Der letzte Ton der Sinfonie verklingt, der Dirigent hält die Arme noch oben, der Saal ist vollkommen still. Zwei Sekunden, drei. Dann sinken die Arme, jemand ruft Bravo, und zweitausend Menschen klatschen gleichzeitig los. Wer zum ersten Mal dabei ist, fragt sich in genau diesem Moment: Woher wussten die alle, wann es losgeht?
Die Antwort ist beruhigend. Die wussten es auch nicht immer. Die Rituale eines Konzertabends lernt man in ein, zwei Besuchen, und keines davon ist eine Prüfung. Hier steht, was einen erwartet.
Die Klatschfrage, ein für alle Mal
Die wichtigste Regel zuerst: Applaus gehört ans Ende des Werks, nicht zwischen die Sätze. Eine Sinfonie hat meist vier Sätze, ein Solokonzert drei, dazwischen entstehen Pausen von wenigen Sekunden. In diesen Pausen wird gehustet, geraschelt und geschwiegen, aber nicht geklatscht.
Woran erkennt man das echte Ende? Am Programmheft, das die Sätze auflistet, und am Dirigenten. Solange seine Arme oben bleiben, ist das Werk nicht vorbei. Dreht er sich zum Publikum um, darf der Jubel losbrechen. Im Zweifel hilft die einfachste Taktik der Welt: eine Sekunde warten und mit den anderen einsetzen. Übrigens war Zwischenapplaus im neunzehnten Jahrhundert völlig üblich. Die heutige Stille ist Konvention, kein Naturgesetz.
Kleidung: entspannter als ihr Ruf
Das Bild vom Smoking-Publikum stammt aus Filmen. Im normalen Abonnementkonzert sitzen Menschen in Jeans neben Menschen im Sakko, und niemand schaut schief. Gepflegt und bequem ist die passende Formel, denn man sitzt zwei Stunden.
Festlicher wird es bei Premieren, Silvesterkonzerten und Galas. Wer dorthin geht, liegt mit dunkler Kleidung richtig. Ein Blick auf die Website des Hauses klärt den Rahmen, aber abgewiesen wird wegen Kleidung praktisch nie.
Das Programmheft lohnt sich
Am Einlass oder Büchertisch gibt es das Programmheft, meist für wenig Geld. Es ist mehr als ein Souvenir. Es verrät die Satzfolge, also die Landkarte des Abends, und erzählt, worum es in den Werken geht. Zehn Minuten Lektüre vor Beginn verändern das Hören spürbar: Wer weiß, dass im dritten Satz ein Trauermarsch kommt, hört ihn kommen.
Ein praktischer Nebeneffekt: Mit der Satzübersicht in der Hand erledigt sich die Klatschfrage von allein.
Platzwahl: wo man gut hört
Teuer heißt nicht automatisch besser. Ein paar Faustregeln:
| Platz | Klang | Sicht | Für wen |
|---|---|---|---|
| Parkett Mitte | ausgewogen | gut | der klassische Wohlfühlplatz |
| Erste Reihen | direkt, etwas hart | nur die vorderen Pulte | Fans einzelner Solisten |
| Rang und Balkon | oft sehr klar | Blick von oben aufs Orchester | Einsteiger, meist günstiger |
| Chorplätze hinter dem Orchester | ungewohnt gemischt | direkt auf den Dirigenten | Neugierige mit kleinem Budget |
Für den ersten Besuch sind Rangplätze eine gute Wahl. Man sieht das ganze Orchester arbeiten, hört klar und zahlt weniger.
Ablauf und Ankunft
Einlass ist meist dreißig Minuten vor Beginn, die Garderobe nimmt Mäntel und größere Taschen. Nach etwa einer Stunde Musik folgt eine Pause von zwanzig Minuten, danach der zweite Teil. Handy stumm und dunkel, Hustenbonbons vorher auswickeln, das war schon die ganze Etikette.
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Wer vor dem Konzertabend noch Repertoire-Ideen sucht, findet in der Übersicht von Bach bis Mahler je Epoche ein Einstiegswerk. Alle Artikel dieses Schwerpunkts versammelt die Seite Klassische Musik entdecken.
