Ja, Fuerteventura lohnt sich, und zwar nicht nur für eine Saison. Der Nordostpassat macht die Kanareninsel zu einem Kiteziel, das fast das ganze Jahr über fahrbare Tage liefert, mit der windsichersten Phase im Sommerhalbjahr. Herzstück ist Sotavento im Süden der Insel: eine Gezeitenlagune hinter einer langen Sandbank, flach, stehtief und groß genug für Hunderte Schirme.
Wer zum ersten Mal oben am Aussichtspunkt von Risco del Paso steht, sieht bei Ebbe nur eine riesige Sandfläche und fragt sich, wo hier bitte gekitet werden soll. Dann kommt das Hochwasser. Binnen einer Stunde wird aus der Ebene ein türkiser Spiegel, mehrere Kilometer lang, und aus dem Parkplatz eine Umkleide. Dieser Rhythmus bestimmt am Spot alles.
Wann ist der Wind am besten?
Am zuverlässigsten weht der Passat von Mai bis September. Er kommt aus Nordost, wird zwischen den Bergrücken der Insel zusätzlich beschleunigt und steht an starken Tagen mit deutlich über zwanzig Knoten auf dem Wasser. Kleine Kites gehören deshalb ins Sommergepäck. Wer in dieser Zeit eine Woche bucht, kann fest mit Wind rechnen. Böig wird es vor allem in Landnähe, draußen auf der Lagune läuft der Wind gleichmäßiger durch.
Im Winter wird es unbeständiger. Der Passat setzt häufiger aus, dafür bleibt die Luft mild und das Wasser mit dünnem Neopren fahrbar. Für die Reiseplanung heißt das: Fuerteventura ist das Winterziel ohne Langstreckenflug. Wer im Januar Windgarantie will, fliegt weiter südlich, etwa nach Sal. Wer ein paar Flautentage verschmerzt und dafür nach gut vier Flugstunden ankommt, bleibt auf den Kanaren.
Ist Sotavento anfängertauglich?
Die Lagune ja, das Meer dahinter nur bedingt. Bei Hochwasser drückt der Atlantik über die Sandbank und füllt die Lagune mit knie- bis brusttiefem Wasser, glatt und ohne Grundsee. Jederzeit Bodenkontakt, enorm viel Platz, dazu Schulen direkt am Strand: bessere Lernbedingungen findest du in Europa selten.
Nur läuft hier nichts nach Uhrzeit, sondern nach Tidenkalender. Die Lagune füllt sich um das Hochwasser herum, bei schwachen Tiden an manchen Tagen gar nicht. Schulen legen ihre Kurse deshalb in dieses Fenster, und auch wer frei fährt, plant den Tag um die Flut. Ein Blick auf die Gezeitentabelle gehört vor der Buchung dazu: Rund um Springtide steht das Wasser am höchsten und die Lagune trägt am längsten.
Außerhalb der Sandbank sieht die Sache anders aus. Dort warten tiefes Wasser, Chop und je nach Tag eine ordentliche Welle. Das ist Revier für Fortgeschrittene, die sicher Höhe laufen und ihren Wasserstart auch in Bewegung hinbekommen.
Wie voll wird es?
Im Hochsommer: voll. Sotavento ist als Austragungsort von Weltcups bekannt, die Stationen sind gut gebucht, und zum Tidenhochstand wollen alle gleichzeitig aufs Wasser. Weil die Lagune mehrere Kilometer misst, verteilt sich der Andrang besser als an den meisten Spots. Wer gleich zu Beginn des Gezeitenfensters startet, bekommt die glatteste Fläche und die freieste Bahn.
Wer es ruhiger mag, weicht die Küste hinauf aus, zum Beispiel nach Matas Blancas bei Costa Calma mit ebenfalls flachem Wasser und deutlich weniger Betrieb. Im Winter entspannt sich die Lage ohnehin. Dann teilen sich oft nur eine Handvoll Fahrer die Lagune, und am Strand hört man wieder die Brandung statt der Pumpen.
Von hier aus weiter
Wie sich Fuerteventura in dein Kitejahr einsortiert, zeigt der Vergleich Kitespots nach Saison. Alle Reviere des Clusters, vom Neusiedler See bis Dakhla, stehen in der Übersicht der Kitesurf-Spots. Und wenn es im Winter wirklich verlässlich pusten soll, lies den Beitrag zu Sal auf Kap Verde.
