefiltert
- ein großes Glasgefäß oder eine Kanne mit mindestens 1,5 Litern Volumen
- ein feines Küchensieb
- ein Papierfilter, ein sauberes Geschirrtuch oder eine French Press
- eine verschließbare Flasche für die Lagerung
Beim Kaffee lohnen sich Bohnen mit Schokoladen- und Nussnoten, also eher mittlere bis dunklere Röstungen. Was auf der Packung zählt, erklärt der Beitrag zum Kauf von Kaffeebohnen.
Schritt 1: Bohnen grob mahlen
Mahle die Bohnen so grob wie für die French Press, eher noch etwas gröber. Die Körnung sollte an grobes Meersalz erinnern. Kaltes Wasser extrahiert langsam, deshalb verzeiht die Methode grobe Partikel, feines Pulver dagegen macht den Ansatz bitter und schlammig. Fertig gemahlener Kaffee aus der Packung ist meist zu fein.
Schritt 2: Kaffee und Wasser ansetzen
Gib das Kaffeemehl ins Gefäß und gieße den Liter kaltes Wasser darüber. Das Verhältnis 1 zu 10 ergibt trinkfertigen Cold Brew. Wer lieber ein Konzentrat für Milchgetränke möchte, nimmt 1 zu 5, also 200 Gramm auf einen Liter, und verdünnt später im Glas.
Schritt 3: Umrühren, bis nichts mehr trocken ist
Rühre mit einem langen Löffel um, bis alle Kaffeepartikel benetzt sind. Trockene Nester an der Oberfläche geben kein Aroma ab und verfälschen das Verhältnis. Einmal kräftig durchrühren genügt, danach bleibt der Ansatz in Ruhe.
Schritt 4: Abdecken und 12 bis 18 Stunden ziehen lassen
Decke das Gefäß ab und stelle es in den Kühlschrank. Nach 12 Stunden ist der Cold Brew leicht und klar, nach 16 bis 18 Stunden runder und dichter. Länger als 18 Stunden bringt kaum mehr Aroma, dafür holzige und bittere Töne. Ein Ansatz am Abend passt gut: angesetzt um 20 Uhr, gefiltert am nächsten Mittag.
Schritt 5: Grob abseihen
Gieße den Ansatz langsam durch das Küchensieb in ein zweites Gefäß. Das Sieb fängt den Großteil des Kaffeemehls ab. Drücke den Kaffeesatz dabei nicht aus, auch wenn es verlockend ist: Pressen löst Bitterstoffe, die der lange Kaltauszug bisher vermieden hat. Was im Sieb hängt, darf ruhig etwas Flüssigkeit behalten.
Schritt 6: Fein filtern
Jetzt kommt die Politur. Lasse den vorgesiebten Kaffee durch einen Papierfilter laufen, das dauert einige Minuten, ergibt aber die klarste Tasse. Alternativ funktioniert ein mit einem Geschirrtuch ausgelegtes Sieb. Der dritte Weg: den Ansatz gleich in einer French Press ziehen lassen und nur den Stempel herunterdrücken. Das geht am schnellsten, lässt aber feine Schwebstoffe durch.
Schritt 7: Abfüllen und servieren
Fülle den fertigen Cold Brew in eine saubere, verschließbare Flasche und lagere ihn im Kühlschrank. Pur auf Eis schmeckt er am klarsten. Mit einem Schuss kalter Milch oder Hafermilch wird er weicher, das Konzentrat verträgt sogar Verhältnisse von 1 zu 1 mit Milch. Wer es aufwendiger mag, findet Ideen beim Thema Milchschaum, denn kalt aufgeschäumte Milch macht daraus einen Eiskaffee-Klassiker ohne Sirup.
Häufige Fehler
Drei Dinge gehen beim ersten Versuch am häufigsten schief. Zu feiner Mahlgrad: das Ergebnis wird trüb und pelzig. Zu lange Ziehzeit: aus weich wird dumpf, gerade bei dunklen Röstungen. Und zu wenig Kaffee: wer aus Sparsamkeit auf 1 zu 15 streckt, bekommt braunes Wasser statt Cold Brew. Lieber korrekt ansetzen und den fertigen Kaffee bei Bedarf mit Wasser verdünnen.
Cold Brew ist kein Eiskaffee
Die beiden werden oft verwechselt, entstehen aber gegensätzlich. Eiskaffee ist heiß gebrühter Kaffee, der über Eis abgekühlt wird: schnell gemacht, mit der gewohnten Säure und Röstnote, durch das schmelzende Eis aber oft verwässert. Cold Brew wird nie erhitzt. Der kalte, langsame Auszug lässt viele Säuren und Bitterstoffe schlicht in der Bohne, deshalb schmeckt er milder und süßer. Wer die heiße Variante mag, findet die passenden Rezepturen im Vergleich der Filterkaffee-Methoden.
Vorher prüfen
- Bohnen grob gemahlen, Körnung wie grobes Meersalz
- Verhältnis stimmt: 100 Gramm auf 1 Liter, für Konzentrat 200 Gramm
- Gefäß sauber und groß genug, mit Deckel oder Abdeckung
- Platz im Kühlschrank für 12 bis 18 Stunden reserviert
- Sieb plus Papierfilter oder Geschirrtuch bereitgelegt
- Saubere Flasche für die Lagerung vorhanden
Von hier aus weiter
Cold Brew ist der entspannteste Einstieg ins Kaffeehandwerk, weil Timing und Temperatur kaum Druck machen. Wenn der erste Liter gelungen ist, lohnt der Blick auf die heißen Methoden: Die Übersicht Kaffee-Wissen ordnet alle Stellschrauben von der Bohne bis zur Tasse. Und wer verstehen will, warum derselbe Kaffee heiß gebrüht völlig anders schmeckt, liest den Vergleich der Filterkaffee-Methoden gleich im Anschluss.
