Das Urteil vorweg: Ein erheblicher Teil der verkauften Policen besteht die einfachste Prüfung nicht. Sie versichern Schäden, die niemanden ruinieren, oder Risiken, die bereits durch andere Verträge gedeckt sind. Wer hier kündigt, verliert keine Sicherheit. Er verliert nur Beiträge, die er vorher verloren hat.
Das Prüfschema
Zwei Fragen genügen für jede Police im Ordner. Erstens: Würde mich der versicherte Schaden finanziell ruinieren? Zweitens: Ist das Risiko schon anderweitig abgedeckt? Nur wenn die erste Frage mit Ja und die zweite mit Nein beantwortet wird, verdient der Vertrag seinen Platz.
Dahinter steht eine nüchterne Rechnung. Versicherer kalkulieren Beiträge so, dass sie über alle Kunden hinweg mehr einnehmen als sie auszahlen. Bei kleinen Schäden trägt der Kunde diese Marge, ohne dafür Schutz vor einer echten Gefahr zu bekommen. Kleinrisiken selbst zu tragen ist deshalb im Erwartungswert fast immer günstiger.
Die Streichliste
Die folgenden Policen fallen bei der Prüfung regelmäßig durch:
| Police | Grund für die Streichung |
|---|---|
| Handy- und Elektronikversicherung | Bagatellrisiko, viele Ausschlüsse, oft nur Zeitwertersatz |
| Brillenversicherung | Bagatellrisiko, Beiträge nahe am Schadenwert |
| Reisegepäckversicherung | strenge Sorgfaltspflichten, häufige Leistungskürzung |
| Glasbruchversicherung | Bagatellrisiko, teils in Hausrattarifen enthalten |
| Insassenunfallversicherung | Mitfahrer sind über die Kfz-Haftpflicht des Verursachers geschützt |
| Sterbegeldversicherung | teuer im Verhältnis zur Leistung, Rücklagen erfüllen den Zweck besser |
| Ausbildungsversicherung | mischt Sparen und Versichern, beides getrennt ist effizienter |
Die Begründungen folgen zwei Mustern. Entweder ist der maximale Schaden klein, oder ein bestehender Vertrag deckt das Risiko bereits. Die Insassenunfallversicherung ist das Paradebeispiel für Doppelversicherung: Verletzte Mitfahrer haben Ansprüche gegen die Kfz-Haftpflicht des Unfallverursachers, eine zweite Police ändert daran nichts.
Der Sonderfall Kombiprodukte
Vorsicht gilt bei Verträgen, die Sparen und Versichern vermischen. Ausbildungsversicherungen und klassische Kapitallebensversicherungen versprechen Schutz und Vermögensaufbau in einem Produkt. Das Ergebnis ist meist beides nur halb: Der Risikoschutz ist teurer als in einer reinen Risikopolice, die Rendite niedriger als bei getrenntem Sparen.
Die Trennung ist die sauberere Lösung. Existenzielle Risiken über reine Risikoversicherungen abdecken, Vermögen separat aufbauen. So bleibt jeder Baustein vergleichbar und kündbar, ohne den anderen zu beschädigen.
Was stattdessen zählt
Die frei werdenden Beiträge sind kein kleiner Posten. Über Jahre summieren sich mehrere Kleinpolicen zu Beträgen, die anderswo echten Nutzen stiften: als Notgroschen für genau die Bagatellschäden, die vorher versichert waren, oder als Budget für die Verträge, die wirklich tragen.
Ein Notgroschen von wenigen Monatsausgaben ersetzt praktisch alle Bagatellpolicen auf einmal. Er zahlt ohne Ausschlüsse, ohne Wartezeit und ohne Diskussion über Sorgfaltspflichten. Kein Versicherungsprodukt bietet diese Bedingungen.
Einordnung im Cluster
Streichen ist nur die halbe Strategie, die andere Hälfte ist die richtige Basis. Welche Verträge dorthin gehören, ordnet die Übersicht Versicherungen: Was du brauchst und was nicht. An erster Stelle steht dabei die Police aus dem Artikel Haftpflicht: Die eine Versicherung, die jeder braucht. Ob eine Sachversicherung für deinen Besitz die Prüfung besteht, klärt Hausratversicherung: Wann sie sich lohnt.
